KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 5 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 80 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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80 K. C.-Blätter Nachr.-Heft rakterisieren: Badt ist ein feiner Kerl! So ungewöhnlich dieser Ausdruck klingen mag — besonders in Anwendung auf einen höchstenMinisterialbeamten, von einem sehr viel Jüngeren gebraucht- —, es gibt keinen anderen, der in Kürze das sagt, was zu sagen ist. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Dr. Badt sich der Sympathre und des Entgegenkommens aller erfreuen konnte, die an der Konferenz teilnahmen. Mit vielem von dem, was er sagte, sind wir einverstanden. Vieles allerdings beruht auf einer Weltanschauung, die uns fremd ist. Wir finden uns mit Badt, wo er sich gegen Stapel wendete; wir sind mit ihm einig, wenn er z. B. dessen Lehren vom Plasma, vom Staate und von der „gefährlichen" Rolle der Juden in der Politik ablehnt und mit guten Gründen widerlegt. Mit Dr. Badt verstehen wir nicht, wenn z. B. in England große Männer des öffentlichen Lebens Juden sind und kein Mensch daran denkt, ihnen zu sagen, sie seien deshalb keine guten Briten — warum es in Deutschland anders sein müsse? Wir verstehen es um so weniger, als doch auch die deutsch-völkischen Delegierten Zugaben: In Osteuropa, in Polen besonders und der Tschechoslowakei wird das Deutschtum vor allem von Juden vertreten und gut vertreten! Mit Dr. Badt sind wir einig in der Bewunderung dessen, was von Juden tu Palästina geschaffen worden ist, so wie jedermann tiefe Achtung vor dem dort Geleisteten empfinden muß. In vielem jedoch können wir ihn vielleicht verstehen, aber nicht mit ihm mitgehen. Der andere zionistische Referent war Dr. Rahum Goldmann. Ein ganz anderer Mensch. Ein Fanatiker des Zionismus. Ein ^cmattfer seiner eigenen Ideen. Ern Meister des Wortes und der Dialektik — vielleicht auch hier ein Fanatiker. Mit ihm gab es kein gegenseitiges Verstehen. Seine Welt und die unsere sind verschiedene Welten. Der Verfasser gesteht: Er kann den Gedankengängen Goldmanns nicht Nachkommen. Aber er hat auch bemerkt, daß Dr. Goldmann ihn nicht verstanden hat. Es wäre falsch, zu verschweißen, daß Dr. Goldmann der größte Beifall der Konferenz zuteil geworden ist. Was er sagte, deckte sich weitgehend mit dem, was von deutschvölkischer Seite vorgebracht wurde. Das wundert uns nicht! Ist doch auch Goldmanns Ideologie wesentlich völkisch eingestellt! Aebertrifft doch auch seine jüdischnationale Begeisterung an Amfang und Stärke manchen anderen Chauvinismus. Den großen, rednerischen Erfolg Goldmanns festzustellen, ist' also berechtigt. Daraus aber herleiten zu wollen, daß „die verschwommene Haltung der Assimilanten" — so nannte man in Nhon die nichtzionistischen Juden — auf der anderen Seite nur „Mißtrauen" erzeugt habe, ist nicht berechtigt. (Man hat nach der Konferenz derartiges gelesen.^) Wir wolhier nicht polemisieren. Die Feststellung mag genügen: So ist es nicht gewesen! Eines allerdings muß zugestanden werden. Nachdem über die deutschen Verhältnisse mit einer Ausführlichkeit gesprochen worden ist, als ob man sich auf einer deutschen Konferenz befände, kamen die außerdeutschen Fragen zu kurz. Nicht nur an Zeit mangelte es; die Delegierten hielten sich teilweise in auffälliger Weise zurück. Wir bedauerten das. Es hat Befremden auch bei uns erregt, als man aus Angarn zum Beispiel nichts von alledem hörte, was man so häufig in der Tagespresse lesen muß. Auch die Berichte aus Polen und Rumänien waren nicht von der Lebendigkeit und Plastik, die uns in Bierville einen klaren Eindruck der dortigen Lage verschafft hatte. Wir glauben aber nicht» daß Feigheit und Servilismus solche Zurückhaltung verschuldet hat. Ans scheint, daß die Delegierten ehrlich an das glaubten, was sie gesagt haben?) In den fünf Tagen der Konferenz kamen sich die Teilnehmer menschlich immer näher. Die gelegentlich auftretenden, starken Spannungen ver- 4) „Jüdische Rundschau" Nr. 30, Aussprache über die Judenfrage. 5) Vgl. „Jüdische Rundschau" Nr. 30 und die in Nr. 31 von Dr. Badt vertretene, unserer gleichlautende, Auffassung.