KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 5 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 76 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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76 K. C.-Blätter Nachr.-Heft kämpfer gehörte, auch der „echtrassigen". Vielleicht erklärt es sich auch aus seiner Kriegsunerfahrenheit, wenn er nicht weiß, daß immerhin recht zahlreiche Juden nicht erst den Ruf des Muß abgewartet haben, sondern freiwillig an die Front geeilt sind. Und kann von einem denkenden Menschen überhaupt ein Gegensatz ernst genommen werden, der zwei Begriffe gegeneinander ausspielt, die absolut ohne jede Beziehung zur Sache sind? Rasselose und rasseechte Soldaten! Unterstellt selbst, es gäbe überhaupt Rassereinheit, was hätte dann eine solche Tatsache mit dem Frontdienst zu tun! Aus solchen abgründigen Erwägungen wird so ganz der Triumph der banalen Ungeistigkeit erkennbar. Auf Leistung und Willen kommt es nicht mehr an, nur auf den Schädelbau, die Rasenform, die Haarfarbe. Die letzte Konsequenz einer solchen Auffassung ist die Entheiligung des homo sapiens. Ins bürgerliche Leben übertragen, führt sie dazu, daß ein „rassereiner" Raubmörder sympathischer erscheinen muß als ein „rasseloser" Philantrop. Eine krankhafte Vergottung des Stammbaums wird von verzückten Schwärmern gepredigt. Wer ihnen nicht zu folgen vermag, der will — nach den Worten des Würzburger Propheten — „die Tritte Gottes in der Geschichte zum Unsinn herabziehen" (!!). Man lese diesen Satz zweimal — und man wird nicht einmal lachen können. R. H. Nhon. Die Tagung des Weltstudenten- Werks über die jüdische Frage. Von Gerichtsassessor Lans Lennhoff (Spr., Nh.-Pal.) Vom 28. Dezember 1928 bis zum 3. Januar 1929 hat das BZeltftudentenwerk seine erste Konferenz über die jüdische Frage an europäischen Lochschulen in Schloß Bierville bei Paris abgehalten. Die K. C.-Mitteilungen haben in Lest 1/2 von 1929 einen ausführlichen Bericht von Kartellbruder Lennhoff über seine dortigen Eindrücke gebracht. Die zweite derartige Tagung hat vom 13. bis 18. April 1931 in Ryon am Genfer See stattgefunden. Ihre Ergebnisse sind in folgenden Sätzen niedergelegt worden: Es bestehen an einer Reihe von Lochschulen starke Spannungen zwischen jüdischen und nichtjüdiscvenStudenten. Eine oberflächliche Betrachtung lediglich ihrer äußeren Erscheinungsform ohne ernsthafte Berücksichtigung der zugrundeliegenden tiefen Ursachen wird den Tatsachen nicht gerecht. Die für jeden Lösungsversuch notivendige klare Erkenntnis kann in jedem Lande nur auf dem Wege offener Erörterung in akademischen Formen gewonnen werden. Auf beiden Seiten sind Gewalt und beleidigende Lerabsetzung des Gegners als Mittel der Auseinandersetzung unbedingt ab zu lehnen. Rach Bierville war man mit großer Skepsis gefahren, man ist mit der Hoffnung zurückgekommen, das dort begonnene Werk könne erfreuliche Folgen haben. Rhon, am Genfer See gelegen, war der Ort der zweiten Konferenz. Die kleine altertümliche Stadt empfing uns in strahlender Frühlingssonne. Wir wohnten alle gemeinsam in einem Hotel: vor dem Verhandlungssaale lag in leuchtenden Farben See und Gebirge. Ein anderer Rahmen als die winterlich kahle Einsamkeit von Bierville! Es waren nur wenige alte Freunde von damals wieder da. Reben James Parkes, Dr. Kotschnig und Poboreszki vom Wellstudentenwerk, die Deutschen Schmadel und Geißler, der Pole Wroczynsky, der Oesterreicher Teich. Man fand sich sehr schnell zusammen, ließ Erinnerungen neu erstehen; die Gruppe der Alten war unversehens Mittelpunkt des ganzen, in seinen Gliedern noch nicht zusammenhängenden Kreises geworden. Heute wie damals war das ganze Leben auf Arbeit gestellt. Früh gegen neun begannen die Beratungen; es wurde manchmal Mitternacht und noch später, ehe sie endeten. Heute wie damals bildete ihr Gegenstand auch den Gesprächsstoff bei Tisch und den karg bemessenen Spaziergängen. Es dauerte gar nicht lange, so hatten sich Gruppen gebildet, und diese wieder fanden sich rasch in einem starken Gefühl allgemeiner, fester Kameradschaftlichkeit. Es ist das eigenartige Fluidum,