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KC-Blätter · 1931-03-01 · Nr. 2 (3.1931) · p. Seite 12

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Nr. 2 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 12 (sequence 6)
Language
German
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12 Vertrauliche Beilage der K. C.« Blätter zu befassen gehabt. 2n einzelnen Orten steht unseren Verbindungen kaum ein öffentliches Wirtshaus zur Verfügung, und eine große Anzahl der Geschäfte weigert sich, uns zu verkaufen oder unsere Eouleuren auszustellen. Die Verhandlungen über diese Frage mit den Behörden sind deshalb so sehr schwierig, weil unter Umstanden eine gesetzliche Möglichkeit, die Dinge zu untersuchen, nur besteht, wenn, wie das jetzt im GaststätLengesetz der Fall ist» der betreffende Besitzer gezwungen ist, berauschende Getränke an den Besucher auszuschenken. Wir haben uns gesagt, daß man es auf diesen Notfall nicht ankommen lassen kann und es heute sehr schwierig ist, etwa durch Strafbefehle den betreffenden Besitzer zu zwingen, uns in Couleur in seinen Räumen zu dulden. Es wird also in den einzelnen Fällen immer wieder von dem "zuständigen Gremium (zunächst dem A. H. V., dem G. A. erst in zweiter Instanz) zu erörtern sein, was in solchem Falle zu geschehen hat. Man kann sehr verschiedener Meinung sein, wenn z. B.» wie einmal vorgekommen, ein dem Judentum ungehöriger Geschäftsmann sagt, er stelle keine Eouleuren der betreffenden Verbindung aus, er sei arm und werde boykottiert, er gehe zugrunde, wenn wir es ihm übel nähmen. Es ist eine schwierige Frage, ob man daraus eine große Sache machen soll. Man kann darüber verschiedener Meinung sein. Äll dies gehört zu dem Kapitel, das wir heute zum Abschluß bringen müssen, und wogegen alles andere klein erscheint: die große Not, in der wir jüdischen Studenten uns heute befinden, und die leelische Not, in der sich insbesondere unsere aktiven Verbindungen in dem Augenblick befinden müssen, da sie mit hellen Augen in ihre Amwelt sehen. Da müssen wir zunächst eines sagen: überall ist die Frage der Schuld- Verteilung in einer solchen Situation müßig. Es ist natürlich so, daß heute, rn einer Zeit, in der die Jugend so bedroht ist, die Anlegung des alten starken K.C.-Standpunktes einen Formalismus bedeutet, weil unter veränderten seelischen Amständen das alte Gesetz nicht mehr maßgeblich sein kann. Auf der anderen Seite sage ich mir, wenn über die Alten-Herren-Verbände geklagt wird: alle sind heute durch ihre Einzelschicksale erschüttert, jedem einzelnen steht die Not und Sorge seines Tages vor Augen, so daß die Gesamtopferfahigkcit vermindert ist. So wird man nicht sagen, der und der hat Schuld; sondern die ungeheure Not der Zeit gebietet, neue Wege zu suchen, wo die alten Wege versagt haben. Es gibt Menschen, und ich kann es aus dem Seelenzustand der Zeit verstehen, die ihre Augen der Amwelt gegenüber verschließen. Sie sagen, die Verbindung schadet nicht. Wenn wir nicht geholt werden, werden wir uns nicht aüfdrängen. Wir werden suchen, unseren jungen Leuten möglichst viel Freude zu bereiten, wir werden in uns selbst alles verwirklichen, was wir früher nach außen verwirklicht haben. Nun erhebt sich die Frage: ist auch hier taut eomprenäre tout pardonner? Ist das mit dem K. C. innerlich vereinbar? Da allerdings muß ich zu einer unbedingten Ablehnung des Standpunktes kommen. Geschichtlich gesehen sind wir entstanden als reaktive Organisation jedem Antisemitismus gegenüber. Das war die Grundlage, auf der wir uns zusammengefunden haben. Das muß die Grundlage auch in heutiger Zeit sein» wenn die Wogen auch viel stärker in die höhe gehen und die Älege viel schwieriger sind. Die Augen 'zu verschließen, ist das Allerschrecklichste für den K. C. Es muß gesagt werden, unter allen Amständen, und wenn wir immer und immer wieder zu neuen Mitteln greifen müssen: Ansere Aufgabe ist es, dem von uns immer eingenommenen Standpunkt der unbedingten Gleichberechtigung des deutschen Studenten jüdischen Glaubens zur Praxis zu verhelfen, und nicht das» was in den Tendenzreden gesagt wird, zu einer inneren Hohlheit werden zu lassen. Es ist natürlich in heutigen Zeiten für Juden viel leichter, Hatikwa zu singen als Deutschland, Deutschland über alles. Wenn wir aber diese Tatsache als richtig anerkennen, dürfen wir über die Schwierigkeit, Deutschland über alles zu singen, nicht hinwegsehen. Wenn dem so ist, was können wir Md was müssen wir in diesem Zeitpunkt tun, der heute doch schon so ist, daß wir bei einem großen Teil der Studenten, namentlich in mittleren und 'kleineren Städten, als Element des Widerwillens und der Mißachtung empfunden werden? Da gibt es zwei Möglichkeiten. Es gibt bei uns eine

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