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KC-Blätter · 1931-04-01 · Heft 4 (April 1931) · p. Seite 57

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 4 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 57 (sequence 7)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.-Blatter 57 überhaupt belehren lassen kann. Was in unwissenden Köpfen für Schaden angerichtet werden kann, wenn solche glattweg unzutreffenden Behauptungen breitgetreten werden, ist einfach von niemandem zu verantworten. Ein Trost mag es nur sein, daß das ganze sehr eigenartige Gebräu dieses Aufsatzes dem Leser schon von vornherein etwas sonderbar aufstoßen muß, und ihn, selbst wenn er zur Gesinnungsgemeinschaft des Verfassers gehört, mißtrauisch machen muß. Sätze, wie der, daß „unsere heutige Gesellschaft eher zehn Morde verzeihe, als eine einzige antidemokratische Aeußerung (!)", oder, daß ein „rassisch bedingter Geburtsadel schon durch seine äußere Erscheinung die Unterschicht in den Schatten stellt und sich Ehrfurcht erzwingt", oder auch,' daß es die beste Lösung sei, jemandem, der einem einfach instinktmäßig nicht gefalle, den Zutritt zu verwehren — solche Sätze, zusammenhanglos hingeschleudert, zeichnen das Geistesbild ihres Urhebers zur Genüge. Der betreffende Herr will aus unseren Universitäten scheinbar Sammelpunkte köterhafter Existenzen machen; denn Stammbaumpflege und Sympathienschnüffelei ist man eigentlich aus der Lehre von der Hundewissenschaft gewöhnt. Wenn er sich davon eine Veredelung menschlicher Kulturarbeit verspricht, dann ist er auch hier wieder einmal nicht besonders gut beraten. Er scheint übrigens darauf bedacht zu sein, möglichst günstig zensiert zu werden, denn am Schlüsse seiner Auslassungen beschwört er den Leser mit folgenden Worten: . . eine einseitige Bewertung des Menschen nach Intelligenz ... ist verfehlt . . . und höchst gefährlich". Er hat also insoweit die Gefahren richtig erkannt. Wie sich die „Deutsche Studentenschaft" zu empfehlen gedenkt. Die „D. St." hat auf einer ihrer Ausfchußsitzungen den Beschluß gefaßt, daß sich alle Einzelstudentenschaften mit dem Problem des numeru8 c1au8U8 „auf Volksdeutscher Grundlage" beschäftigen sollen. „Beschäftigen" ist ein schamhafter Ausdruck. Gemeint ist ohne Zweifel, daß diese „Beschäftigung" zu einer Befürwortung führen solle. Diese Gedankengänge waren es, die anno 28 die „Preußische D. St." als amtliches Organ zerstörten. Damals ging es zwar nicht unmittelbar um numeru8 c1au8U8 wohl aber um das in Oesterreich nunmehr geltende „arische" Nationenprinzst). Die Zersägung des Volkskörpers in angebliche „arische" und „nichtarische" Bestandteile enrspricht derselben Denkart wie die Drosselung des jüdischen Lerneifers. Die „D. St." versuchte zwar bis vor kurzem noch, die verlorengegangene staatliche Anerkennung wiederzugewinnen. Nachdem sie nunmehr wieder ganz offiziell dieselbe Tonart anschlägt, die ihr damals zum Verderben wurde, hat sie offensichtlich darauf verzichtet, jemals wieder eine amtliche, also unpolitische und sachlich arbeitende Institution zu werden. Oder hält sie derartige Entschließungen für eine besondere Empfehlung? Die Fieberkurve der deutsche» Universitäten. Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht untenstehende Tabelle, die eine aufschlußreiche Zusammenstellung über die Entwicklung des nationalsozialistischen Einflusses auf die deutsche Hochschulpolitik gibt. Es handelt sich um Ergebnisse der Wahlen, die im Laufe des vergangenen Semesters abgehalten wurden. Sie zeigen, daß, wie die „Frankfurter Zeitung" mit Recht feststellt, die Grenzen der Majorität von den Nationalsozialisten erreicht sind. Ein bemerkenswertes Symptom. Es bleibt abzuwarten, ob im weiteren Verlauf der Dinge die Grenzen überschritten werden. Siehe hierzu Tabelle aus S. 58. Man lese sie genau, und man wird feststellen, daß an einigen der hier auswahlweise herausgegriffenen Anstalten die nationalsozialistischen Stimmen mit abrupter Sprunghaftigkeit emporgeschnellt sind. Ein Beweis, daß ähnliche Empfindungen wie in der allgemeinen Politik mitgesprochen haben. Es kann einstweilen nur gehofft werden, daß die Konjunkturstimmung, die in der Tagespolitik wie auf den Hochschulen die Nationalsozialisten gleichmäßig stark werden ließ, sie mit derselben Gleichmäßigkeit auf beiden Gebieten wieder verschwinden lassen wird.

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