KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 137 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 137 der die pädagogische und wissenschaftliche Begabung Gumbels mit höchster Anerkennung bedacht wird (vgl. hierzu K. C.-Bl. 2/3, S. 22). Wir glauben, daß diese Studentengruppe am ehesten legitimiert ist, Herrn Gumbel als G elehrten zu würdigen, und daß die Geringschätzigkeit von seilen anderer nur als unaufrichtige und unbeachtliche Laienmeinung gelten kann. Aber die D. St. leistet sich noch viel krassere Unaufrichtigkeiten. 3n einer zweiten Erklärung heißt es: „Der Kampf um die Macht im Staat droht den letzten Rest der Freiheit der Hochschule zu vernichten. Die Tradition der Universität hat man dem rücksichtslosen Kampf um den Marxismus auf der Hochschule geweiht. Die Universitäten haben aufgehört, Stätte nationalen Kulturschaffens zu sein, sie sind in Gefahr, ausschließlich internationaler und fremdrassiger Geisteserziehung zu verfallen. Die Regierungen haben erkannt, daß sie dieses Ziel nur erreichen können, wenn der Hort und der Hüter nationalen Geistes, die K orporationen, zugrunde gerichtet werden. Ber Kampf um die Hochschule wurde somir zum Kampf gegen die Korporationen. Rücksichtslos hat man die Gemeinschaft der Studenten auf der Universität zerschlagen, um sie unter das Joch des neuen Geistes beugen zu können." Man frage einmal einen der Herren, was er sich denn nun wirklich unter dem „Marxismus" vorzustellen habe? Seine Kenntnisse werden vermutlich nicht über die Feststellung hinaus gediehen sein, daß der Schöpfer dieses Begriffes Karl Marx war, und nicht der ehemalige Reichskanzler. Biel mehr wird es bestimmt nicht sein, denn zur Erkundung dieses Begriffes gehört eine sehr eingehende Beschäftigung mit nationalökonomischen Kernfragen. Bekanntlich macht den zünftigen Volkswirtschaftlern das Wesen des Marxismus weitaus mehr Kopfzerbrechen, als den politischen Marktschreiern und Wortjongleuren, denen er gerade um seiner Mystik willen zur Hauptparole geworden ist. Das Interessanteste an der Erklärung ist jedoch' die Furcht vor der „fremdrassigen Geisteserziehung". Es scheint also auch die Wissenschaft in Rassen und Stammbäume eingeleilt zu sein, und der deutsche Student kann mit Recht eine blonde Wissenschaft anstelle der schwarzhaarigen verlangen! Freilich läßt sich noch nicht erkennen» inwieweit schon die fremdrassige Geisteserziehung sich auswirke. Die einzige „Fremdrassigkeit", die maßgeblichen Einfluß auf die Heidelberger. Universitätsgeschichte gewonnen hat, liegt höchstens darin, daß der Hauptmäzen der Universität Rosenwald heißt. Es mag einem „nationalen" Studenten bitter sein, den Universitätsneubau als Wahrzeichen für die Anhänglichkeit eines jüdischen Deutschamerikaners an deutsche Kultur und deutsches Schaffen vor Augen zu haben. Das paßt schlecht zu den Thesen von der jüdischen Kulturfremdheit, und um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, erfindet man die Fabel von der „fremdrassigen Geisteserziehung". Man bekommt es sogar fertig, die ganze Angelegenheit als undeutsch zu bezeichnen, einfach weil sich jüdische Spender in selbstloser Weise zur Unterstützung eines deutschen Kulturunternehmens bereitgefunden haben. So wird im offiziellen Festbericht die Stelle, an der von der hochherzigen Hilfe durch begeisterte Amerikaner die Rede ist, mit einem höhnischen Ausrufungszeichen versehen. Warum man dann aber dem amerikanischen Botschafter einen Fackelzug gebracht hat, läßt sich nach diesem Verhalten kaum erklären, es sei denn dadurch, daß Dankbarkeit nur dem nichtjüdischen Amerikaner gezollt wird. Zeigte sich durch die berechtigte Ehrung Schurmanns, daß man sich über die Verdienste der amerikanischen Gönner in Wirklichkeit durchaus klar war, so empört es doppelt, wenn im, gleichen D. St.-Bericht behauptet wird, die neue Universität trüge „kein deutsches Gesicht mehr", und ähnele mehr einem „amerikanischen Mehlspeicher, als einem Zentrum deutschen Geisteslebens" (!). Diese Formulierung richtet sich offenkundig gegen den Teil des amerikanischen Mäzenatentums, der wegen seines jüdischen Glaubens um jeden Dankeserweis gebracht werden muß. Hier feiert die Doppelzüngigkeit widerwärtige Orgien. Eine solche Betätigung „deutscher Rassehaftigkeit"— die gottlob mit wahrem Deutschtum gar nichts zu tun hat! — muß jeden