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KC-Blätter · 1932-03-01 · Aufsatzheft 1 (März 1932) · p. Seite 5

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Journal
KC-Blätter
Volume
1932
Issue
Aufsatzheft 1 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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K.C.-Blätter s Wir wollen ferner sie mit dem Gedanken erfüllen, daß der Akademiker imstande sein muß, sich selbständig auf Grund eigener Kenntnis ein politisches Urteil zu bilden und zu den Fragen der Gegenwart Stellung zu nehmen. Vor allem aber empfinden wir es als eine Forderung unseres Tendenzgedankens, als eine Forderung deutsch-vaterländischer Gesinnung, daß wir unsere Jugend dazu erziehen, an den großen Schicksalsfragen des deutschen Volkes lebendigen Anteil zu nehmen und am Wiederaufbau seiner Zukunft mitzuarbeiten. Dabei ist der K. C. sich von jeher bewußt gewesen, daß der Anspruch auf Gleichberechtigung inhaltlos wäre, wenn er sich nicht auf Gleichwertigkeit gründen und wenn dem Bekunden des Judentums nach außen nicht eine jüdische Gesinnung im Innern entsprechen würde. In seine Tendenz hat der K. C. die Erziehung zum selbstbewußten Juden ausgenommen. Selbstbewußter Jude kann aber nur derjenige sein, der selbst etwas von seinem Judentum weiß, und darum hat der K. C. seinen Mitgliedern die Pflege jüdischen Wissens zur Aufgabe gemacht. Wir wollen damit unfern Aktiven nicht nur die Fähigkeit geben» den Kampf gegen den Antisemitismus auch mit geistigen Waffen aufzunehmen, sondern wir wollen sie auch zu jüdischen Persönlichkeiten erziehen, deren Selbstbewußtsein nicht auf Dünkel und Ueberhebung beruht, sondern auf Kenntnis und Treue, auf Treue zum Judentum und Pflege jüdischer Werte. Allerdings fragt der K. C. seine einzelnen Mitglieder nicht danach, ob sie orthodox oder liberal sind, ob sie ihr Zugehörigkeitsgesühl zum Judentum in erster Linie aufbauen auf der Religion oder aus der Tradition und Pietät oder auf dem Bewußtsein der Stammesgemeinschaft; das sind Dinge, die sich nicht im Programm eines studentischen Verbandes mit Paragraphen abgrenzen lassen, sondern die jeder einzelne mit seinem jüdischen Gewissen abmachen muß. Der K. C. verlangt von seinen Mitgliedern ein offenes und freies, aus innerster Ueberzeugung hervorgehendes Bekenntnis zum Judentum, er überläßt es jedem einzelnen, worauf er diese Ueberzeugung gründen will, er fordert von ihm aber, daß er sein Judentum kennt. In dieser Gesinnung haben vor vier Jahrzehnten die ersten K. C.- Korporationen den Kampf gegen Haß und Entrechtung ausgenommen. Und um diesen Kampf durchzuführen, sind die Gründer der ältesten K. C.-Verbindungen mit vollem Bewußtsein auf den Boden getreten, auf dem der größte und einflußreichste Teil der Studentenschaft stand, und der mit Recht als eine Hauptpslanzstätte des Antisemitismus angesehen werden konnte, auf den Boden der akademischen sarbentragenden, schlagenden Korporationen. Sie wollten damit nicht nur dem jüdischen Studenten, der in andern Verbindungen keine Ausnahme fand, Gelegenheit geben, am deutschen Korporationsleben teilzunehmen, sondern sie brachten damit auch den Gedanken zum Ausdruck, daß sie sich den Besten der andern Verbindungen gleichwertig fühlten. Den äußerlich sichtbarsten Ausdruck fand dieser Gedanke in den eigenen Farben, durch die der jüdische Student seinen Anspruch aus gleiches Recht und gleiche Achtung sichtbar erhob und sich offen vor aller Welt als Jude bekannte. Zugleich hat die Couleur in hervorragendem Maße dazu

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