Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1932-03-01 · Aufsatzheft 1 (März 1932) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Aufsatzheft 1 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2268830-2268989-2268990--4225-3524030
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

8 JL C.-Blätter den wichtigsten Positionen des Staates und der Gesellschaft innehatten, und versunken ist das Zeitalter, in dem man mit dem Begriff des Studenten den Gedanken sorgloser Fröhlichkeit und überschäumenden Lebensgenusses untrennbar zu verbinden gewohnt war. Das alles hat sich geändert. Die deutschen Juden ringen heute um die Verteidigung ihrer staatsbürgerlichen Existenz. Der jüdische Student führt diesen Kampf unter erschwerten Verhältnissen. Die Kreise, aus denen er kommt, sind größtenteils verarmt, wirtschaftliche Schwierigkeiten begleiten sein Studium vom ersten Tage an, und am Abschluß der Uttt* versitätszeit steht die völlige Ungewißheit, sich durch eine seiner Vorbildung entsprechende Tätigkeit, ja durch irgendeine Tätigkeit ernähren zu können. Das tragische Schicksal der heutigen akademischen Jugend lastet auf ihm doppelt schwer, weil ihm überall, wo er um seine wirtschaftliche und kulturelle Existenz zu kämpfen hat, der Judenhaß als unerbittlicher Gegner entgegentritt. Mit dieser Entwicklung hat auch der K. C. sich auseinanderzusetzen gehabt. Die Basis seines Kampfes ist breiter geworden. Erfolgreiche Säbelpartien auszutragen genügt nicht mehr in einer Zeit, die das gesamte akademische Leben, die vor allem den Kampf um die „Judenfrage" politisiert hat. Daher hat für die Arbeit des K. C. die Betätigung in der Hochschulpolitik eine von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung erlangt. Daraus ergab sich für ihn zugleich die Notwendigkeit, bei aller Wahrung seiner Eigenart nicht isoliert zu bleiben, sondern Fühlung zu suchen mit gesinnungsverwandten Gruppen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Geändert hat sich in vieler Hinsicht auch das innere Leben der einzelnen K. C.-Derbindungen. Bereits mehrfach wurden die Beschlüsse des Frankfurter K. C.-Tags erwähnt, die insbesondere ein umfassendes Programm für die staatspolitischr Ausbildung und die sportliche Betätigung der Aktiven aufgestellt haben. Die notwendige Folge ist ein gewisses Zurücktreten mancher anderen Seiten des Korporationslebens, die früher eine beherrschende Rolle gespielt haben, denn die Verbindung kann heute'die Zeit ihrer Mitglieder nicht mehr in dem Umfang in Anspruch nehmen wie in den sorglosen Jahren vor dem Kriege. Sie muß der Notwendigkeit Rechnung tragen, daß der Aktive heute mehr als je darauf angewiesen ist, nicht nur seine Examina rechtzeitig zu machen, sondern auch in seinem Berufe Ueberdurchschnittliches zu leisten, wenn er überhaupt Aussicht auf Weiterkommen haben will. Das soll nicht heißen, daß der K. C. nun alles aufgegeben habe oder abschaffen wolle, was vom nüchternen Zweckmäßigkeitsstandpunkt aus heute nicht mehr unbedingt notwendig oder nicht mehr „zeitgemäß" erscheint. Es ist schon oben davon die Rede gewesen, wie der K. C. die korporationsstudentischen Formen, die von Fernstehenden so leicht als bloße Spielerei angesehen werden, nicht nur äußerlich übernommen, sondern wie er ihnen einen eigenen Inhalt gegeben hat. Er hat sie in den Dienst seiner Tendenz gestellt und sie zugleich als wertvolle und notwendige Erziehungsmittel betrachtet, um seine Mitglieder für den Kampfums Recht vorzubereiten und zu schulen und in jedem einzelnen das Bewußtsein wachzuhalten, daß er sich als Glied einer Kampftruppe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.