KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 2 (3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 26 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2268830-2268996-9971342--4145-3524005- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 Vertrauliche Beilage der K. C.-Blätter um eine Organisation zu schaffen, die etwa mit dem K. V. der katholischen Studenten zu vergleichen ist. Aber diese Idee wurde nicht weiter diskutiert, weil uns an jenen Leuten, die überhaupt nicht junge Studenten unseres alten Schlages sein wollen, für unseren Verband nichts gelegen ist. Wir wollten auch die Einheitlichkeit unseres K. C. nicht jener Leute wegen aufs Spiel setzen. Eine gewisse Abneigung übrigens herrschte und herrscht auch innerhalb des K. C. gegen althergebrachtes deutsches Studentenwesen. Der Wille, dieses zu reformieren, das ist der psychologische Ursprung unserer G. A.- Anträge. Ich wende mich in Vertretung der niedersächsischen K. C.er grundsätzlich gegen diese Bewegung. Ein Hauptmotiv für sie liegt auch bewußt und unbewußt in der Ueberzeugung, daß wir jüdische Studenten im Kampfe um unsere Rechte trotz strammster Kommentbefolgung durch mehr als vier Jahrzehnte nicht weiter gekommen sind. Resigniert nicht! Vergeht nicht, daß im Kampfe unsere Ehre liegt! Selbst wenn wir die Kampfmittel ändern, als kleine Minorität, mögen wir mit der Faust oder mit dem Säbel noch so tüchtig sein, werden wir mit Gewalt eben wegen unserer Minorität äußerlich doch nicht viel weiterkommen als bisher. Unser Kampf ist Selbstzweck. Seine Eigenart verlangt die alten akademischen Kampfmittel, die zugleich unsere bewährten Erziehungsmittel sind. Das alles schließt nicht aus, wie in der schriftlichen Begründung der niedersächsischen K. C.er ausgeführt, Sport zu treiben, zu boxen oder auch Jiu-Jitsu oder dergl. zu treiben. Aber niemals darf es dazu kommen, daß wir an Stelle des Fechtens oder auch nur auf Kosten des Fechtens einen anderen Sport setzen. Das wäre unvereinbar mit einem deutschen Studentenbund. Und besonders wir dürfen nicht die ersten sein, die von den alten Formen abweichen. Wir würden dann einen wichtigen Ast absägen, auf dem wir sitzen. Dies gilt auch von der Eouleurfrage. Wundern wir uns nicht, wenn wir sonst bei den anderen Couleurstudenten, bei denen wir trotz und alledem, was uns angetan wird, unser akademisches Ansehen aufrechterhalten wollen und als Minderheit auch aufrechterhalten müssen, noch mehr an Ansehen verlieren. Vergessen Sie nicht, daß bei uns, wie bei allen anderen ringsum, die uns heute und auch früher nicht wollten, keineswegs nur aus taktischen Gründen, sondern vorzüglich aus innerer Verbundenheit mit deutschem Wesen die romantische akademische Tradition zum Inhalt unseres K. C.ertums geworden ist. Wenn Ihr jungen K. C.er diese nicht mehr wollt, so mögt Ihr es sagen. Auf Euch allein kommt es an. Aber wenn Ihr solchen Willen habt, die Annahme des G. A.-Antrags bringt den alten K. C.- Geist, der heute nötiger ist, als je, in Gefahr. Euerem Willen zur sportlichen Betätigung, den ich außerordentlich begrüße, trägt der von mir vertretene Antrag zur Genüge Rechnung. Die Sternschen Beanstandungen hinsichtlich der Geschlossenheit seiner Begründung treffen, wie Redner unter Hinweis auf einige Stellen der schriftlichen Begründung ausführt, nicht zu. Rose: Der^ Antrag des Landesverbandes niedersächsischer K. C.er, der eben von Müller vertreten ist, des Landesverbandes, dem ich selbst anzugehören die Ehre habe, der einiges an den Anträgen des G. A. gutheißt, aber das Reformprogramm doch ablehnt, geht von falschen Voraussetzungen aus. Der Antrag entspricht nicht den Ansichten aller niedersächsischer K. C.er. Ich darf wohl auch annehmen, daß sehr viele Bundesbrüder aus Hannover, anders gestimmt hätten, wenn sie nicht die Ideen, von denen der G. A. ausgeht, mißverstanden hätten. Wie unrichtig die Gründe des G. A. verstanden sind, bedarf keiner Ausführung. Besonders Müller geht von Gefühlen aus, die wir zunächst alle teilen. Charakteristisch an seinen Ausführungen ist, was er zuletzt gesagt hat, die studentische Romantik. Er sagt sich im Unterbewußtsein: ich habe vor dem Krieg eine sehr schöne Studentenzeit in München gehabt, und ich möchte, daß die jungen Bundesbrüder eine ebenso schöne Zeit genießen. Gewiß, aber mit studentischer Fröhlichkeit, mit Fechten um des Fechtens willen (leider fällt Fechten ja heute nur noch unter den Begriff „studentische Fröhlichkeit") ist es nicht gemacht. Uns kommt es darauf an, unserer Idee zu dienen. Wir sind ein Zweckverband und maßgebend ist für