KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 5 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 78 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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78 K. C.-Blätter Nachr.-Heft artigen Einflüsse von ihm fernhalten, damit es sich erst einmal eigentlich finden könne. — Schmadel also hat das Jüdische als etwas Anderes bezeichnet, nicht als etwas Minderes, und er hat in aller Deutlichkeit betont, daß er für seine Person und daß die deutschen Studenten in ihrer Gesamtheit es ablehnen, in diffamierender Weise die Gegensätzlichkeiten auszutragen. Er wurde gefragt, wie z. B. dann die Satisfaktionsverweigerung möglich sei; es sei doch eine Diffamierung der jüdischen Studenten, wenn man sich für zu gut halte, die -Klinge mit ihnen zu kreuzen. Die Antwort war von außerordentlichem Interesse. Sie verdient um so mehr Beachtung, als sie von einem führenden Mitglied der Deutschen Burschenschaft und in Gegenwart und ohne Widerspruch des, dem Kösener S. C. angehörenden, derzeitigen Vorsitzers der Deutschen Studentenschaft gegeben wurde. Aach einer kurzen Schilderung des Wertes der Satisfaktion als Erziehungsmittel sagte Schmadel nämlich, daß der in deutschen Studentenkreisen gepflegte Begriff der Satisfaktion stark dem deutschen Volkscharakter entspreche, daß man die Satisfaktion für etwas typisch Deutsches halte, für etwas Gefühls^ mäßiges, was rational nicht zu begründen sei. Deshalb, eben dieser Bindung ans deutsche Volkstum wegen sei man erstaunt, wenn auch ein anderes, nämlich z. B. das jüdische Volkstum, darauf zurückgreifen wolle. Es sei übrigens heute für einen deutschen Juden leichter, Satisfaktion zu erlangen, als für einen nichtjüdischen Ausländer; gegen diesen werde die Trennungslinie mit der gleichen Schärfe gezogen. Die Verweigerung der Satisfaktion sei keine gesellschaftliche Aechtung; sie entspringe nur dem Gefühl, den Kreis derer, die Satisfaktion erhielten, mit der Grenze des eigenen Volkstums zusammenfallen zu lassen. Es ist kein Zweifel, daß diese Worte so gemeint waren, wie sie gesprochen wurden. Die persönliche Vornehmheit der deutsch-völkischen Delegierten von Nhon, die sich mehr als einmal gezeigt hat, steht völlig außer Frage. Es bedarf in diesen Blättern keiner Betonung, daß auch die Gleichstellung mit Ausländern, die nicht diffamieren soll, auf unseren schärfsten Widerspruch stößt. Aber es muß bezweifelt werden, daß die Gesamtheit der deutschen Studenten auch nur so denkt, wie es Schmadel tut. Wie wäre. es sonst möglich, daß die Deutsche Burschenschaft in ihren berüchtigten Eisenacher Beschlüssen die verächtliche Gleichstellung „jüdischer und farbiger Weiber" vornimmt? Wie wären sonst Vorgänge erklärlich, wie die oberschlesischen, von denen erst im letzten Heft der K. C.-Blätter 2) berichtet worden ist? Dieser Fall kam in Nhon aus begreiflichen Gründen nicht zur Sprache; auf die erste Frage aber bekamen wir keine Antwort. — Zwei Tage wurden durch die großen. Referate beansprucht. Es sprachen der deutsch-völkische Schriftsteller Dr. Stapel-Hamburg, Ministerialdirektor Dr, Vadt-Berlin, Dr. Friedrich Brodnitz- Berlin, Dr. Nahum Goldmann-Berlin und Prof. Derhng-Lublin. Stapel und Badt sprachen über die Rolle der Juden in der Politik. Brodnitz etwa zum gleichen Thema. — Was ist Politik? Stapel meint, in erster Linie die Trennung von Freund und Feind. Was ist, nach ihm, der Zweck, die Aufgabe des politischen Gemeinwesens? Ihr Ruhm — nicht ihre „gloire" allerdings, sondern der Ruhm im metaphysischen, doxologischen Sinne: der Staat will gepriesen sein, wie Gott gepriesen sein will. — Reben Dr. Badt und Dr. Brodnitz wandte sich später vor allem Prof. Bovet mit Schärfe gegen diese „Vergötzung" des Staates; Stapel, meinte Bovet, baue eine neue Religion auf, wenn er so rede — eine Religion aber, die niedriger stehe, als die großen Religionen der heutigen Welt, weil ihr der Ilniversalismus fehle, der diesen eigen sei. Dr. Stapel glaubt, die Zeit werde große, die Staatsgrenzen überwindende Imperien schaffen. Mit ihnen werde ein imperium teutonicum entstehen. Seine Gedankengänge beruhen auf der Verneinung des Gleichheitsprinzips; der Deutsche, kraft seiner größeren Leistungsfähigkeit und seiner größeren, bereits vollbrachten Leistung hade das 2) Vgl.: Einigkeit und Recht und Freiheit. Nachklänge zur oberschlesischen Abstimmungsfeier; Nachrichten Heft Nr. 4 vom April 1931, S. 53.