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KC-Blätter · 1932-03-01 · Aufsatzheft 1 (März 1932) · p. Seite 18

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Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Aufsatzheft 1 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 K. C.--Blätter überwinden, wenn er im täglichen Leben, aber auch bei besonderer' Gelegenheit, beweist, Farbentragen und Korporationserziehung gleichen keinesfalls Ueberheblichkeit und Einbildung, sondern bedeuten eine Bereicherung an Körper und Geist und keinerlei häßliche Absonderung. Wie sah ich den K. C.er? Wie sehe ich den K. C.er? Ich kenne soviele, die Alten und die Jungen, die vom lieblichen Neckar,. und die vom kalten Pregel, die vom oberschlesischen Kohlenrevier und die vom sagenreichen Niederrhein. Die Jungen knallen mir manchmal ein wenig zu sehr die Hacken zusammen, und manchmal sind die Verbeugungen zu tief und zu rechtwinklig. Solche Aeußerlichkeiten sind mir manchmal zu sehr unterstrichen, zu sehr angelernt. Aber ich, der Nicht-K. C.er, beneide sie fast um die Kameradschaftlichkeit und Treue, die im K. C. herrschen. Zwischen den silberhaarigen Viadrinen nicht minder, wie zwischen den zwanzigjährigen Vineten. Das sind köstliche Geschenke. Wie verklärt erzählte mir jüngst der fast 60jährige Nürnberger K. C.er von seinen lustigen Streichen in München und anderswo. Und mit welcher Innigkeit und Liebe sprach er von seinen Kommilitonen von damals. Dieses eiserne Band, das die Verbindung um ihre Angehörigen schlingt, kann kaum anderswo in der Studentenschaft gefunden werden. Gerade in dieser wirtschaftlichen Notzeit beobachte ich, wie der eine für den anderen eintritt, wie die Visitenkarte des jüngsten K. C.ers zum ältesten Herrn gewöhnlich die Tür nicht nur in die Wohnung, sondern ins Herz hinein öffnet. Es muß doch etwas Kraftvolles in der K. C.--Erziehung liegen,-' denn wir Nicht-K. C.er müssen unseren Hut vor manchem K. C.er ziehen, der im politischen Leben, im beruflichen Leben, im Ehrenamte, nicht zuletzt in der Arbeit für unseren Central-Verein, Ausgezeichnetes, Unvergängliches geleistet hat. Und das Schöne, die Verbindungserziehung, hat trotz der äußeren „Uniform" die Menschen nicht uniformiert. Dem bekannten Frankfurter K. C.er, dem berühmten Fechter von einst, hat der K. C. sein Temperament nicht eingeengt, und der große Politiker und K. C.er, der allzu früh von uns, von ganz Deutschland geschieden ist, Ludwig Haas, hat seine breite und gediegene badische Art durch sein Leben getragen. 2a, es ist schon ein schönes Geheimnis um diese K. C.-Erziehung, und wenn zwar erst nach dem Kriege Turnen und die Pflege des Sportes überhaupt im studentischen Leben, also auch in dem des K. C., eine so beherrschende Rolle spielen, so bin ich niemals auch unter den Vorkriegs-K. C.ern einem begegnet, der da gebückt und gedrückt wie eine schlechte Iudenfigur von einst durch das Leben ging. Der K. E. hat zweifellos einen innerlich und äußerlich ausrechten Typus des jüdischen Akademikers geschaffen, der dem gesamten Judentum zu Ehre und Nutzen gereicht. Daß es „solche und solche" gibt, darf auch der Außenstehende nicht übersehen. Vielleicht war in den Kriegsjahren und nachher die Schulung nicht streng genug. Auch das Schmerzliche ist mir begegnet: daß ein solcher K. C.er sich geflissentlich von der C. V.-Arbeit fernhält, ja sie herunterzieht. Aber ich denke, das sind seltenste Ausnahmen.

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