Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1932-03-01 · Aufsatzheft 1 (März 1932) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Aufsatzheft 1 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268989-2268990--4236-3524041
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

K. C.-Blätter 19 Manchmal habe ich den Eindruck, als ob ein Mehr in jüdischen Kenntnissen nicht schaden könnte. Jude sein, heißt jüdisches Wissen erwerben. Die Leitung des K. C. bahnt diesem jüdischen Wissen durch Schulungskurse örtlicher Führer einen Weg. Die jungen K. C.er mögen sich reiches Wissen vom Judentum erwerben. Fülle solchen Wissens ist die schönste Grundlage des Judeseins und des Judentums. Mit der Mitgliedskarte einer nationaljüdischen Organisation und mit ein paar Brocken Neuhebräisch ist man noch lange kein guter Jude. K. C.er in der Studentenzeit sein, kann aber nicht heißen, sich von der christlichen Umwelt abschließen. Hier verlangen dringende Gegenwartsaufgaben Erledigung. Eine chinesische Mauer aus Nichtachtung, Ablehnung, Unkenntnis alles Jüdischen und alles Deutschjüdischen starrt dem jungen Studenten auf den Hochschulen entgegen. Trotzdem soll er und muß er gegen dieses meterdicke Hindernis anrennen. Er muß versuchen, die nichtjüdische Studentenwelt, und sei es auch nur einen kleinen Bruchteil, von der Wertigkeit des Judentums zu überzeugen. Zu diesem Rom führen viele Wege, und weit energischer als bisher sollte der K. C. diese Wege gehen. Wer das jüdische Leben in Deutschland kennt, kann den stolzen K. C.er-Anteil daraus nicht abstreichen. Ihn stets in altem Glanze zu erhalten, muß der K. C. seine Jungmannschast zu vaterlandsliebenden Menschen, zu begeisterten, kenntnisreichen und wissensdurstigen jungen Juden heranbilden, die sporterzogen und abgehärtet, ein gütiges Herz und eine offene Hand besitzen, die ihre Individualität unversehrt durM Leben tragen. Solche Erziehung ist der schönste Dienst an Deutschtum und an Judentum. K.C. und Hochschulpolitik. Von Theodor Hannes (Bin.). Ueberblickt man als unvoreingenommener Beobachter das studentische Leben der Gegenwart, so sieht man ein Chaos sich gegenseitig — zum Teil in übelster Weise — befehdender Gruppen, ohne zunächst den Sinn und Zweck dieser Kämpfe zu durchschauen oder zu verstehen. Erst wenn man betrachtet, wie und durch welche Umstände die heutige hochschul-- politische Situation entstanden ist, wird man zu einer klaren und gerecht abwägenden Stellungnahme gelangen können. I. Auch im Leben der Studenten bildet, wie auf fast allen Gebieten des öffentlichen Lebens, der Weltkrieg und die anschließende politische Umwälzung eine einschneidende und entscheidende Caesur. Vor dem Kriege hatte es eine Hochschulpolitik — wenn man von den Wahlen zu den Lesehallen absieht — nicht gegeben. Das Leben auf den Universitäten wurde von den großen Korporationsverbänden beherrscht, die jeden Studenten, gleich welcher Weltanschauung oder Konfession, als Gleichberechtigten anerkannten, sofern er sich den überlieferten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.