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KC-Blätter · 1932-01-01 · Heft 1 (Januar 1932) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Heft 1 (Januar 1932)
Date
1932-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nächr.-Heft K. C.-BlatLer S halten. Dies geschah. Der Rektor begab sich in die Halle. Er forderte zur Ruhe auf, wurde aber kaum beachtet und ausgelacht und ausgepfiffen. Durch den Vordereingang war jetzt eine Streife der Straßenpolizei eingedrungen, die die Halle säuberte. Der Rektor begab sich in seine Räume zurück und gab dort auf Befragen der dort noch immer wartenden Polizei an, daß Wohl die Kommunisten angefangen und provoziert hätten, zu einer Schlägerei wäre es nicht gekommen. Am Freitag, den 22. 1. cr., kam es dann zu schweren Ausschreitungen. Am 11 Ahr hatten wir uns in einer Zahl von ca. 30 Bbr. Bbr. anunserem alten Platz, der — nachdem die Nazis ihren Platz gewechselt haben — unmittelbar neben dem der Nazis liegt, versammelt. Die Halle war ungewöhnlich voll, so daß man sich kaum bewegen konnte. Viele Korporationen hatten Couleur abgesetzt. Bis kurz vor 1/4I2 Ahr war alles ruhig, so daß ich schon glaubte, es würde ohne Zwischenfälle verlaufen. Plötzlich wurde dem Bbr. M., der mit dem Rücken zu den Nazis stand, von hinten die Couleur vom Kopfe gerissen. M. drehte sich sofort um und zeigte den Amstehenden den Betreffenden. In derselben Sekunde stürzten sich aber schon alle Nazis, die nur dieses Zeichen abgewartet hatten, mit den üblichen Rufen auf uns. Wir wehrten uns nach Kräften, wurden aber schon nach wenigen Sekunden von den Nazis, die sich keilförmig zwischen uns drängten, zerstreut. Dabei erlitten einige unserer Bbr. Bbr. und Kbr. Kbr. Verletzungen. Am schlimmsten wurde Kbr. R. zugerichtet. Er erlitt Verletzungen am Ohr, das genäht werden mußte, ihm wurden zwei Zähne ausgeschlagen, sein Nasenbein wurde angeschlagen und seine Haut an der Nase lädiert. Ferner wurden weitere Bbr. Bbr. bzw. Kbr. Kbr. leichter verletzt. Ca. acht Couleuren wurden uns vom Kopf geschlagen oder hinterlistig entrissen. Ich eilte, sobald ich mich befreit hatte, als erster zum Rektor, teilte ihm in aller Eile sofort mit, in welcher Weise die Nazis angefangen hatten und forderte unverzügliches Eingreifen. Die Ereignisse hatten sich inzwischen in der. Halle folgendermaßen entwickelt: Die Nazis waren bis ungefähr zur Mitte der Halle vorgedrungen, wobei sie auch von Koppelschlössern» Schlüsseln und Riemen Gebrauch machten. Hier stießen sie auf den Widerstand der Reichsbannerstudenten. Wie berichtet wird, sollen einzelne Nazis hier Verletzungen davongetragen haben. Die Anwesenheit des Rektors wurde nicht beachtet. Erst jetzt griff die Polizei ein. Bei ihrem Eintreffen sangen die Nazis das Deutschlandlied, und zwar die berüchtigte vierte Strophe, wie berichtet wird, ferner wurde gesungen: „wenn Judenblut vom Messer spritzt" usw. Auch Studentinnen beteiligten sich und ermunterten ihre männlichen Kollegen." Den einzelnen Vorgängen ist kein Kommentar hinzuzufügen, weil sie sich aus sich selbst heraus kommentieren. Wir bedauern aufs tiefste, daß einige unserer tapferen Kartellbruder durch das Wüten einer hirnlosen Gehässigkeit zu Schaden kamen. Die Geschichte wird ihr Arteil sprechen über das Treiben jener Elemente, die gleißnerisch den Neuaufbau der Volkskultur verheißen, statt dessen aber die unverrückbaren Kulturideale und zugleich Deutschlands Ansehen als Kulturstaat blutig niederstampfen. Damit ist auch alles über und gegen die selbstbetrügerische Art gesagt, mit der manche akademischen Kreise bisher alle derartigen Vorkommnisse zu „erklären" suchten, indem sie sie als „elementaren Ausdruck" der veränderten „Geisteslage", oder in ähnlich sinnwidriger Weise, darstellten. Eine geistige Situation, die durch brutale Aeberfälle einer Vielherr auf eine Minderheit verkörpert wird, ist gleichbedeutend mit einem Zeitalter der Knechts- und Hundeseelen. Der aufrechte, der freie, der deutsche Mann verdammte den Kampf auch nur zweier gegen einen. Wer so die deutsche Geistessituation verändern will, der mag es tun, zum Gespött der Amwelt, und zum unheilbaren Schaden seines Volkes. Denkst Du daran?!

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