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KC-Blätter · 1931-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1931) · p. Seite 36

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2-3 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 36 (sequence 22)
Language
German
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36 K. C.«Blatter Nachr.-Hest jüdischen Standpunktes eine geistige Auffassung, den Missionsgedanken des Judentums, der die Aufgabe der Juden im Dasein der Völker darin erblickt, dem Gedanken der Gerechtigkeit und dem Monotheismus zum Durchbruch zu verhelfen. Wenn man dieser Anschauung entgegenhalte, daß es ja im Judentum verschiedene religiöse Strömungen gebe, so müsse festgestellt werden, daß alle diese Richtungen trotz ihrer Verschiedenheit dieses Grundprinzip anerkennen. Eine jüdische Forderung, die den ganzen Lebensbezirk einbezieht, gibt es nicht. In der nun folgenden Aussprache über die in den einleitenden Referaten niedergelegten Thesen betonte Or. Holländer die Wichtigkeit der Erkenntnis, daß die in Deutschland geborenen und in deutschem Kulturmilieu erzogenen Juden fest in der deutschen Heimat verwurzelt sind. Kurt Blumenfeld erklärte, die Bindungen der Juden mit der Umwelt seien auf Kosten des jüdischen Inhalts erfolgt. In seinem Schlußwort erklärte Direktor Dr. Holländer, nach deutschjüdischer Auffassung, Schmäh Iisroel sei wichtiger als Erez Iisroel. DieZahl der jüdischen Studierenden in Deutschland nimmt ab. (J.T. A.) Dr. Margot Melchior stellt in der „C. V.-Zeitung" (Ar. 5) auf Grund der von den Hochschulverwaltungen herausgegebenen „Deutschen Hochschulstatistik" Berechnungen über die Zahl der jüdischen Studierenden in Deutschland an. Sie führt aus: Der Anteil der deutschen Juden an der Studentenschaft in der Zeit von 1911 bis heute weist merkwürdige Veränderungen auf. Die jüdische Bevölkerung in Preußen stellte 5,5 v.H. der gesamten reichsdeutschen Studentenschaft an den preußischen Universitäten: so überaus groß war das Streben nach Berufen mit akademischer Vorbildung unter ihren Söhnen, denen doch bekanntlich der Zugang zu zahlreichen Beamtenlaufbahnen verschlossen war. Dieses Streben ist heute gewiß nicht geringer geworden, aber die Zahl der jüdischen Studenten hat sich vor allem durch die Verarmung des jüdischen Mittelstandes so wenig vergrößert, daß sie jetzt nur noch etwa 3,4 v. H. an den preußischen und nur noch 3 v. H. an sämtlichen Universitäten des Reiches ausmachen. Im Jahre 1911 stellten die jüdischen weiblichen Studierenden etwa 10v.H. aller reichsdeutschen Studentinnen in Preußen. Es ist nur natürlich, daß die ungleich stärkere Zunahme der christlichen Studentinnen seitdem sich u. a. auch in dem relativen Sinken der jüdischen Beteiligungsziffer auswirkte; der Anteil der reichsdeutschen jüdischen Studentinnen an den preußischen Universitäten beträgt heute noch etwa 6,2 v. H., an sämtlichen deutschen Universitäten noch 6,1 v. £). Somit ist festzustellen, daß die männlichen sowohl wie die weiblichen jüdischen Studierenden in Preußen und im ganzen Deutschen Reich im Vergleich mit den beiden großen christlichen Konfessionen seit 1911 dauernd und stark zurückgehen. Diese rückläufige Bewegung innerhalb der gesamten jüdischen Studentenschaft kommt besonders deutlich in den einzelnen Studienfächern zum Ausdruck. Jurisprudenz und Medizin galten früher und gelten auch heute noch vielfach als bevorzugte Domänen jüdischer Studierender. Mit wie wenig Recht, zeigt nachstehende Uebersicht: 1911 studierten an den Universitäten Preußens Jurisprudenz 10,3 v. tz. Juden, Medizin 12,8 v. H., philosophische Wissenschaften 3,3 v. H. Juden. 1930 studierten in Preußen Jurisprudenz 5,2 v. tz., Medizin 6,9 v. H., Philosophie 2,6 v. H. Juden. 1930 studierten an den Universitäten des ganzen Reichs Jurisprudenz 5,1 v. H., Medizin 5,9 v. H., philosophische Wissenschaften 2,16 v. H. Juden. Im gesamten Reich sind demnach die Anteiltzahlen der deutschen jüdischen Studierenden an den Universitäten in den letzten 20 Jahren noch stärker zurückgegangen als in Preußen. Wesentlich niedriger noch ist die Zahl des jüdischen Nachwuchses auf den übrigen wissenschaftlichen Hochschulen Deutschlands. Auf den landwirtschaftlichen und forstlichen Hochschulen, den Bergakademien und pädagogischen Akademien sind Juden so gut wie gar nicht vertreten, an den technischen Hochschulen in Preußen beträgt ihr Anteil 2,3 v. H., im Reich nur 1,72 v. H., an den Handelshochschulen 2,8 v. tz. bzw. 2 v. H.

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