KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 5 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 81 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.-BlätLer 81 mochten nichts daran zu ändern. 2m Gegenteil, ohne sie wäre ein wirklich menschliches Verhältnis Wohl nicht entstanden. Nur im Kampfe, nur in der Austragung der Meinungsverschiedenheiten liegt die Möglichkeit einer Entwicklung. Mehr als einmal haben wir gehört: Der Antisemitismus ist ein deutscher Ausfuhrartikel. Mehr als einmal haben die deutschvölkischen Delegierten diese Feststellung als peinlich empfunden, sie zurückgewiesen mit der Bemerkung: Deusch- (and habe solche Ausfuhr nicht angeboten; die deutsche, völkische Bewegung habe nichts gemein mit dem Antisemitismus, wie er sich im Osten und auf dem Balkan zeige; sie lehne vor allem seine Auswirkungen auf das entschiedenste ab. Aber muß solche Bemerkung nicht zum Nachdenken führen? Ist es nicht von Wert, wenn so unseren völkischen Mitbürgern gesagt wird, wie Außenstehende, Nichtdeutsche die Dinge sehen? — > In immer steigendem Maße zeigte die Konferenz: Mit Theorien ist es nicht getan. Es genügt nicht, seine Ansicht zu verteidigen, es ist zwecklos, Aeberzeugungen gegeneinander auszuspielen. Eins ist not: Den anderen zu kennen! And an diesem einen gerade fehlt es bisher! Hierin sehen wir den großen Wert solcher Tagungen! Es klingt ja nahezu unglaublich, aber entspricht doch den Tatsachen. Heute ist es fast überall unmöglich, daß sich Führer der verschiedenen Lager einmal ruhig und sachlich über die Dinge unterhalten — über Dinge, die ihnen beiden arg am Herzen liegen, über Fragen, deren Lösung ihnen beiden dringlich erscheint, über Sorgen, die ihnen Leiden gemeinsam sind! In Schloß Bierville wurde ein Anfang gemacht. In Nhon ist man ein gutes Stück weiter gekommen. Wenn man die bei flüchtiger Durchsicht belanglos erscheinenden Ergebnisse der Tagung genau liest, dann sieht man: Ansere Erkenntnis ist auch die Erkenntnis der Konferenz gewesen. . Wird sie Folgen haben? Wir hoffen: ja! Ls wäre falsch, zu glauben, wir könnten uns von heute auf morgen gegenseitig überzeugen, könnten Frieden schließen alle miteinander und von nun ab nur noch ruhig zusammenlebende Menschenbrüder sein. Dazu sind die Gegensätze zu stark» dazu gehen die Meinungen zu weit auseinander, dazu ist die Zeit nicht reif! Man kann nicht erwarten» daß Entwicklungen vieler Jahre sich in Tagen zurückbilden könnten. Was man erhoffen kann, ist, daß eine neue Entwicklung einzusetzen beginnt. Sie kann vorerst nicht in die Breite wirken; die große Masse wird von ihr noch lange unberührt bleiben. Wenn aber nur ein kleiner Teil dazu geführt wird, sich gegenseitig zu verstehen, sich zu achten und zu schätzen, kann die Wirkung um so tiefer sein. Der Weg, der von Bierville nach Nyon geführt hat, geht weiter. Ihn nicht wieder zu verlieren» ist unsere Aufgabe. Wenn wir den Hindernissen, die sich gewißlich auftürmen werden, nur mutig zu Leibe gehen, wenn wir sie in ihrer Größe und Bedeutung zu erkennen versuchen, können wir hoffen, bis ans Ende zu gelangen. Wer in Nhon gewesen ist, wird den Willen haben, mit dem Weltstudentenwerk zusammen weiter zu gehen. Das ist der Glaube, den wir von der Konferenz mitgebracht haben. Dr. Stapel und „Dev nationaldeutsche Jude". Ein Nachspiel der Nhvner Tagung. Irr der „Jüdischen Rundschau" (Nr. 30) ist ausführlich über die Tagung von Nyon berichtet worden. Bei der Wiedergabe des Stapelschen Referates ist folgendes u. a. ausgeführt worden: „Bezüglich der Naumann-Gruppe, die eine Verbindung mit dem Gesamtjudentum überhaupt leugne» erklärt er (d. i. Dr. Stapel — d. Vers.) es sei eine Anverschämtheit» von anderen die Aufgabe ihres Volkstums zu verlangen."*) In der Zeitschrift „Der nationaldeutsche Jude", Heft 5, ist unter der Aeberschrift „Briefwechsel mit einem Deutschvölkischen" eine Korrespondenz zwischen Rechtsanwalt Dr. Max Nau- *) Dies Zitat ist von der „Jüdischen Rundschau" aus dem Bericht der „Ita" übernommen. D. R.