KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 2 (3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 22 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Vertrauliche Beilage der K. C.- Blatter erreichen. Dadurch, daß der <£>. A. eine Vortragsliste aufstellt, soll vermieden werden, daß die Vorträge immer wieder dieselben allgemeinen Themen behandeln, wie es bisher vielfach der Fall war. Im übrigen soll diese Liste so groß sein, daß sie den einzelnen Verbindungen genügend Auswahlmöglichleiten bietet; sie wird auch von Zeit zu Zeit ergänzt und erneuert, werden müssen. Herr Kbr. Flaschner hat in seinem an mich gerichteten Brief gegen die Bestrebungen des G. A. eingewandt, die Zeit sei für eine Reform nicht geeignet. Ich will nicht davon sprechen, daß es zu keiner Zeit eine Reformbewegung, gegeben hat, der dieser Einwand nicht entgegengehalten worden wäre. Aber das Wort „Reform" darf nicht zum abschreckenden Schlagwort werden. Wenn man unter Reform umwälzende Revolutionierung und Abschaffung des Bestehenden versteht, so wäre für eine solche Reform allerdings die Zeit ungeeignet. Die Reform, die wir wollen, bedeutet aber in Wirklichkeit nur organische Fortentwicklung auf dem Boden unserer alten Prinzipien. Und wenn es etwas gibt, was mich in diesen Gedankengängen bestärkt hat, so sind es gerade die Ereignisse der letzten Zeit gewesen. Ich war im November auf den Konventen unserer Berliner Verbindungen an dem Tage, als die bekannten Unruhen in der Universität begonnen hatten. Es ist damals von unfern Aktiven nicht alles getan worden, was wir hätten wünschen müssen. Ich sage das hier nicht, um unserer lieben Sprevia einen Vorwurf zu machen, denn ich teile nicht die Ansicht derjenigen Alten Herren, die auf dem Konvent gesagt haben, es herrsche ein schlechtes Geist in der Verbindung. Der Geist war bei den meisten nicht schlecht, aber der erschütterndste Eindruck auf diesen Konventen war für mich das Gefühl der Wehrlosigkeit und Hilflosigkeit unserer jungen Leute. Diesem Gefühl werden wir nur dann wirksam begegnen können, wenn wir Verständnis haben für die Schwierigkeiten, mit denen unsere Aktiven zu kämpfen haben, und aus denen es erwachsen ist. Wir dürfen es uns nicht so leicht machen wie diejenigen Alten Herren, die gesagt haben: „Früher zu unserer Zeit haben wir dieselben oder noch größere Schwierigkeiten gehabt und sind auch mit ihnen fertig geworden!"' Nein, liebe Kartcllbrüder, daß nichtakademischer Pöbel mit Schlagringen und Revolvern in die Hochschule kam, das ist früher nicht dagewesen! Solche Situationen lassen sich nicht allein mit romantischen Erinnerungen überwinden. Darum ist es unsere Aufgabe, unsere jungen Leute innerlich und äußerlich stark zu machen, damit sie das Gefühl der Wehrlosigkeit überwinden. Dazu sotten die Vorschläge des G. A. dienen. Dabei ist der G. A. sich darüber klar, daß Paragraphen und Ausführungsbestimmungen zwar notwendig sind, aber immer nur die eine Seite der Sache bedeuten. Sie werden nichts helfen» wenn nicht gleichzeitig zwei Voraussetzungen erfüllt werden, die eine von den Alten Herren und die andere von den Aktiven: Aufgabe der Alten Herren ist es, überall, wo es ihnen möglich ist, enge Fühlung mit den aktiven Verbindungen zu suchen und zu halten. Das habe ich in Hamburg bereits ausgeführt. Es genügt nicht, einmal im Jahr an einem großen Stiftungsfest teilzunehmen, auf dem man mit seinen Eonsemestern schöne Erinnerungen austauscht, und es genügt nicht, nur gelegentlich einmal dann auf einen Konvent zu kommen, wenn man all einem bestimmten Punkte der Tagesordnung besonderes Interesse hat. Ich habe nach solchen Konventen manchen Alten Herrn gesehen, der sehr enttäuscht darüber war, daß seine Worte so wenig Wirkung auf die Aktiven hatten. Die Erklärung dafür gibt vielleicht ein Wort, das nur einmal einer unserer Aktiven gesagt hat: „Wer nicht an unsern Kneipen teilnimmt, der hat auch nicht das Recht, auf unfern Kon-