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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 5 (Mai 1931) · p. Seite 79

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 5 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 79 (sequence 9)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.« Blätter 79 Recht, andere, weniger bedeutende Völker politisch zu führen?) Die Juden seien geborene Gegner dieses Imperium teutonicum. Warum? Von allen denkbaren Betrachtungsweisen wählt Dr. Stapel die biologische. Er sagt: alle Lebewesen, alle Volker haben ein Plasma. Dieses umfasse die Gesamtheit des Lebendigen in ihnen, mit all seinen Bildungsmöglichkeiten. Je ausgeprägter, differenzierter solches Plasma sei, desto nüchterner, skeptischer, in seinen Reaktionen berechenbarer sei ein Volk — desto weniger auch fähig zu künftigen, großen Leistungen. Je weniger differenziert aber ein Volk in seinem plasmatischen Erbe sich darstelle, desto unberechenbarer sei es —, und gerade das werde ja dem noch wenig differenzierten Deutschen so oft vorgeworfen —, desto begeisterungsfähiger, desto mehr zu großen Zukunftsleistungen befähigt. Während die Deutschen ein junges, unausgeprägtes Volk seien, so sei das der Juden alt und in hohem Maße differenziert. Daher die Anmöglichkeit einer Symbiose beider! Die Lage sei anders, wo „Gastvolk" und „Wirtsvolk" in etwa gleichem Maße differenziert seien; deshalb finde sich auch in Frankreich und England kein Antisemitismus. Diese Theorie läßt sich, meinen wir — meinte der größte Teil der Konferenz —, nicht halten. Wie mißt man den Grad der plasmatischen Differenziertheit? Wie kann man ihre Wirkungen auf das Lebewesen ermitteln? Wieso ist in Frankreich der Drehfuß-Antisemitismus möglich gewesen, wenn doch dort plasmatische Ausgeglichenheit bestehen soll? — Wir fragen weiter: Kann man auf Hypothesen — und seien sie auch noch so geistvoll und verführerisch — ein Weltbild aufbauen? Stapel sprach von Querverbindungen, die die Juden in der Außenpolitik für ihre Heimatländer gefährlich machten, von ihrem Pazifismus, der ein Zeichen des Besitzes, immer vom Besitzenden gegen den Besitzlosen ausgespielt werde. Von dem inneren, notwendigen Konflikt war die Rede, 3) Vergleiche Dr. Wilhelm Stapel: Imperium teutonicum in „Deutsches Volkstum, Monatsschrift für das deutsche Geistesleben", Januar 1931. der zwischen Judentum und Deutschtum zum Ausbruch kommen müsse und Deutschland gefährlich werden könne. Er schloß: aus Antersuchungen, wie die Konferenz sie vornehme» könne eine Klärung kommen. Diese sei dann gesund, wenn sie zur Scheidung des Nichtzusammengehörigen führe. — Aber Dr. Stapel hat nicht gesagt, wie er sich solche Scheidung denkt. Dr. Brodnitz erwiderte. Klar und eindrucksvoll legte er den Standpunkt des deutschen Juden dar, der an nationalem Erlebnis nur Deutschland hat, der der Religion und der Abstammung nach Jude ist. Was er sagte, bedarf hier in diesen Blättern keiner Ausführung. Es ist das, was der K. C.er fühlt und empfindet. Im gleichen Sinne sprach in verschiedenen Diskussionsreden auch der Verfasser. Er wiederholte, was er in Bierville gesagt hat: die deutschen Juden in der Tschechoslowakei beispielsweise haben sich nach dem Kriege in die deutschen Matrikeln eingetragen; sie haben ihre Kinder auf die deutschen Hochschulen geschickt und sie dem nur dort auftretenden Antisemitismus ausgesetzr. Dazu kam der damals starke national-tschechische Druck. — Was kann sie dazu bewogen haben, als das in ihnen lebendige, deutsche Volkstum? — Wer vermag zu sagen, was in einem deutschen Juden deutsch ist und was jüdisch? Wer kann Richter über das subjektive Empfinden eines Juden sein, der, soweit es um nationales Erleben, um nationale Opferfreudiakeit und Bereitwilligkeit geht, sich allein und vorbehaltlos als deutsch ansieht? Ist solches Empfinden nicht spontan, nicht selbstverständlich, bewährt es sich nicht in seiner Echtheit!, wenn es allen Anfeindungen zum Trotz lebendig bleibt? Der Zionismus erscheint dagegen als das Ergebnis einer rationalen Aeberlegung; ist er doch im Kopfe eines Schöpfers entstanden, als Reaktion auf das „ä bas les juifs!“, das französischer Pöbel vor den Toren des Gerichtsgebäudes brüllte, in dem der Dreyfusprozeß verhandelt wurde. Es war Dr. Badt, der deutsche, in Deutschland verwurzelte Zionist, der an diesen Augenblick erinnerte. Er spielte eine besondere Rolle auf der Tagung. Es ist leicht, ihn zu cha-

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