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KC-Blätter · 1931-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1931) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2-3 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 29 (sequence 15)
Language
German
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Nachr.-Heft K. C.-Blätter 29 Seßhaftigkeit der städtischen Familie. Wie selten ist es, daß die dritte Generation noch auf der alten Scholle sitzt oder ein gewerbliches Anternehmen auf den Enkel übergeht. Es ist ein ewiges Hin und Her, ein Ausein anderstreben. Bei Betrachtung der Bevölkerungsprobleme wird oft gesagt, die städtischen Familien sterben aus. Das ist ein Irrtum. Sie sterben nicht aus, aber sie zerstreuen, sie zersplittern sich» sie gehen in alle vier Winde. Sie sind noch da, aber man kennt sie nicht mehr, weil ihre Glieder sich einander nicht mehr kennen. Aber doch ist in der Würdigung der Familientradition in den letzten drei Jahrzehnten ein erfreulicher Wandel eingetreten. Das Interesse an Familienkunde und Familienforschung ist in dieser Zeit in weite Schichten gedrungen. Wir haben in Deutschland sehr beachtenswerte Organisationen, die dieses Gebiet pflegen. Die jüdischen Kreise, bei denen doch sonst die Familie einen so hohen Wert hat, standen darin allerdings noch völlig zurück. Es fehlte — immer natürlich von einzelnen Fällen abgesehen — das Interesse und die Erkenntnis der Sache, und es fehlten auch die Kenntnisse der Technik, die für die Forschungen nötig sind. Es lag das daran, daß es an einer Zentralstelle für diese Bestrebungen fehlte, die dafür unbedingt erforderlich ist. Da entstand im Jahre 1924, anfangs aus ganz engem Kreise heraus, in der Hauptsache auf Anregung des Erbforschers Dr. Czellitzer, des jetzigen Vorsitzenden, die „Gesellschaft für jüdische Familienforschung" (Berlin W 9, Potsdamer Sir. 5). Sie ist in den wenigen Jahren ihres Bestehens erfreulich gewachsen. Sie zählt heute etwa 409 Mitglieder, davon etwa 200 in Berlin, 150 in deutschen Städten und 50 im Auslande. Die Gesellschaft konnte nur' in Deutschland entstehen. Ihre zentrale Leitung hat nur hier ihre Berechtigung. In Deutschland ist das Judentum ein alteingesessenes. Es kam schon mit den Römern in die germanischen Lande, viel, viel eher, als es ein Deutschland gab. Manchem ostelbischen Teutonen möge gesagt sein, daß unsere Vorfahren eher deutsch gesprochen haben, als seine slavischen Voreltern. In Deutschland auch ist das Judentum, wenn auch oft von Ort zu Ort getrieben, dennoch immer geblieben. Von hier flutete im Mittelalter ein Teil nach dem Osten. Es bewahrte sich dort durch die Jahrhunderte, natürlich durch die Amwelt modifiziert, die deutsche Sprache und wurde dort ein Faktor des Deutschtums. Dort wuchs es zu einer kompakten, beharrenden, noch nicht emanzipierten Masse zusammen, und von dort fließt wieder ein ständiger Strom nach dem Westen zurück. All das, diese Zeiten und diese Kulturbilder, spiegeln sich wieder, wenn man darangeht, die Geschichte einer jüdischen Familie aufzuzeichnen. Hier entspringt in der Mitte des 16. Jahrhunderts eine Familie im alten Köln, bringt schon damals bedeutende, weitgenannte Männer hervor, sie wandert den Rhein entlang, weiter nach Westfalen und sitzt heute noch in diesen Gegenden. Dort kommt eine Familie aus der uralten Gemeinde Prag» geht hinauf bis an die deutsche Küste und verbreitet sich von hier aus weiter. Hier ein Wandern von Süden nach Norden, dort von Osten nach Westen, dort wieder ein Beharren im alteingesessenen Landesteil. Hier mal ein glanzvoller Aufstieg, dort wieder ein Abstieg, hier ein Versiegen, dort eine unendliche Verbreitung. Aber immer ein Leben im deutschen Lande. Die Zahl derer, die in die Welt hinausgehen, ist verhältnismäßig gering«. Immer sind unsere Vorfahren deutsch gewesen, und immer sind ihre Nachfahren es geblieben. Der Sinn für diese Historie muß erst geweckt werden. Tradition ist die Erkennung des eigenen Wertes» und das wieder gibt die Kraft für den Kampf, den das Judentum heute gegen die Amwelt zu führen hat. Wir stehen erst im Anfang unserer Arbeit. Zwar sind die Erfolge der „Gesellschaft für jüdische Familienforschung", wie das die vorhin genannten Zahlen beweisen, in der kurzen Zeit ihres Bestehens recht erfreuliche, wenn man aber berücksichtigt, daß Gemeinden großer deutscher Städte oft nur orei» zwei oder gar ein Mitglied stellen, andere Großstädte wieder ganz ausfallen, so sieht man doch, daß noch

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