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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 5 (Mai 1931) · p. Seite 74

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 5 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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74 K. C.-Blätter Nachr.-Heft hatte, uns im Organismus des deutschen Staatslebens zu bewähren. Riesser war der erste jüdische Richter in Deutschland; nach ihm haben viele deutsche Juden dieses hohe Amt in ihrem Vaterlande ausfüllen, und ihren Mitbürgern beweisen können, daß der Jude auf seinem Platze mit der gleichen Hingabe zu wirken vermag, und mit dem gleichen Erfolge, wie der Nichtjude. Eine Aenderung aber ist gegen die Riesserschen Zeiten im negativen Sinne spürbar geworden. Während zu seinen Zeiten die Studentenschaft den Idealen der Humanität und wirklicher, äußerer wie innerer, Freiheit nachstrebte, vergeuden ihre Nachfahren alle ihre jugendliche Begeisterungsfähigkeit an Pseudoideale, und empfinden von dem klassischen Bekenntnis: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da!" leider das genaue Gegenteil. Das haben die jüngsten Vorkommnisse an der Berliner Universität, die nun keinen Seltenheitscharakter mehr haben, bewiesen. Wieder einmal haben die Nationalsozialisten dafür gesorgt, daß der gute Ruf Berlins nicht allzu gut wird. Wenn auch die Meldungen des „Israelitischen Familienblattes" über vierstündige Tumulte weitaus übertrieben sind, so sind doch die Nachrichten der Tagespresse, denen zufolge überhaupt nichts vorgefallen sein mußte, ebenfalls unzutreffend. Die Schilderung in der C. V.-Zeitung hat die Dinge in richtigem Umfange wiedergegeben. Wir gedenken keineswegs, jedesmal Mordio zu schreien, wenn sich Rüpels als Rüpels benehmen. Bemerkenswert ist es aber doch, daß von gewisser Seite her, allen Legalitätsbeteuerungen und sonstigen Ehrenwörtern zum Trotz, immerwährender Unfriede genährt wird. — Eine Auseinandersetzung im Kösener S. C. mit dem Nationalsozialismus ist im Aprilheft der „Deutschen Corps, zeitung" erfolgt. Als der NStB. entstand, meint der Verfasser, „gingen Waffenstudententum und Nationalsozialismus friedlich nebeneinander her. Die großen qemeinsamen Ziele und das energische Eingreifen der Partei für unsere Mensurgesetze ließen uns selbstverständlich erscheinen, daß viele Waffenstudenten dieser Studentengruppe beitraten und dort sogar führende Stellen übernahmen/' Jedoch erklärt es der Verfasser für unverzeihlich , daß die Struktur des Nat.-Soz. Stud.-Bundes mit ihrem strengen Disziplinsystem dem korporativen Charakter sich angleiche, so daß daraus für ihre waffenstudentischen Mitglieder Interessenkonflikte entstehen müßten. Auch sei die Aufstellung einer eigenen nationalsozialistischen Ehrenordnung für den Korpsstudenten untragbar, da er sich nicht zwei Ehrenordnungen unterwerfen könne. Aus diesen Gestaltungen zieht die Corpszeitung sogar den interessanten, bisher noch nirgends bemerkten Schluß, daß der Nationalsozialismus einen Gegensatz zum Waffenring geradezu eflissentlich konstruieren wolle. Sie at vielleicht nicht unrecht. Der ganzen Einstellung des Nationalsozialismus nach muß es eigentlich erwartet werden, daß das Hakenkreuz eine Machtprobe mit dem Waffenring herbeiwünscht, denn der imperialistische Charakter der NSDAP, duldet kein Paktieren mit dem Bestehenden, sondern sucht es vielmehr restlos durch die eigene Existenz zu ersetzen. Vielleicht erleben wir es sogar noch, daß dem echten Häkenkreuzler auch die Korporationen alten Schlages verächtlich erscheinen, weil sie, die unter diesem „System" unangefochten leben, damit auch schon zum „System" gehören! Jedenfalls sind Empfindungen dieser Art in den Reihen des Kösener S. C. rege, wenn sein Organ als Fazit seiner Betrachtungen feststellt: „Es liegt wohl kaum in unserem Interesse, in Gegensatz zu dem Nationalsozialismus zu treten. Leider aber zwingt man uns dazu. Aufgabe der - NSDAP, ist es, hier reinen Tisch zu schaffen und ihre Organisation so auszubauen, daß sie nicht in Konflikt kommt, mit unseren alten Waffenverbindungen". Auch in den „Burschenschaftlichen Blättern" geht die Diskussion über dieses Thema weiter. In einer Entgegnung auf leise gewagte Zweifel, ob nicht das gleichzeitige Auftreten der nationalsozialistischen mit der Korporationsliste eine gewisse Rivalität erzeugen könne, wird festgestellt (Aprilheft, S. 166 ff.), daß die innere Selbständigkeit der akademischen Aufgaben auch eine äußere

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