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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 5 (Mai 1931) · p. Seite 77

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 5 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 77 (sequence 7)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 77 das auf den Konferenzen des Weltstudentenwerks immer wieder zutage tritt: Gegensätze werden nicht vertuscht, sondern in aller Schärfe ansgetragen. Aber über allem und in Allen lebt der Wunsch, zu einer Lösung, wenn möglich zu einem Verständnis zu gelangen. Professor Pierre Bovet, der Direktor des Institut Iean-Iacques- Rousseau in Genf, hatte das Präsidium der Tagung übernommen. Er hielt, nachdem der Dekan der theologischen Fakultät Prof. Gampere den Kongreß namens der Universität Genf begrüßt hatte, den einleitenden Vortrag über „Die Hochschule im Gemeinschaftsleben der Völker". In meisterhafter Weise führte er die Entwicklung des Universitätsgedankens., wie sie sich durch die Jahrhunderte gestaltet hat, der Tagung vor Augen. Dann sprach James Parkes. Seine Persönlichkeit ist schon vor zwei Jahren in diesen Blättern geschildert worden. Wir sahen, als wir ihn in Genf in seiner Wohnung besuchten, ihn in neuem Licht. Zwei kleine Zimmer, dicht unter dem Dach eines der ältesten Genfer Häuser, mit Verständnis und Geschmack nur mit antiken, zusammengesuchten Möbeln eingerichtet. Eine Unzahl Bücher. Eine aufs Peinlichste geordnete, Zehntausende von Nummern umfassende Sammlung architektonischer Bilder. Die Schreibmaschine auf einem Tisch aus dem 16. Jahrhundert. — Wir wußten: seit Bierville hat ihn die Iudenfrage nicht mehr losgelassen. Er» der junge Geistliche der High-Church, hat Osteuropa bereist, um die dortigen Verhältnisse besser übersehen zu können. Er hat seine Erkenntnisse in einem Buch niedergelegt, das wir gelesen hatten?) James Parkes also sprach über das Thema: „Der jüdische Student". Er gab die Zahlen, schilderte in großen Zügen die Verhältnisse aller Länder, zeigte vor allem, daß die jüdischen Stirdenten in der Regel ärmer feien als die nichtjüdischen. Nach seinem Referat, das die eigentliche Arbeit eingeleitet hat, kam die erste allgemeine Diskussion. Es ist nicht Undankbarkeit gegen- *) James Parkes: The Jew and his neighbour; a study of the causes of Anti-semitism. über den Referenten, nicht Geringschätzung gegenüber der ungeheuren Arbeit, die ihren Vorträgen zngrnnde lag, nicht Unterschätzung der Erkenntnisse, die sie vermittelten: eine Diskussion, wie die hier geführte, ist unendlich wertvoller, als alle Referate. Nicht nur, daß sich die Geister scheiden, nicht nur, daß man die einzelnen Ansichten, die Verhältnisse in den verschiedenen Ländern — die sich wiederum je nach der Einstellung des betreffenden Redners verschieden darstellen , kennen lernte. In solch einer Diskussion liegt ein gewisser Abglanz des Lebens in all seiner Vielfältigkeit und all seinen Schattierungen. Es ist nicht möglich, auf alles einzugehen, was gesagt wurde. Der beschränkte Raum erlaubt nicht einmal, nur das Wertvollste zu bringen. Nur einzelne Punkte können herausgegriffen werden, die von besonderem Interesse erscheinen. Es mag auch gestattet sein, die zeitliche Folge der Geschehnisse außer acht zu lassen, obwohl gerade in der Buntheit des Konferenzablaufs und seiner gelegentlich scheinbar auftretenden Ungegliedertheit ein großer Reiz für den Teilnehmer lag. Beschränken wir uns zunächst auf die deutschen Fragen. Sie spielten infolge der Auswahl der Referenten und der Stellungnahme einer Reihe nichtdeutscher Delegationen eine überraschend große Rolle. Am ersten Disküssionstage hatte Schmadel, der frühere Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, in großen Zügen die Entwicklung des Hochschulantisemitismus in Deutschland geschildert. Dieses Wort „Hochschulantisemitismus" darf eigentlich hier gar nicht gebraucht werden. Schmadel und die anderen deutschvölkischen Delegierten — darunter der jetzige Vorsitzer der Deutschen Studentenschaft, Schulz, und ein weiteres, österreichisches Mitglied ihres Vorstandes — lehnten es nämlich mit aller Schärfe ab, als Antisemiten bezeichnet zu werden. Sie seien nicht „anti"; sie kämpften nur für etwas, nämlich für das deutsche Volkstum. Sie sagen: Dieses deutsche Volkstum, nach dem Kriege infolge des äußeren Druckes und der inneren Not im Erwachen und Aufstreben begriffen, brauche eine Zeit ruhiger Entwicklung. In dieser Zeit müsse man alle anders»

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