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KC-Blätter · 1931-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1931) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2-3 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 21 (sequence 7)
Language
German
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Nachr.-tzeft K. C.-Blätter 21 Mord verherrlichen? Das vermögen wir von der Studentenschaft trotz allem nicht zu glauben, mit Ausnahme freilich der organisierten Nationalsozialisten, deren Partei ja offenkundig dein Femegedanken huldigte, indem sie seine Exekutoren mit der Würde des Volksboten belehnte. Was bleibt nun aber ernsthaft übrig an gewichtigen Gründen, die Volksseele gegen Lerrn Gumbel auszurütleln? Man komme doch nicht mit der abgestandenen Legende, der!ap8us linxuae des Dozenten Gumbel, den er selbst vor langem schon korrigiert hat, schließe ihn aus den Reihen der ehrenwerten Männer aus. Wer von den Schreiern wird denn ernsthaft eine Unbedachtsamkeit im Ausdruck heute noch verketzern können, nachdem ein Zeitraum verstrichen ist, innerhalb deffen selbst manches kriminelle Delikt verjähren konnte. And an die Echtheit einer Erbitterung, die jahrelang auf Eis gelegen hat und plötzlich mit heißer Leidenschaft hervorirrömen soll, vermögen wir wirklich nur sehr schwer zu glauben. Das gerade ist das Betrübende, dasi die aufgeregte Menge nicht aus selbständiger, sachlicher Aeberlegung zu einer echten Empfindung gelangte, daß sie vielmehr Order parierte einer demagogischen Parole, die Volksgemurmel und Volksaufstand befahl. Da hatten wir nun heute: Irgend ein Drahtzieher hitlerischer Färbung zeigt das Signal des Chauvinismus, und tausend Kehlen brüllen, tausend Arme recken sich, tausend Beine bewegen sich, tausend Lirne denken nicht. Die ganze Szene aber wird glorifiziert durch das Mysterium eines einzigen Wortes: Akademische Freiheit! Ein wahres Zauberwort ist heute daraus geworden, ein Sesam öffne dich zu allem, was dem Laienverstand unfaßbar, wenn nicht gar verboten scheint. Auch dieser Mißbrauch eines einst so inhaltvollen Wortes, seine Degradierung zum Schutzherrn der Anreife und der Anverantwortlichkeit muß endlich verschwinden Wir brauchen eine studentische Jugend, die sich um gerechte, von Leidenschaften ungetrübte Kritik bemüht, die ehrlich gegen sich selber zu sein vermag, die nicht den Schaum salbadernder Redensarten schlägt, um eine innere Leere zu verdecken. Eine Jugend, deren gesunder Instinkt sie davor bewahrt, ein Kampffeld zu betreten, das für sie nun ganz bestimmt kein Feld der Ehre ist. Wir bringen nachstehend einen kurzen Bericht dev Vorgänge. Es begann mit öffentlichen Protesten und Versammlungen, unter Hinzuziehung nichtakademischer Kreise, die zunächst ohne Ruhestörung verliefen. Eine Verschärfung trat ein, als am dies academicus der Lochschulring den Fehdehandschuh dem Rektor hinwars, und einer offiziellen Veranstaltung demonstrativ fernblieb. Bald danach erklärte der Asta, er werde sich der Reichsgründungsfeier fernhalten, wenn nicht Gewähr geboten werde, daß kein Zusammentreffen mit Professor Gumbel stattfinde. Der Asta ging sogar noch weiter und verlangte geradewegs Entfernung Gumbels aus dem Lehrkörper der Aniversität. Wegen des provokanten Tones, in dem die ganze Angelegenheit sowohl gegenüber der Minderheit wie auch gegenüber Rektor und Senat behandelt und offen einem Konflikt entgegengetrieben wurde, sah sich das Kultusministerium genötigt, den Asta auszulösen. Nunmehr schlugen die Flammen der Rebellion hell empor. Dem Verbot zuwider demonstrierte die nationalistische Studentenschaft unter freiem Limmel und hierbei kam es zu den betrüblichen, Leidelbergs Ansehen aufs peinlichste gefährdenden Ausschreitungen, die durch die Tagespresse bekannt geworden sind. Die reaktionäre Studentenschaft hatte sich inzwiscben als Privatverein neu aufgemacht, und setzte ihre Provokationen in einer allgemeinen Studentenversammlung fort, die der Rektor im Anschluß an die Exzesse einberufen hatte, und in der über die Organisation einer unpolitischen Studentenvertretung diskutiert werden sollte. Die „nationale Opposition" war aber in diesem Punkte nicht zu sprechen, sondern hielt ihren Lxodus aus der Versammlung, nachdem sie vorher ein paar derbe Anmaßungen und Angehörigkeiten gegen Rektor und Senat geschleudert hatte. Linterher schlug ihnen freilich entweder das Gewissen, oder das Lerz in den Losen, denn sie richteten an den Rektor ein Schreiben, in dem sie ihr Verhalten bedauerten und einem Mißverstänrnis zur Last schrieben. Bei dieser Gelegenheit dürfen auch die Stimmen der Vernunft nicht unregistriert bleiben: Eine von Studenten der Nationalökonomie sehr stark besuchte Versammlung der Staatswiffenschaft-

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