KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 37 Bundeshauptvers amrnlrrng des RjF. in Berlin. (J. T. A) Am 15. Februar 1931 fand in Berlin die diesjährige Bundeshauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten E. V. statt. Die Versammlung war von Delegierten aus allen Teilen des Reiches und von allen Landesverbänden beschickt. Der eigentlichen Tagung ging am Sonnabend eine Veranstaltung voraus, in welcher die Landesverbands- Vorsitzenden sich eingehend über die augenblickliche Lage in Deutschland unterhielten und in welcher insbesondere die Frage der jüdischen Berufsumschichtung und der jüdischen ländlichen Siedlung in Deutschland behandelt wurde.' Es zeigte sich bei dieser Tagung eine warme Sympathie für das Bestreben, die Juden aus ihren einseitigen wirtschaftlichen Positionen in der Großstadt zu lösen und zu einer neuen Verbundenheit mit Berufsgattungen zu bringen, denen sie aus historischen Gründen entfremdet worden sind. Die wirtschaftliche Situation der Gegenwart wurde in der Debatte ausgiebig gewürdigt, die ein neues Schlaglicht auf den weit vorgeschrittenen Zusammenbruch des jüdischen Mittelstandes in Deutschland warf. Es wurde beschlossen weite Kreise des deutschen Judentums für die Frage der Berufsumschichtung und der ländlichen Siedlung zu interessieren, weil die geschwächte Wirtschaftskraft gerade der Angehörigen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten es hinderte, in dem Maße dem schon begonnenen Werke für jüdische Siedlung Unterstützung zu gewähren, wie es der lebhafte Wunsch der Versammlungsteilnehmer war. Aus der eigentlichen Tagung am 15. 2. sind besonders das Referat des Vundesvorsitzenden vr. Leo Löwenstein, Berlin, und das Referat von Dr. Arias, Hamburg, hervorzuheben. Der Bundesvorsitzende kennzeichnte eindeutig das politisch neutrale Proramm und die Arbeit des Bundes, er sich zur Aufgabe gesetzt hat, zu einer Befriedung d^r politischen und geistigen Atmosphäre Deutschlands seinen Teil beizutragen und an dem Abbau der demagogischen Hetze mit allen Kräften zu wirken. Das Referat von Or. Arias, Hamburg, schilderte eingehend die Gefahren, denen angesichts der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse das ganze deutsche Volk augenblicklich ausgesetzt ist, und brachte in Ergänzung zu den Ausführungen des Bundesvorsitzenden Gedanken vor zur Verwirklichung der Aufgaben des Bundes. An die Referate schloß sich eine rege und umfassende Diskussion, aus der insbesondere die Mitteilungen von Max Eisenkraemer, Berlin, hervorzuheben sind, der sich bemühte, den besonderen Grundlagen und Erscheinungsformen des Nationalsozialismus gerecht zu werden,wtf> die von dieser Bewegung drohenden Gefahrenmomente in objektiver Weise darzustellen. Die Summe der geleisteten Arbeit ergibt sich aus der Tatsache, daß gegen Schluß der Tagung über 25 Anträge abgestimmt werden mußte, die sämtlich der Stärkung der Grundgedanken des Bundes gewidmet waren. Die Beschlußfassungen der Tagung sichern dem Wirken des Bundes eine breitere Basis und werden eine Verstärkung seines Kampfes gegen die Beleidigungen der jüdischen Frontsoldaten durch die antisemitische Hetze herbeiführen. Insbesondere sollen die Arbeiten zur Herausgabe eines auf amtlichem Material gestützten Gedenkbuches der im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten des deutschen Heeres beschleunigt werden. Die Vorarbeiten haben ergeben, daß die bisher errechnete Zahl von 12 090 jüdischen Gefallenen wahrscheinlich noch zu niedrig gegriffen ist. Auch die positiven Ziese des Bundes, z. B. der Gedanke der jüdischen Berufsumschichtung und der jüdischen Siedlung auf deutschem Boden, wurden durch Beschlüsse der Tagung kräftig gefördert. Die Neuwahl des engeren Bundesvorstandes ergab die einstimmige Wiederwahl des Bundesvorsitzenden. Au die Stelle des stellvertretenden Bundesvorsitzenden, Dr. Heinrich Elkeles, Berlin, der wegen Arbeitsüberlastung sein Amt niederlegen mußte und dem der Bundesvorsihende herzliche Worte des Dankes für die von ihm geleistete Arbeit widmete» trat Iustizrat Max Chodziesner, Berlin» der bisherige 2. Stellvertreter des Vorsitzenden. Zum 2. Stellvertreter