KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 1 (Januar 1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 K. C.--Blatter Nachr.-Hest Die „Deutsche Studentenschaft" Ist nicht die deutsche Studentenschaft! Die in Berlin unter äußerst üblen Begleitumständen verlaufenen tzochschulwahlen hatten an der Universität folgendes Ergebnis: Ls erhielten: 1. Nationalsozialisten 3300 Stimmen (65 Mandate); 2. 'Deutschnationale und Stahlhelmstudenten 1055 Stimmen (20 Mandate); 3. Korporationen 700 Stimmen ' (15 Mandate). Das sehr lehrreiche Ergebnis zeigt, daß erstens die Korporationen von den Nationalsozialisten völlig an die Wand gedrückt wurden, und so die wohlverdienten Früchte ihres Hinterherlaufens ernten. Sodann ergibt sich aus der Wahlbeteiligung, daß überhaupt nur 5055 Studenten von insgesamt 12000 Interesse an den Bestrebungen der „D. St." bekunden. Nur 42 Prozent der Studenten haben ihr Gefolgschaft geleistet, während mehr als die Hälfte aller Studierenden ernstere Dinge kennt als die Beteiligung an einem reaktionären Privatverein, dessen Name angesichts dieser Mehrheitsverhältnisse reichlich irreführend ist. Die Vorgänge in der Deutschen Studentenschaft. Der Reichswehrminister hat am 14. Dezember 1931 die Streichung der DSt. von der Liste der politischen Verbände angeordnet und dies der DSt. durch ein Schreiben am gleichen Lage mitgeteilt, eine Tatsache, die der Oeffentlichkeit erst durch die DSt.- Korrespondenz vom 22. 12. 31 bekannt wurde. Abgesehen davon, daß dieses Vorgehen des Reichswehrministers — es erfolgte übrigens ohne Befragen des preußischen. Kultusministeriums — dazu angetan ist, die DSt. in ihrem Kampf um die staatliche Anerkennung als Gesamtvertretung aller deutschen und österreichischen Studenten zu unterstützen — die DSt. kann in Zukunft behaupten, daß ihr behördlicherseits bescheinigt sei, daß sie „unpolitisch" ist— gewinnt diese Tatsache erst die richtige Bedeutung, wenn man erfährt, daß z. Zt. innerhalb der DSt. schwere Kämpfe zwischen den Korporationen und dem NSDStB. ausgefochten werden. Wie erinnerlich, war auf dem Grazer Studententag im Juli vergangenen Jahres der Nationalsozialist Walter Lienau einstimmig zum Vorsitzer der DSt. gewählt worden. Im November jedoch wurde Herr Lienau von der Reichsleitung des NSDStB. aus „parteiinternen Gründen" zurückgezogen. Anlaß zu diesem Schritt hatte eine Erklärung der Korporationsvertreter gegeben, in der Herr Lienau die schwersten Vorwürfe gemacht und ihm jede sachliche und persönliche Eignung zum.Vorsitzer der DSt. ab gesprochen würden. Bei den anschließend geführten Verhandlungen über die Neuwahl des Vorsitzers wurde mit Herrn Krüger (NSDStB.) vereinbart, daß Herr Krüger zum Vorsitzer und Herr Schulz (Kösener S. C.), der frühere Vorsitzer der DSt., zum Aeltesten der DSt. gewählt werden sollte. Unter Bruck dieser Abmachungen wurde jedoch auf der Hauptausschußsitzung am 8.12.31 Herr Lienau mit den Stimmen der neun nationalsozialistischen Kreisleiter zum Aeltesten gewählt. Die Vertreter. der Korporationen, die in der Hauptgeschäftsstelle der DSt. tätig sind, legten daraufhin als Protest ihre Aemter nieder und behielten sich die weiteren Schritte vor. Wohl um dem NSDStB. zu beweiset:, wie wichtig die Korporationen für die DSt. sind, verlangten und erreichten die Korporationsvertreter bei einem bereits vorher vereinbarten Besuch bei Minister Gröner, die Streichung der DSt. von der Liste der politischen Verbände. Unter dem Eindruck dieser Tatsachen hat der NSDStB. zwar eingelenkt, versucht aber seine Position dadurch zu stärken,, daß er an politisch rechts orientierte