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KC-Blätter · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. Seite 133

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
Seite 133 (sequence 7)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.«Blätter 133 Berechtigung eines Gedankens oder Empfindens auf jedes Mittel der Durchsetzung zu übertragen, auch auf das roheste, für geistige Ziele unpassendste. Es soll der gänzlich unzutreffende Eindruck erzeugt werden, als habe der wildgewordene Student in ähnlicher Verfassung gehandelt wie ein hungernder Arbeitsloser, der in den Bäckerladen stürmt, um ein Stückchen Brot an sich zu reißen. Während aber die Handlung des Arbeitslosen wenigstens durch ihre akute Zweckbetonung verständlich wird, entbehrt das Vorgehen der Radaustudenten jeglichen zweckbestimmenden Zusammenhanges, denn ein gewalttätiger Massenüberfall auf einzelne Kommilitonen konnte keinem vermeintlichen oder wirklichen Uebel an die Wurzel dringen. Selbst wenn man die Anwesenheit jüdischer und „marxistischer" Studenten in der Universität als nationales Unglück anseh en müßte, so würde man dem nicht dadurch begegnen, daß man die wenigen Vertreter der mißliebigen Gattung, die gerade über den Weg laufen, verdrischt. Die Verherrlichung der Gewalt kann nur verstanden werden als eine Absage an den Ordnungs- Gedanken überhaupt. Die „Deutsche Akademikerzeitung" beruft sich sogar ausdrücklich auf den allgemeinen Unfrieden der Zeit, und hält aus diesem Grunde den Gedanken vom Frieden der Wissenschaft für verfehlt: „Wer jetzt nach Frieden ruft, ruft nach Kirchhofsfrieden". Ein erschreckender- Beweis dafür, daß sich über das Moralempfinden vieler Akademiker schon längst wahrer Kirchhofsfrieden gesenkt hat. Brutalität und Wissenschaft — das sind zwei Elemente, die nicht einmal dann Zusammenkommen, wenn lich Feuer und Wasser vermählen. Als Stimme der Vernunft in D. St.-freundlichen Kreisen kann die Erklärung des Münchener Asta registriert werden, der zur Mehrheit aus Vertretern des D.St.-Kurses besteht. Die Erklärung, der nichts hinzuzusetzen ist, lautet folgendermaßen: „Die Studentenschaft ist der Ansicht, daß an der Universität vollkommene Ruhe herrschen muß, und zwar im Interesse der Herren Professoren wie der Studierenden, die beide in Ruhe iveiterarbeiten wollen. Sie lehnt deshalb die vorgekommenen Störungen aufs schärfste ab und ersucht besonders die Vertreter der offiziellen Studentenschaft, dafür Sorge tragen zu wollen, daß auch in Zukunft alle Tumulte unterbleiben. Alle Beschwerden und Aeußerungen wollen stets über die staatlich anerkannte Studentenschaft geleitet werden, die ihr möglichstes tun wird, um die Interessen aller Studierenden zu vertreten. Auseinandersetzungen, wie sie vorgekommen sind, schaden in erster Linie dem Ansehen der Hochschule und der Gesamtvertretung oer Studierenden, stören die Arbeit nicht nur in der Hochschule, sondern auch die sachliche Arbeit des Vorstandes, die er im Interesse von Hochschule und Studentenschaft leisten will." In Köln sind seinerzeit ähnliche Erklärungen abgegeben worden. Sonst aber ist es lediglich die Presse der nicht zur D. St. gehörenden Gruppen, die scharf gegen die Skandale protestiert. Die „Akademischen Monatsblätter" des K.V. (Katholische Studentenvereine) sehen die Vorgänge mit erfreulicher Klarheit als das an, was sie waren, und sagen ihre Meinung in aller Offenheit: „Die deutschen Universitäten, einst Pflegestätten deutschen Geistes, werden mehr und mehr zu Tummelplätzen politischen Rowdietums. In Königsberg, München, Breslau, in Berlin und Köln haben sich vor einiger Zeit Szenen zugetragen, die jedem Akademiker die Schamröte ins Gesicht treiben: Die Träger politischer „Ideale" vom kommunistischen Zukunftsstaat und vom Dritten Reich verliehen ihrer Geistigkeit mit Fäusten Nachdruck. Einmal bot ein mißliebiger akademischer Lehrer, dann eine verhinderte Anti-Versailles-Kundgebung, dann irgend etwas anderes die erwünschte Gelegenheit zur Prügelei. Man kann diese Dinge nicht mit der, übrigens immer unbewiesenen, Behauptung abtun, daß nichtstudentische Elemente ihre Urheber seien; man kann sie auch nicht mehr entschuldigen mit dem Hinweis auf die Neigung der Jugend zu politischem Radikalismus. Solche Ausschreitungen sind vielmehr Anzeichen . für wachsende geistige Impotenz, die, da sie an der Kraft der Idee verzweifelt, an ihre Stelle die Kraft des Knüppels setzt. Bedauerlich

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