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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 5 (Mai 1931) · p. Seite 82

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 5 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 82 (sequence 12)
Language
German
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82 K. C.-Blätter Nachr.-Heft mann und Dr. Stapel abgedruckt, die sich auf diesen Sah bezieht. Dr. Naumann fragt Dr. Stapel folgendes: .. Dieser Passus ist mir völlig unverständlich. Ich kann mir nicht denken, daß Sie unsere Bestrebungen und unsere Auffassung des Problems so gründlich mißverstanden haben sollten. Es Ware mir sehr erwünscht, von Ihnen zu erfahren, was Sie wirklich gesagt haben, und demnächst mit Ihnen in einen rein persönlichen Meinungsaustausch zu treten...." Dr. Stapel antwortet darauf, daß er den stenographischen Bericht seines frei gesprochenen Vortrages soeben erhalten habe. Danach habe er gesagt: ... Ich meinerseits als Nichtjude kann selbstverständlich keinem Juden zumulen, sein Volkstum aufzugeben; wollte man mir entsprechendes zumuten, so würde ich den Tod vorziehen. Dasselbe wird für den Juden gelten." Dr. Stapel fahrt, nach einer Erklärung dieser Worte, fort: „Ein Wort wie „Unverschämtheit" habe ich selbstverständlich nicht in den Mund genommen. Ich habe mich bemüht, jedes Arteil über die. innerjüdische Auseinandersetzung streng zu vermeiden, und ich denke, diese Nichteinmischung in den Bannkreis innerjüdischen Lebens ist mir gelungen. Worte wie Unverschämtheit vor einem internationalen Publikum unbeleidigt zu gebrauchen, liegt außerhalb meiner Lebensgewohnheiten. Es ist sehr häßlich, daß man mir solche Ausdrücke unterschiebt." Es sei mir gestattet, als Teilnehmer der Konferenz von Nyon mich dazu zu äußern. Ich fühle mich dazu um so mehr berechtigt, als ich außerordentlich ausführliche Aufzeichnungen in Nyon gemacht habe und überhaupt den Verhandlungen mit angespanntester Aufmerksamkeit gefolgt bin. Es liegt mir daran, Irrtümer aufzuklären, die im vorliegenden Fall auf beiden Seiten bestehen. Dabei ist es unerheblich, daß ich weder mit den Ausführungen, die Dr. Stapel in Nyon gemacht hat, übereinstimmenoch mit der redaktionellen Stellungnahme der „Jüdischen Rundschau" in der genannten Nr. mich einverstanden erklären kann,- habe ich doch selbst in meinem in dieser Nummer der K. E.- Blä tter ab gedruckten Bericht mich gegen eine Stelle der redaktionellen Aeußerungen der „Jüdischen Rundschau" gewandt. Nach meinen Aufzeichnungen hat Dr. Stapel wohl das Wort „UnversHämtheit" gebraucht. Aber er hat es in einem anderen Sinne getan, als Dr. Naumann angenommen hat und nach der Darstellung der „Jüdischen Rundschau" auch annehmen konnte. Trotzdem hat auch diese nicht unrecht. In meinen Aufzeichnungen, die keinen Anspruch auf vollendeten Stil erheben können, heißt es wörtlich: „Wie soll sich der Jude in dieser Welt benehmen? Es gibt welche, die (Naumann) völliges Aufgehen fordern. Sehr kleine Gruppe. Ich kann keinem Juden zumuten, sein Volkstum aufzugeben — das wäre Unverschämtheit — wie mir niemand mein Teutschtum nehmen kann." Meine Erinnerung deckt sich völlig mit dieser Notiz. Es. haben also beide Teile recht. Dr. Stapel, wenn er meint, er habe das Wort „Unverschämtheit" nicht gegen andere gebraucht. Die „Jüdische Rundschau", wenn sie schreibt, daß Dr. Stapel das Verlangen nach Aufgabe des Volkstums eines anderen als Unverschämtheit bezeichnet hat. Das Wort „Unverschämtheit" ist in keiner Weise beleidigend verwendet worden; es hat sich auch niemand beleidigt fühlen können, da Dr. Stapel es ja nur in hypothetischer Anwendung auf sich selbst gebraucht hat. Daß dieses Wort in der stenographischen Aufnahme des Stapelschen Vortrages nicht zu finden ist, kann nicht verwundern. Diese Aufnahme ist nicht etwa einer parlamentsstenographischen Niederschrift gleichzusetzen, sondern kann nach dem, was mir die Sekretärin der Tagung in Nyon gesagt hat, sich nur auf das Wesentliche beschränkt haben. Dieses Wesentliche ist ja auch anscheinend richtig wiedergegeben. Hans Lennhoff.

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