KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 8-9 (August 1931)
- Date
- 1931-08-01
- Page
- Seite 132 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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132 K. C.«BlätLer Nachr.-Hest Schließlich sei noch erwähnt, daß zur Erklärung der ganzen Vorgänge auf ein absolut unpassendes Beispiel Bezug genommen wird, nämlich auf die Demonstrationen der spanischen Studenten für die Republik! Der Verleich zwischen den freiheitlichen Stuenten Spaniens und unseren Prügel- Helden fällt aber leider für unsere Landsleute wenig schmeichelhaft aus. Das Vorgehen der spanischen Studenten bewies Mut und Schneid, weil es sich gegen eine schwerbewaffnete Majorität richtete, im Gegensatz zu unseren Kämpen, die eine Minderheit terrorisierten, und gerade durch diesen Vergleich in ihrer ganzen Jämmerlichkeit erkannt werden. Man kann übrigens, worauf die „Burschenschaftl. Bl." ebenfalls anspielen, die Rebellion der Madrider Studenten als gesetzwidrig mißbilligen, wenngleich die Revolution durch ihren Erfolg das Unrecht zu läutern vermag, — man wird aber auf alle Fälle in ihr mehr Bravour sehen als in den heimtückischen Ueberfällen hierzulande. Aehnlich den Burschenschaften äußert sich das Verbandsorgan des „Vertreter-Convents", die „V. C.-Rundschau". Das überrascht nicht, nachdem wir schon kürzlich Anlaß hatten, die dort betriebene Anbetung der Gewalt zu kritisieren. Unsere Stellungnahme dewog die „V. C.-Rundschau" zu dem Ausruf, weite jüdische Kreise seien einfach unfähig, die geistigen Vorgänge in Deutschland überhaupt nur zu verstehen. Wir verstehen allerdings auch heute nicht, daß der deutsche Student seine Seelennöte. durch blutige Gewalt lösen will, und halten es in der Tat für entehrend, sachliche Gegensätze durch Pöbeleien auszutragen. Am allerwenigsten verstehen wir, daß Schlägereien geistige Vorgänge seien. Man möge sich auf der Gegenseite nur nicht kurzsichtiger stellen als man ist. Wir bemerken in manchem Kommentar zu unseren Ausführungen die Auffassung, wir wollten jeden Nationalsozialisten als Rowdy hinstellen. Wir nennen — und das hat man in Wirklichkeit dort drüben sehr gut verstanden — den einen Strolch, der inmitten von Horden auf wehrlose Einzelne losschlägt. Wenn Nationalsozialisten so handeln, was schon hin und wieder passiert sein soll, dann muß man füglich von nationalsozialistischen Strolchen reden. Das hat mit einer Auseinandersetzung über den geistigen Inhalt des Nationalsozialismus ebensowenig etwas zu tun, wie diese Prügeleien etwas mit Geist zu tun haben.' Das Denkest und Wollen der heutigen Studentenmehrheit steht auf einem ganz anderen Blatt, und ist gerade dann nicht Gegenstand der Kritik, wenn die' gewalttätige Methodik angeprangert wird, die gar nicht Ausdruck eines geistigen Vorganges sein kann. Das weiß man drüben ganz genau, aber man schämt sich dieses Wissens, und esist interessant, wie man einer sachlichen Auseinandersetzung ausweicht. Bezeichnender Weise will die „V.C.-Rundschau", deren Attacke gegen die „akademische Würde" wir kürzlich geißelten, sich nicht mit uns im. Einzelnen unterhalten, weil — nun höre man eine sehr aufschlußreiche Begründung — ihre völkische Haltung ihr das verbiete! Eine bequeme Entscheidung, gerade so bequem wie die Verweigerung körperlicher Satisfaktion, die vor dem Blamiertwerden schützt. Zugleich liegt darin, gerade wie bei der Duellfrage, eine gehörige Portion Ueb erheb lichkeit, und schließlich das Eingeständnis, daß völkische Haltung, indem sie sachlichen Disput ausschließe, gleichbedeutend ist mit bewußter Subjektivität und gewollter Unbelehrbarkeit. Bei dieser Einstellung ist es kein Wunder, wenn die Tumulte des Sommersemesters von der „V.C.- Rundschau" erklärt werden aus der nationalen und kulturellen Gewissensnot des deutschen Studenten, wenn nirgends ein Wort des Tadels über die Methoden zu lesen ist, und wenn sogar — eine Sünde ist der anderen wert — der Zusammenbruch der Österreichischen Creditanstalt in Erinnerung gebracht wird! Die Logik ist vermutlich die: Wenn Bankdirektoren ihre Gläubiger schädigen, dann dürfen auch Studenten ihre Gegner verprügeln. Die gleichen Töne schlägt die „Deutsche Akademikerzeitung" an. Die Krawalle wären die „notwendige Folge der katastrophalen Entwicklung und Lage der heutigen Zeit, die unvermeidliche Reaktion auf die soziale Verelendung und die nationale Bedrückung des deutschen Volkes". Hier liegt der gleiche Fehler, die eventuelle