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KC-Blätter · 1931-08-01 · Heft 8-9 (August 1931) · p. Seite 131

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 8-9 (August 1931)
Date
1931-08-01
Page
Seite 131 (sequence 5)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.«Blätter 131 minderte Zukunftschancen ist. Zu denken gibt, daß schon im vergangenen Winter, im Ueberschwall des Triumphes, man Fensterscheiben klirren ließ, und weiße Mäuse durchs Theaterparkelt jagte. Möglich ist freilich, daß diese Roheiten doch zuweilen die Sympathien mancher Mitläufer vernichten; Äeußerungen ähnlicher Art konnte man im vergangenen Winter wie auch nach den neuesten Exzessen aus der Volksmeinung erlauschen. Das gilt aber nicht für die Kreise der Deutschen Studentenschaft. Hier zeigt sich leider Gottes immer deutlicher, daß man mit jeder Gewalttat einverstanden ist. Seitdem die D. St. immer mehr unter nationalsozialistischen Einfluß geraten ist (der Bericht im nächsten Heft über den Grazer Studententag wird das beleuchten), seitdem opfert sie stückweise eine ihrer moralischen Traditionen nach der anderen. Ausschreitungen auf akademischem Boden wurden früher entweder totgeschwiegen oder mit gewundenen Erklärungen kommentiert. So unerfreulich das war, so entsprang es immerhin einer Regung, die sich im stillen derartiger^ Vorkommnisse schämte. Heute aber ist man dazu übergegangen, die Brutalität geradezu heilig zu sprechen; denn soweit die der D. St. nahestehenden Zeitschriften über die Krawallserie des Sommersemesters berichten, geschieht es im Sinne offener Zustimmung. Allen voran natürlich die „Burschenschaftlichen Blätter", die einen besonders geschmacklosen Bericht herausgebracht haben. Die Tatsache, daß an den Berliner Universitätsszenen auch die Kommunisten mitschuldig waren, veranlaßt das Organ der Burschenschafter zu der Behauptung, auffallend sei die große Zahl von „Damen", meistens Jüdinnen, gewesen. Das Wort „Damen" ist ausdrücklich mit Anführungszeichen versehen worden, und offensichtlich wollen die „Burschenschaftlichen Blätter" den jüdischen Mädchen den Charakter des Damentums absprechen. Bekanntlich liegt in einer solchen Feststellung nach unseren Begriffen eine ganz außerordentliche Ehrenkränkung, und wir können nicht umhin, dieses Benehmen als eine besonders arge Verletzung der Kavalierspflichten zu bezeichnen. Es handelt sich wohlgemerkt nicht darum, daß wir uns schützend vor irgend eine agitatorische Betätigung einer jüdischen Kommunistin stellen wollen: wir nageln nur mit aller Empörung eine Gesinnung fest, die in der jüdischen Frau von vornherein nicht die Dame zu achten gewillt ist. Es zeigt sich, daß der Geist der berüchtigten Eisenacher Beschlüsse, betreffend die „Juden- und Negerweiber", noch immer in der Burschenschaft lebt. Ihr Bericht über die Unruhen fällt auch in anderer Hinsicht auf. Es fehlt nicht die Versicherung, daß solche Skandalszenen unerfreulich seien. Die Konsequenz dieser Erkenntnis ist aber, wenige Zeilen später, die Mahnung, solche Vorgänge nicht mit dem „moralischen Maßstäb des Abwägens zwischen gut und böse" zu messen. Im Gegenteil, das Schlag, wort „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht", sei „anrüchig" geworden. Die akademische Würde könne auch nicht verlangen, daß man vor einem körperlichen Angriff weglaufe. Das ist eine Verdrehung des Tatbestandes. Die „Burschenschaftl. Bl." wollen doch nicht im Ernst behaupten, die Radaustudenten seien in Notwehr gewesen, seien trotz ihrer Uebermacht von den bestimmt in der Minderzahl befindlichen sozialistischen und jüdischen Studenten angefallen worden? Die Unruhen seien nicht Schlägereien randalierender junger Burschen gewesen — heißt es wörtlich am Schluß des Berichtes. Am Anfang aber las man, derartige „Randalszenen" sollen nicht begrüßt werden. Wie reimt sich das zusammen, daß junge Leute „Randalszenen" veranstalten, ohne dabei zu „randalieren"?? Kein besserer Beweis ist denkbar für die erschreckende Hohlheit dieser Verteidigung, die nicht einmal davor sicher ist, sich selber Lügen zu strafen. Sogar die Lehre des Christenglaubens wird bemüht, um darzutun. daß „Unduldsamkeit zu. weilen unentbehrliche sei. Der christ. lichen Weltauffassung entspricht die scheinbar so sympathische Unduldsamkeit aber ganz und gar nicht, und die „Burschenschaftl. Bl." tun ihrer Glaubensgemeinschaft wenig Ehre an, wenn sie Episoden der christlichen Geschichte zitieren, die mit dem wahren Glauben nicht im Einklang standen.

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