KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 22 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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22 K. C.-Blätter Nachr.-Heft lichen Fachschaft der Universität Heidelberg nahm zu den Vorgängen Stellung. Mir mehr als zwei Drittel Mehrheit wurde beschlossen, die Bestrebungen zur Schaffung einer politisch neutralen, auf den Fachschaften aufgebauten studentischen Selbstverwaltung zu unterstützen und der von den Nationalisten gegründeten „Deutschen Studentenschaft fernzubleiben. Zum „Fall Gumbel" nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der gesagt wird, daß der Pädagoge und wissenschaftliche Forscher Gumbel die vollste Achtung und Anerkennung verdiene. Nicht minder lehrreich als diese Chronik sind die Kommentare der akademischen Presse. Wir greifen heraus einen Aufsatz der „V. C.-Rundschau" (Lest 12, S. 244): „Leidelberg — ein Fanal!" Sehr interessant ist die Einleitung, in der dem Dekan der philosophischen Fakultät der Vorwurf gemacht wird, er habe „versehentlich" dem Ministerium eine falsche Auskunft über die Stellungnahme der Fakultät zur Ernennung Gumbels erteilt. Zn Wirklichkeit beschuldigt man, mittels Verwendung ironisierender Anführungsstriche, den Dekan einer absichtlichen Inkorrektheit. Wunderschön Liest sich im Zusammenhang mit dieser Rüge der Satz: „Angesichts solcher Lerren möchte man beinahe auf die Forderung nach Lochschulautonomie verzichten." Vorerst hat man dabei offensichtlich auf die Forderung nach gutem Deutsch verzichtet. Unter „solchen Lerren" ist, nebenbei bemerkt, auch der Dekan Professor G u n d o l f gemeint, und es ist recht typisch, daß die anerkannte Bedeutung dieses in der ganzen Welt berühmten Gelehrten im Range zurücktreten muß hinter einer pseudopolitrschen Würdigung seines außerfachlichen Verhaltens. Die Ergebnisse der Geistesarbeit zählen nicht, es gilt nur das, was einer im Sinne Eurer politischen Weltbetrachtung zu bedeuten scheint! Der „Ehrbegriff", dessen mißbräuchliche Benutzung schon viel Unheil im Gehirn jugendlicher Leißsporne angerichtet hat, wird scheinbar denn auch nur aus den Produtten der Parteipolitik zurechtgebraut. „Es wäre noch schöner" — heißt es in der V.C.-Rundfchau weiter— „wenn wir nicht mehr für die Ehre der Universitäten eintreten dürften, insbesondere solange die Professoren versagen." Dieser Lieb gegen die Professorenschaft hat ja wohl gesessen. Auf Leidelbergs Straßen hätte sie lernen sollen, wie heute die Ehre des Akademikers aussieht. Der Artikelschreiber hat weiter aus das Heidelberger Richtfest hingewiesen, das seiner Zeit als ein erfreuliches Zeichen moderner Gesinnung allenthalben begrüßt wurde. Er hätte diese Erinnerung lieber nicht wecken sollen. Sie stimmt wehmütig, wenn man bedenkt, wie rasch eine Linie verlassen wurde, die verheißungsvoll begann und heute bestimmt sich an ihrem Gegenpol befindet. Der Artikelschreiber hat auch die Frage der finanziellen Mißwirtschaft angeschnitten und einen unberechtigten Vorwurf festnageln wollen, seitens derer, die sich für die genaue Rechnungslegung des Heidelberger Asta interessiert haben. Die Hauptfrage aber hat er nicht beantwortet, und wir schließen uns ihr aus vollem Herzen an: Wie sind wirklich die Beiträge der Leidelberger Studentenschaft verwendet worden?! Unseres Wissens herrscht darüber noch manche Unklarheit, an deren Aufhellung einiges Interesse bestehen sollte. Ueber die Unruhen selbst weiß der Chronist der Turnerschaften nur zu sagen, daß Plötzlich die Polizei nervös geworden sei. Wir versagen es uns, ihm ein detailliertes Tatbestandsbild entgegenzuhalten, und begnügen uns mit dem Hinweis, daß seine Darstellung gar zu sehr dem Bericht jenes Zeugen ähnelt, der von einer Schlägerei nur vermelden kann: „Wir sitzen alle ruhig am Tisch, und plötzlich hängt einem ein Auge heraus". Besondere Empörung überläuft den Artikelschreiber, daß der Rektor den Brief eines „Amerikaners und Israeliten" verlesen habe, der in diesen beiden Eigenschaften gegen die beschämenden Ausschreitungen protestiert habe und angedroht habe, die Unterstützung der Shurmanspende in seiner Leimat verhindern zu wollen. Was an diesem Brief wahr ist, wissen wir nicht. Wir unterstellen ihn als wahr, und verstehen die Erbitterung der V. C.- Rundschau nicht. Wenn die Leidelberger Studentenschaft vor den Augen der Welt einen Skandal aufrührt, dann kann sie sich nicht wundern, wenn die Welt die Nase rümpft. Oder will man etwa eine Gesinnung beschönigen, die