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KC-Blätter · 1931-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1931) · p. Seite 35

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2-3 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 35 (sequence 21)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.--Blätter 35 Staatsbürger jüdischen Glaubens Dr. Ludwig Holländer, während der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Kurt Blumenfeld die Einstellung der sich zum nationaljüdischen Standpunkt bekennenden Juden zu den Problemen der jüdischen Gegenwart und Zukunft erörterte. Den Vorsitz führte Herr Rabbiner Or. Max Wiener, der nach einigen einleitenden Worten Herrn Kurs Blumenfeld ersuchte, als erster seinen Standpunkt darzulegen. Blumenfeld führte aus: Nationaljüdische Anschauung heißt Anerkennung der Tatsache einer WeltjudenfraAe. Das Problem der jüdischen Existenz ist in allen Ländern annähernd dasselbe. Zur Lösung dieses Problems sind zahlreiche Versuche auf nichtzionistischer Basis gemacht worden. Es gab eine liberale Assimilation, eine sozialistische Assimilation, Versuche, die Judenfrage durch Wanderung oder durch Siedlung zu lösen. Alle diese Versuche mußten fehlschlagen. Man versuchte z. B. durch Wanderung die Juden aus Ländern hohen Drucks in solche niedrigen Drucks zu bringen und übersah dabei, daß die wandernden Juden die Judensrage aus ihren Herkunftsländern in die neue Heimat zwangsläufig mittrugen. Man hatte angenommen, in Amerika, einem Lande ohne geschichtliche Tradition, könne der Antisemitismus, der durch die historische Entwicklung in Europa bedingt sei, nicht Wurzel fassen. Die erste Wirtschaftskrise in Amerika zeigte, daß auch dort in Zeiten der Not der Haß gegen die Juden, die für das allgemeine Unglück verantwortlich gemacht werden, äufflammt. Im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert des Liberalismus und Individualismus, war es den Juden möglich, durch persönliche Leistung individuellen Aufstieg zu erreichen. Im Kampfe der Individuen konnte sich der Jude behaupten. Heute, im Zeitalter der Vergenossenschaftung und Vergesellschaftung sind derartige Bemühungen veraltet, denn es stehen sich nicht mehr Individuen, sondern Gruppen gegenüber. Die als Kollektiv erkennbaren Juden müssen auch als Kollektiv handeln. Im Vordergrund der nationaljüdischen Auffassung steht der Wille zur Neugestaltung, im Vordergrund der deutschjüdischen Auffassung die Relation, das Verhältnis zur Amwelt, von deren Arteil und Billigung sich die Anhänger dieses Standpunktes stets abhängig fühlen. Auch die Anhänger des deutschjüdischen Standpunktes können sich der Tatsache eines gesamtjüdischen Zusammenhanges nicht verschließen. Sie sprechen zwar nicht von einem jüdischen Volk, wohl aber von einer jüdischen Schicksalsgemeinschaft. Nationaljüdische Aufgabe ist es, das Schicksal, das wir gemeinsam erleiden, gemeinsam zu gestalten. In seiner Erwiderung erklärte Dr. Ludwig Holländer, Blümenfeld habe hervorgehoben, das Wunschbetonte beeinflusse die Diskussion. Demgegenüber sei es notwendig, zunächst die Grundgegebenheiten klarzustellen. Gibt es eine Weltjudenfrage? Die in verschiedenen Ländern austretende Judengegnerschaft allein kann für die Beantwortung dieser Frage nicht maßgebend sein, denn diese Judengegnerschaft ist ebensowenig eindeutig wie die Begriffe Judenfrage, Judesein und Entjudung. Von einer Einheit des Judentums konnte niemals, auch nicht im Altertum, gesprochen werden. Jude und Judesein ist heute nicht etwas, was alle Bezirke des menschlichen Lebens umfaßt. Nach den Gesetzen der verschiedenen Länder ist das Judentum eine Religionsgemeinschaft» wird somit die Religion als Kriterium des Judeseins aufgefaßt. Diese Auffassung ist nicht ganz zutreffend. Es gibt Juden, die auf Grund eines Nationalbewußtseins sich der Gesamtheit zugehörig fühlen, andere tun dies auf Grund ihrer religiösen Einstellung, wieder andere, die weder auf dem nationalen noch auf dem religiösen Standpunkt stehen, betonen trotz einer häufig ausgesprochen atheistischen Einstellung ihre Entschlossenheit, Juden sein und bleiben zu wollen. Das Verbindende und Entscheidende ist die Tatsache der gemeinsamen Abstammung. Gemeinsames Abstammungsbewüßtsein, das ist das einzig Anbestreitbare, das die Juden ohne Rücksicht auf gesinnungsmaßige Einstellung verbindet. Eine nationale Lösung der jüdischen Zukunft wäre rein formal und schiebt den inneren Gehalt des Judentums beiseite. Demgegenüber vertreten die Anhänger des deutsch-

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