KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1932
- Issue
- Aufsatzheft 1 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2268830-2268989-2268990--4219-3524024- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 K. C.-Blätter Unser Kampf. Von Rechtsanwalt Dr. Erich Stern (Rh.-Sil., Frib.-Ghib., Alb.). Der jüdische Student hat sich mit jüdischen und mit studentischen Fragen auseinanderzusetzen. Die Eigenart seiner Situation liegt darin, daß in der Praxis diese beiden Problemgruppen sich nicht streng voneinander scheiden lassen, sondern daß er genötigt ist, auch die studentischen Fragen unter jüdischem Gesichtspunkt zu betrachten. 'Dazu zwingt ihn die feindselige Haltung, die die Mehrheit der Studentenschaft von vornherein dem Juden gegenüber einnimmt. Das ist zwar auch schon früher der Fall gewesen, aber während vor dem Kriege die maßgebenden studentischen Kreise, insbesondere die Korporationen, im allgemeinen sich daraus beschränkten, den Juden aus ihren Reihen auszuschließen und jeden Berührungspunkt nach Möglichkeit zu vermeiden, während also ihr Antisemitismus in den meisten Fällen ein rein negativer oder indifferenter war, sind sie heute dazu übergegangen, im Antisemitismus eine Art positiver Weltanschauung erblicken zu wollen und ihn als politisches, geistiges und kulturelles Ziel auf ihr Programm zu schreiben. Schon lange, bevor die starke Ausbreitung der nationalsozialistischen Partei begann, hat schon immer die Studentenschaft einen großen Prozentsatz von Mitgliedern für die verschiedenen antisemitischen Parteien und Bünde gestellt. Die mannigfachsten Versuche sind gemacht worden, um den jüdischen Studenten das Wahlrecht zu den allgemeinen Studentenausschüssen zu nehmen und sie aus denjenigen Verbänden hinauszudrängen, die die Berufsinteressen der einzelnen Fakultäten vertreten. In mehreren deutschen Studentenparlamenten sind allen Ernstes Anträge debattiert und teilweise auch angenommen worden, die die Einführung des blumeru8 cIau8U8 für jüdische Studenten in Deutschland fordern. Die Deutsche Burschenschaft, die früher einmal liberal war, hat kurz nach dem Kriege einen Beschluß gefaßt, in dem die jüdische Frau mit farbigen Weibern auf eine Stufe gestellt wird. An zahlreichen Universitäten haben wir erleben müssen, wie völkischer Pöbel unter Führung von Studenten in die Hochschule eindrang, um dort in Schmähungen den Gefühlen des Judenhasses Ausdruck zu geben. Und nur mit tiefer Beschämung kann man sich daran erinnern, wie an der Berliner Universität ganze Kolonnen nationalsozialistischer Studenten nach Wiener Muster in organisierter Ueberzahl planmäßig über einzelne jüdische und jüdisch aussehende Studenten herfielen. Das sind die Taten, das ist die Gesinnung, die man dem jüdischen Akademiker entgegenbringt, der so sich vor die Frage gestellt sieht, was er tun kann, um sich der Uebermacht und des Uebermuts der Völkischen zu erwehren. Diese Frage ist selbstverständlich nicht erst heute aufgeworfen worden, sondern schon seit der Zeit, in der der Antisemitismus angefangen hatte, in der akademischen Öffentlichkeit hervorzutreten, also seit den siebziger und. achtziger Jahren. Damals begann die Bewegung, die darauf abzielte, den Juden aus den Korporationen auszuschließen, und so verfiel man auf jüdischer Seite auf den Gedanken,