KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 5 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 86 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 K. C.« Blätter Nachr.-Heft Einheitsfront der Anständigen! Je tiefer der Rausch, desto schwerer die Ernüchterung, desto trister aber auch der Katzenjammer. Am den Katzenjammer, den manche Mitläufer der Nationalsozialisten einmal erleben werden, brauchen wir sie nicht zu beneiden. Sicherlich aber sind es die von Grund auf Anständigsten unter ihnen, die bereits heute schon das graue Elend spüren, das sie ob allzulanger Zugehörigkeit zur Hitlerei befallen har. Ls sind noch nicht allzu viele, aber ihre Zahl wächst, und jeder einzelne von ihnen ist eine furchtbare Anklage gegen ein System von Haß, Verlogenheit, moralischer und geistiger Krankhaftigkeit, wie es in der NSDAP, gezüchtet worden ist. Wenn gerade die Leute als erbitterte Gegner einen Kreis verlassen, die als. hoffnungsgläubige Idealisten in ihn getreten sind, dann wiegt ihre Stimme dreifach schwer, denn ihnen hat die Realität des praktischen Erlebens den Ekel erzeugt. Deshalb kommt es weniger auf die Zahl an, als auf den Durchbruch gesunder Smptome, der sich in Gründungen offenbart, wie es beispielsweise der „Deutschlandbund" ist. Diese Organisation, die heute sicherlich noch nicht einmal ein einziges Reichstagsmandat erwerben könnte, ist dennoch beachtenswert, weil sie eine spontane Reaktion auf die Gebarung der Hitlerpartei bedeutet. Darum scheint sie uns beachtenswerter als die Stennes- und Strasser-Opposition, weil bei diesen Gruppen die Haßidee immer noch viel zu sehr im Vordergrund steht. Der Kreis des Deutschlandbundes", bekannt geworden durch die Vorträge des Kapitänleutnants von Mücke, predigt hingegen eine radikale Abkehr vom Wollen und Tun des Nationalsozialismus. Er umfaßt, wie aus den von ihm herausgegebenen Blättern hervorgeht, Vertreter sämtlicher Richtungen, die gewillt sind, gegen Angeist und Terror anzukämpfen. Er ist, wie die „Blätter des Deutschlandbundes" bezeugen, nicht etwa das Produkt einer internen nationalsozialistischen Palastrevolution. Seine Gründung dürfte aber, wie ja die Person des Kapitänleutnants von Mücke zeigt, von Personen inspiriert worden sein, denen das Treiben im Hitlerlager zu bunt wurde. Seine Blätter lesen sich als ein sympathisches Bekenntnis zur politischen und menschlichen Anständigkeit, und als entschiedener Kampfruf gegen Verwilderung und moralische Korruption. Aus diesem Grunde sollen seine Bestrebungen begrüßt und unsere Freunde auf die von ihm herausgegebenen Blätter aufmerksam gemacht werden. Das gilt auch von einer anderen Zeitschrift, auf die übrigens auch in denselben Blätternhingewiesen wird: „Der Staat seid ihr!". Diese Zeitschrift, die von Anhängern der echten Staatsgesinnung herausgegeben wird, die Kreise von der Sozialdemokratie bis zum Landvolk umfassend, hat es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt, die Einheitsfront der Anständigen zu schaffen. Anter der Aeberschrift „Wiedergeburt der Anständigkeit" veröffentlicht Thomas Mann eine große Abhandlung, die in dem Bestreben gipfelt, das politische Leben Deutschlands von aller moralischen Ansauberkeit 311 reinigen. Man kann diesem Bestreben nur Erfolg wünschen, denn nur daraus ist Deutschlands Gesundung zu erwarten. Die Zahl der jüdischen Studierenden an der Wiener Universität. (I.T.A.) Laut amtlicher Statistik studierten im Jahre 1930 an der Wiener Aniversität 2287 jüdische Studenten bei einer Gesamtstudentenzahl von 12 006 Studierenden. Von den Juden haben sich bloß 958, also kaum die Hälfte, zur jüdischen Nationalität hekannt. Diese Statistik ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Der Wiener Hochschulantisemitismus, dessen Brutalität berüchtigt ist, zeigt sich deutlich als Produkt eines Inferioritätsgefühls, als Ausfluß einer lächerlichen Furcht, die Zwölftausend vor Zweitausend empfinden. Sie zeigt auch die innere Haltlosigkeit des in Oesterreich geltenden. Prinzips der Studentennationen auf „arischer" Grundlage. Erheblich weniger als die Hälfte der jüdischen Studenten haben sich zur sogen, jüdischen Nation bekannt. Das will um so mehr besagen, als gerade in Wien das ostjüdische Element stark vertreten ist.