KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 1 (1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertrauliche Beilage der K. C.«Blätter 3 früher. Man stellt damit den K. C. auf genau die gleiche Stufe wie die christlichen schlagenden Verbindungen, die heute tatsächlich in beträchtlichem Maße abnehmen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sich ein Großteil der Studenten eine Aktivität, die nur Studenten-Romantik mit sehr wenig Inhalt ist, nicht mehr leisten kann und will. Diese Art der Erklärung unserer Mißerfolge mag bis vor den Reformen auf dem letzten Frankfurter K. C.-Tag manches für sich gehabt haben, doch darüber zu streiten, ist heute müßig. Auf jeden Fall ist der K. L. heute mehr als irgend eine beliebige schlagende Verbindung. Wir Haben nicht nur die studentische Form, sondern diese Form ist angefüllt mit einer Tendenz, die wir heute, was die Hauptsache ist, auch verwirklichen. Da überdies ein kleiner Monatswechsel kein Hinderungsgrund zum Eintritt in den K. C. ist, so fallen damit die Gründe, die für die zahlenmäßige Abnahme der übrigen Korporationen maßgebend sind, für unseren Verband weg. Was ist dann aber der Schlüssel zu dem Phänomen, daß die jungen Leute, die für uns in Frage kommen, großenteils zu freien Verbindungen, zum K. I. V. und zur Sozialistischen Studentengruppe abwandern? Wenn man sich einmal klarmacht, in welcher geistigen Verfassung der junge Jude, hauptsächlich der aus der Großstadt, auf die Universität kommt, so dürfte die Lösung des Rätsels nicht allzu schwer sein! Immer mehr gewinnt der Schul-Antisemitismus an Boden. Schon auf der Schule beansprucht er das Nationalgefühl und die nationalen Parteien für sich allein, boykottiert die jüdischen Schüler, und treibt sie zu denen, die sie noch als gleichwertig ansehen, zu den Sozialisten. So betritt ein Teil der jüdischen Jugend den ihr noch allein offenen Weg, sie wird sozialistisch; und zwar, weil diese jungen Leute jung und begeisterungsfähig sind, nicht gemäßigt, sondern entweder ganz radikal oder gar kommunistisch. Der andere, nicht sozialistische Teil ist in seinen politischen Ansichten ganz unsicher; und beinahe alle haben über ihre Stellung zum Judentum noch nicht ernstlich nachgedacht. So kommt der junge Jude auf die Universität. Der Hochschul-Antisemitismus drängt ihn vollends in die Verteidigung, er kommt sich verlassen vor, und hat das Bedürfnis, sich an irgend eine Gruppe anzuschließen. Meist kennt er weder den K. C., noch die F. W. V., noch die S. S. G., noch das K.I.V.; sie alle bemühen sich nun um den jungen Studenten. Wir müssen unbedingt einsehen, daß hier der K. C. am schwersten zu keilen hat. Die gefühlsmäßige Einstellung mancher Juden gegen das studentische Wesen, die dem Schüler fremde Form, unsere Stellung zum Judentum; das sind die wichtigsten Punkte, mit denen sich ein K. E.er gegenüber einem Keilfuchsen auseinandersetzen muß, bevor sich derselbe überhaupt einmal einladen läßt. Die übrigen in Frage kommenden Verbindungen haben nicht entfernt so viel Schwierigkeiten beim Keilen wie wir, und so kommt es, daß viele Keilfüchse von uns abspringen und bei anderen Verbindungen aktiv werden. Was das K. 3. V. betrifft, so werden wir uns doch nicht das Armutszeugnis ausstellen wollen, daß die zionistische Idee stärker sei als unsere; man kann bei einem 'Unbefangenen lediglich leichter mit ihr keilen, weil sie, da sie mehr an das Gefühl appelliert, im Anfang betäubender und überzeugender wirkt als nüchterne, klare Ziele und Ueberlegungen. — Das Endergebnis meiner Betrachtungen ist also: Im Wettlauf um die Aktivmeldung eines unbefangenen ersten Semesters ist der K.C. oft im Nachteil, nicht weil dre Ideen der Anderen besser sind, sondern weil sie für den Moment blendender und überzeugender wirken. Das Geheimnis unserer Mißerfolge im Keilen ist: Wcr keilen falsch! Wenn wir erkannt haben, daß unsere Ideen länger brauchen, bis ein Unbefangener sich für sie begeistert, aus dem einfachen Grunde, weil sie schwerer, umfassender und nüchterner sind als die der anderen, wenn wir das erkannt haben, dann dürfen wir nicht mehr länger so keilen wie bisher! Es ist fast unmöglich, einen Jungen, der von Tendenzen einer Verbindung überhaupt noch nichts gehört hat, innerhalb 4 Wochen der Keilzeit so von unseren Ideen zu überzeugen, daß er sich entschließt, aktiv zu werden,