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KC-Blätter · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. Seite 138

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
Seite 138 (sequence 12)
Language
German
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138 K. C.-Blätter Nachr.-Hest anständigen Volksgenossen mit Abscheu erfüllen. Das Standbild der Pallas Athene ziert das Portal des neuen Hauses. Fast scheint es, als sei die Göttin der Vernunft hier fehl am Platze. Auch die Büste des Achilles freilich hätte hier wenig Sinn, da die Heidelberger D. St. von ihm zwar das Grollen und Schmollen, aber nicht den Heldensinn gelernt hat. Eher würde zum Symbol die Figur des Ajas passen, des rasenden Kriegers, dem Pallas Athene den Verstand nahm, um ihn zu verderben. Heute schon ist es der Heidelberger D. St., die infolge ihrer eigenen Einsichtslosigkeit die Auflösung erdulden mußte, ergangen wie dem tobenden Ajas, von dem der Dichter sagte: „Ajas fiel durch Ajas Kraft!". Ins Stammbuch. Es Lut gut, daß von Zeit zu Zeit führende Männer der Nation dem ungeratenen Nachwuchs deutliche Wahrheiten sagen. Die erfrischende Kennzeichnung „Heute regieren Männer und keine Lümmels!" ist ein treffendes Wort gewesen, an die Adresse der jugendlichen Maulaufreißer, die mit viel Geschrei und wenig Einsicht das Volk zu erlösen trachten. In etwas anderer Weise, nicht derbmilitärisch, aber mit der scharfgeschliffenen Dialektik literarischer Zeitkritik hat Thomas Mann kürzlich die Angeistigkeit unserer Tage gegeißelt. In seiner Ansprache zur 400-Jahresfeier des Lübecker Katharineums hat der Dichter Worte gefunden, die ins Stammbuch jedes guten Deutschen gehörten, und eine sehr ernste Mahnung zur Umkehr für viele verirrte Seelen sein müssen: „Wenn wir vom weltbedrohenden Geist der Masse reden, so meinen wir durchaus nicht in erster Linie den Geist des Proletariats; wir meinen viel eher eine wuchernde und monströse Ausartung des bürgerlichen Zeitalters selbst ins vergessene Quantitative, instinkthaft Vulgäre und frech Obstinate, eine Rummelwelt. des Vudengeläuts, der mauloffenen TNarktschreierei und des derwischhaften Wiederholens stumpfsinniger Schlagworte, in der nur die rohesten Werbemethoden und Reklamereize noch Wirkung üben, eine Welt geriebenen und skrupellosen Massenfangs, mit der verglichen das demokratische neunzehnte Jahrhundert, als eine Epoche vornehm aufgeklärter Gesittung erscheint." Diese Sätze passen haargenau auf die plumpe, brutale Ägitationstechnik der Hakenkreuzler, bei denen die „derwisch hafte Wiederholung stumpfsinniger Schlagworte" oberster Trumpf ist. Noch präziser wendet sich Thomas Mann an die Studenten von heute, die zwischen Freiheit und Gewalttat oft keinen Unterschied mehr kennen: „Es gibt aber auch nichts zu bewundern, und da ich beim Wünschen bin, so wünsche ich, die höhere Jugend unserer Mittel- und Hochschulen bewahrte sich einige aristokratische Skepsis gegen diese Welt des frenetischen Anernstes und der traurigen Narretei. Wissenschaft, meine Damen und Herren, ist nur eine geistige Form unter anderen; man muß nicht gelehrt sein, um gebildet zu sein. Wozu aber wissenschaftliche Bildung, wozu ein Iugendjahrzehnt der Schulung in methodischem und kritischem Denken, wenn es nicht einmal soviel unterscheidende Widerstandskraft verleiht, um zu verhüten, daß man, mitgerissen von jedem Massen-Run, irgendeinem fanatischen Gaukler ins Garn läuft. Die Methoden der Wissenschaft sind andere als die der Masse, deren ganze Idee, deren einziges Palladium die Gewalt ist. Es ist befremdlich, die wissenschaftliche Jugend den Gewohnheiten einer ausgearteten Massendemokratie verfallen zu sehen — man muß das aussprechen. Diese Professorenhetzen, bei denen man das Prinzip der Lehr- und Lernfreiheit zugleich mit Füßen tritt, diese randalierenden Zusammenrottungen in den Räumen der Lehre und Forschung, die dann durch notwendig einsetzende Gegengewalt geräumt und geschlossen werden müssen — ich weiß wohl, daß nicht d i e Jugend teil daran hat, die überhaupt weiß, was Studium ist, nämlich ein ernstes Mühen um die Fragen des Geistes und Lebens, und die sich nicht von Schmeichlern ihrer Anfertigkeit ein verfrühtes Staatsrettertum aufreden läßt; aber diese Dinge verzerren das Bild der Jugend für alle, die an sie glauben möchten." Es ist betrüblich, daß Thomas Mann nur allzu recht hat. Ein Wort,

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