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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 5 (Mai 1931) · p. Seite 75

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 5 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 75 (sequence 5)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 75 Unabhängigkeit der verschiedenen Organisationen gewährleiste. Im übrigen bewegen sich die neuerlichen Auslassungen im schon bekannten Gleise: Der Nationalsozialismus, ist auch das burschenschaftliche Glaubensbekenntnis. Daß die Burschenschaft auch noch andere Aufgaben hat, bleibt davon unberührt. Es läßt sich auch hier wieder feststellen, daß von allen Verbänden die DB. es ist, die, ohne besondere Konkurrenzangst, am rückhaltlosesten zu Hitlers Fahnen schwört. Was die jüngsten Ausführungen im Aprilheft so interessant macht, ist eine ganz andere Tatsache, der Hinweis auf einen scheinbar mehr oder weniger latenten Gegensatz zwischen Aktiven und Alten Herren der Burschenschaft. „Ohne jeden Zweifel ist die Leistung der Korporation die Erziehung der Akademiker nach besonderen und eigenen Auslesenprinzipien. Wer aber glaubt, daß sie den Akademikerthp aus der Bürgerlichkeit unseres geistigen und politischen Lebens hinausführte, befindet sich in einem gewaltigen Irrtums. Gerade das Gegenteil ist der Falt, viele und gerade die älteren der jetzt im Leben stehenden Korporationsstudenten, sind mitunter geradezu die Prototypen unserer bürgerlichen Gesellschaft von heute geworden. Wan sehe sich doch bloß viele dieser Waffenstudenten an, wie sie in den hohen und höchsten Stellen des Staates sitzen, Hand in Hand mit den erbittertsten Gegnern des Waffenstudententums arbeiten und Parteien angehören, deren Presse tagtäglich in schmutzigster und unflätigster Weise nicht nur die Ehre des Waffenstudenten, sondern auch die jedes nationalen und sein Vaterland liebenden Deutschen beschimpfen." Solche Sätze nehmen fast die Antwort auf eine Frage vorweg, die schon längst gestellt werden mußte. Wie denken denn eigentlich die Alten Herren der heute so radikalisierten Verbände über den Fanatismus ihrer jungen Bundesbrüder, der ihnen, die in einer immerhin weit ruhigeren Zeit aufgewachsen sind, doch wesensfremd sein muß? Wie denken sie, und wie vermögen sie einen etwa abweichenden Standpunkt durchzusetzen? Vermutlich können sie derartiges, sofern sie es wollten» nicht, denn sonst wäre manche Entwicklung der Aktivitas anders verlaufen. Die Polemik» die in den Burschenschaftlichen Blättern gegen die eigenen Verbandsphilister geführt wird, deutet daraufhin, daß in der Tat sich eine Entfremdung eingestellt hat, die ihre Wurzeln möglicherweise in divergierien» den Zeitauffassungen hat. Es ist voreilig, nur aus solchen Aeußerungen Schlüsse zu ziehen. Aber die Vermutung wird nahegelegt, daß der Nationalsozialismus beginnt, die waffenstudentische Tradition zu zerstören, indem er zunächst einmal einen Keil zwischen ihre ursprünglichen Vertreter und ihre Nachfahren treibt. Die seelischen Verheerungen, die der Nationalsozialismus anrichtet, greifen immer weiter um sich. Man begnügt sich nicht mehr, das jüdische Kriegsheldentum zu verunglimpfen. Man hat jetzt dort, wo man die Augen vor der Wahrheit nicht länger verschließen kann, zum Ausgleich eine neue Formel gefunden, die es ermöglicht, den Juden jetzt einmal darum zu beschimpfen, weil er tatsächlich im Kriege seinen Mann gestanden hat. In nationalsozialistischen Versammlungen konnte man es hören, daß die Juden, die diesmal zwar wirklich das Leben zu Markte getragen hätten, in einem nächsten Kriege nicht mehr für würdig erachtet würden, die deutsche Front „durch ihre Nasen zu verschandeln". Dieselben „Gedanken" vertritt in der Würzburger „Monatsschrift für akademisches Leben" (in der Rubrik „Colloquium") ein Anonymus. Zu den Frontsoldaten gehören nach seiner Meinung nicht die „rasselosen eingezogenen Mußkrieger, die heute am unbescheidensten das Wort ergreifen". Am unbescheidensten das Wort ergreifen heute bekanntlich die Nichtkrieger, die wegen kindlichen Alters oder wegen dringender Unabkömmlichkeit in der Heimat blieben und dem Sterben der anderen Zusehen mußten. Die Worte des Einsenders zeugen jedenfalls auch von wenig Kriegserfahrung, denn sonst wüßte er, daß die „rasseechten" Soldaten auch nicht alles Kriegsfreiwillige waren, daß zu den „eingezogenen Mußkriegern" immerhin der größte Teil der Front-

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