KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Aufsatzheft 1 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 K. C.-BIätter zeit nicht ablegt, wenn er die Hochschule verläßt, sondern sein ganzes Leben lang behält, so ist auch für den K. C.er der Kampf ums Recht nicht beendet mit der kurzen Zeit rasch durchlebter Studentenjahre. Das lebendige Gefühl, verbunden zu bleiben mit einer.immer wieder sich erneuernden Kampfgemeinschaft jugendlicher Menschen, erhält ihn selbst jung und gibt ihm immer aufs neue die Kraft, den Kampf für die, Ideale seiner Jugend auch dann weiterznsühren, wenn Kleinmütige am Erfolg zweifeln. Denn alte und junge K. C.er wissen sich eins in dem Bewußtsein, daß das Recht nicht nur unser Ziel, sondern zugleich auch unsere beste Waffe ist, die auf die Dauer sich stärker erweisen wird als Haß und Mißgunst, als Unterdrückung und Gewalt, daß in Erfüllung gehen wird die Mahnung und die Hoffnung des alten Bundesliedes der Madrina: „Mögen frechen Spott sie treiben, uns bedräun -mit Hand und Mund, unser muß der Sieg doch bleiben, denn dem Recht gilt unser Bund!" Die wirtschaftliche Gegenwartssituation des K.C.ers. Von stud. phil. Ernst Reichmann (Sprev., Rh.-Pal.). Es besteht kein Zweifel und bedarf deshalb keiner Erörterung, daß der einzelne Mensch heute mehr denn je abhängig ist von der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Die wirtschaftliche Lage des einzelnen Menschen und im weiteren Verfolg der einzelnen Gruppe steht in den engsten Beziehungen zu der weltwirtschaftlichen Situation. Es ist hier nicht der Ort, um diese wirtschaftlich-weltgeschichtliche Entwicklung, in die wir eingebettet sind, zu untersuchen, zumal überdies das Ergebnis einer solchen Untersuchung jedem von uns mehr oder weniger deutlich vor Augen steht. Selbst dann schon, wenn wir nur in ganz allgemeinen Begriffen von der „schweren" oder „schlechten" Zeit reden. Es ist uns allen dabei bewußt, daß es im Gegensatz zum Heutes einmal eine Zeit gab, die „gut" war und „leicht" zu meistern. Eine Zeit, die vor allem dem einzelnen Menschen wie der Gruppe dies Existenzmöglichkeit garantierte. Und wenn wir in diesen Zeilen aussprechen wollen, wie sich uns heute die wirtschaftliche Lage des K. C.ers darstellt — des deutsch-jüdischen Akademikers, der sich einer als studentische Korporation straff durchorganisierten Gruppe angeschlossen hat —, dann müssen wir unseren Ausgang eben von jenem Zeitabschnitt nehmen, an den die Aelteren unter uns, die ihn miterlebten, als an die „gute Zeit" zurückdenken. Vergegenwärtigen wir uns, welche Vorstellung hatten wir alle einmal, wenn von dem „farbentragenden Korporationsstudenten" die Rede war? Wir wollen von den Verzerrungen, die durch übermütige Uebertreibung hervorgerufen bald zu Verallgemeinerungen führten, absehen. Vor uns stand das Bild des lebensüberfrohen, jugendkräftigen Menschen, der die ersten Jahre seiner Freiheit in überschäumendem