KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Aufsatzheft 1 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.--Blätter 8 paritätische Korporationen zu gründen, in denen Juden und Christen gleichmäßig Ausnahme finden sollten. Das Prinzip der Parität ist gewiß in der Theorie etwas sehr Schönes, in der Praxis hat es nur den Nachteil, daß es meistens von Juden mehr befolgt wird als von Nichtjuden. So wurde am Anfang der achtziger Jahre in Berlin die „Freie Wissenschaftliche Vereinigung" gegründet; aber es ist ihr so gegangen, wie später den meisten sog. „paritätischen" Korporationen: sie bestand überwiegend aus Juden, wenn sie sich auch nicht als jüdische Verbindung bezeichnete. Die jüdischen Studenten, die ihr Heil in der paritätischen Verbindung sahen, und auch diejenigen, die da glaubten, die akademischen Behörden würden energisch gegen den Antisemitismus Front machen und dem jüdischen Studenten zu seinem Rechte verhelfen, begingen den Fehler, sich auf andere zu verlassen und auf Hilfe.von oben.oder anderer Seite zu warten. Mehr als irgendwo anders gilt gegenüber dem Antisemitismus der Satz: Uns hilft niemand, wenn wir uns nicht selbst helfen! And darum ist nur eine Vereinigung, die aus Juden besteht und offen als jüdische auftritt, imstande, den Gegner wirksam zu bekämpfen. Diesen Gedanken, den Gedanken der Selbst wehr, zum ersten Male nicht nur in die jüdische Studentenschaft, sondern als erste in das gesamte deutsche Judentum überhaupt hineingetragen zu haben, und ihn in einer Zeit, in der es noch keinen Centralverein und auch keinen Verein zur Abwehr des Antisemitismus gab, in die Tat umgesetzt zu haben, das ist das historische Verdienst der zwölf jüdischen Studenten, die am 23. Oktober 1886 die freie schlagende Verbindung Viadrina zu Breslau ins Leben riefen. Daß dieser Gedanke der richtige war, beweist am besten der Umstand, daß er sofort von den Gegnern als gefährlich erkannt wurde und man mit allen Mitteln versuchte, der Viadrina Herr zu werden, die zunächst sich ihrer Gegner mannhaft und erfolgreich zu erwehren wußte, doch schließlich nach wechselvollen Kämpfen der Aebermacht erlag. Aber ihre Idee lebte weiter: Vier Jahre nach Gründung der Viadrina war die Badenia zu Heidelberg gestiftet worden, und es folgten die Sprevia in Berlin und die Licaria in München, und diese vier Verbindungen schlossen sich am 8. August 1896 zum Kartellconvent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens zusammen, der seitdem unter dem Abkürzungsnamen K. C. bei Freund und Feind bekannt geworden ist. Vom K. C. aus wurden wieder neue Verbindungen geschaffen: in Freiburg und Bonn, in Breslau, Leipzig und Königsberg, an den Technischen Hochschulen zu Darmstadt und Karlsruhe entstanden K. C.-Korporationen, und zu den neun Verbindungen, die schon im Frieden existierten, traten nach dem Kriege sechzehn neue hinzu, so daß nunmehr an fast allen deutschen Universitäten und einer Reihe von Technischen Hochschulen der K. C.-Gedanke vertreten war. Dieser K.C.-Ge danke ist nichts anderes als der Gedanke der alten Viadrina, der Gedanke, daß der jüdische Student den Kampf um sein Recht selbst aufnehmen müsse, ohne auf fremde Hilfe zu warten. Auf welcher Grundlage, in welcher Weise und mit welchen Zielen dieser