KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 30 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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30 K. C.-Blätter Nachr.-Heft sehr weite Kreise danebenstehen und für die Sache zu gewinnen sind. Und grade die akademischen Kreise sind es, die hier vorangehen sollten. Es ist nicht nötig, daß sich gleich ein jeder irr großen genealogischen Arbeiten ergeht, durch die Teilnahme an der Gesellschaft wird er schon zum Mitwirkenden und aus ihr heraus immer Anregung finden. Je größer der Kreis der Mitglieder ist, um so mehr kann geleistet werden, um so reger der gegenseitige Austausch und die Beziehungen, und um so mehr dokumentarisches Material kann erschlossen werden. Wie manches Material liegt noch in den Familien herum. lieber kurz und lang dürfte es verloren sein, wie leider schon so vieles unwiderbringlich dahin ist. Hier gilt es zu retten, was noch zu retten ist. Da sind weiter die alten Gemeindeakten, die viel wertvolles Material enthalten. Sie sind bisher meistens sehr stiefmütterlich behandelt. Dann das unübersehbare Material der sogenannten „Iudenakten" aus der langen, vielhundertjährigen Schutzjudenzeit, in der jeder Jude sein ganzes Leben hindurch kontrolliert und protokolliert und registriert war. Diese Akten, die noch zum großen Teil in den städtischen und staatlichen Archiven liegen, geben über fast jeden Juden der damaligen Zeit eine sehr eingehende Auskunft. Ihre Erforschung ist erst kaum in Angriff genommen. Das Organ der Gesellschaft, die „Jüdische Familienforschung" (Probenummern stehen jedem Interessenten kostenlos zur Verfügung) bringt stets ein reiches, beachtenswertes historisches und genealogisches Material und solches aus den Grenzgebieten der Erbforschung und Eugenik. Diese Veröffentlichungen weihen jedes Mitglied bald in das Forschungsgebiet, ein, regen sein Interesse an und führen ihn gar oft zu redaktioneller, stets gern gesehener Mitarbeit. Mit der „Jüdischen Familienforschung" ist ein „Suchblatt" verbunden, das Gelegenheit gibt, Rundfragen zu veröffentlichen zwecks Aufschluß über frühere Familienmitglieder und -beziehungen. Diese Fragen finden oft überraschende Beantwortungen, und je größer unser Kreis ist, um so wirkungsvoller wird das „Suchblatt" werden. Durch allmähliches Einfühlen wird gar mancher zu ernsteren genealogischen und historischen Arbeiten geführt werden. Diese sind, das muß man sich gesagt sein lassen, oft recht mühsame und langwierige. Es gehört zu ihnen Geduld und Liebe zur Sache. Ist diese aber einmal geweckt, dann ist es so recht eine Beschäftigung für stille Stunden, die alles Ungemach der heutigen Zeit vergessen lassen. Und hat man nach langer Arbeit endlich das Bild einer großen Familie vor sich, und ersieht erst dann, was eigentlich „eine Familie" bedeutet, dann wird man die Blätter Hochhalten und allem Geschrei der Welt zum Trotz sagen können: „Seht, wir sind doch Kinder des deutschen Landes!" Student im deutschen Osten. Von canä. rer. oee. Dipl.-Kaufmann Fritz LandrL. Rach der Räumung des besetzten Gebietes im Westen unseres Vaterlandes hat sich das allgemeine Interesse den . Ostproblemen zugewandt. Auch die Regierungen widmen sich mehr als früher der Ostpolitik. Erinnert sei nur an das Ostprogramm der Reichsregierung, an den Ausbau der Königsberger Handels-Hochschule durch das Preußische Staatsministerium und die mehrfachen Ostreisen der Minister. Man hat offenbar erkannt, wie tief die Wunden sind, die das Versailler Diktat dem deutschen Osten geschlagen hat. Die Folgen des Gewaltfriedens haben das Land, das von jeher alter deutscher Kulturbesitz war, in einen so harten und sich ständig noch verschärfenden Existenzkampf geführt, daß es heute alle Kraft aufzubieten gilt, um die Gefahr einer Zertrümmerung der deutschen Kultur und des nationalen Besitzstandes hier im Osten abzuwehren. Ostpreußen leidet unter den Röten des deutschen Ostens besonders stark. Das ist schon durch die grenzpolitisch so sehr gefährdete Lage bedingt. Vom Mutterlande abgetrennt, stößt die Provinz mit 8/io ihrer Grenzen direkt an das Ausland, mit 2/io an das nicht mehr