KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Heft K. C.« Blätter 19 Anträgen der Studentenschaft, die gewöhnlich selber dabei zu verstehen gibt, daß sie mit der Ausschaltung der winzigen Iudenzahl die Aeberfüllung der 1 Lochschulen beseitigen will. Betrachten wir den geschichtlichen Ablauf der Purimerzähluna, so sehen wir, daß Opfermut und Leldensinn es waren, die die Rettung herbeiführten. Vorbildlicher Opfermut, aufgebracht sogar von einem schwachen Weibe, stand am Anfang des Weges, der zur Befreiung führte. Esther wagte den Gang zum Könige, obwohl ihr der Tod drohte; denn niemand durfte ungerufen vor ihn treten. Am 13. Adar ward es auf ihren Fürspruch hin den Juden gestattet, sich gegen ihre Bedränger zu verteidigen, und heldenhaft schlugen sie ihre Feinde im Kampfe zurück. Man vermerke wohl, daß nicht des Königs Truppen es waren, die der Iudenheit zu Lilfe gesandt wurden. Die Rettung kam, weil es den Juden gestattet war, selber um ihr Leben zu kämpfen. Wir erkennen die Parallele zur Gegenwart. Im letzten Grund beruht die jüdische Errettung auf jüdischem Leldensinn! Zwar garantiert uns heute das Gesetz unseres Staates, daß uns wie allen friedliebenden Bürgern durch seine berufene Macht der Schutz bereitet werde. Das Zutrauen, das wir in die Erfüllung dieses Versprechens setzen, stärkt unsere innere Position. Sollte es aber, was wir schon um des Staates willen niemals wünschen, dennoch anders kommen, dann lehrt uns die Geschichte unseres Purimfestes, daß Opfermut und Leldensinn die verläßlichsten Mittel unserer Notwehr sind, und daß wir nicht zum ersten Male in der Geschichte auf uns allein gestellt sein werden. Für die Erkennung unserer Gegenwartssituation sehr wesentlich ist die Frage, wieweit die großen studentischen Verbände dem Nationalsozialismus verschrieben sind. Wir konnten bereits in der vorigen Amschau feststellen, daß die Deutsche Burschenschaft heute fast hundertprozentig zur akademischen Legion Litlers geworden ist. Bezüglich der einzelnen Corpsverbände läßt sich Abschließendes noch nicht sagen, zumal ihre Presse einige Zurückhaltung diesen Fragen gegenüber bewahrt, und, was anerkannt werden muß, ihre parteipolitische Neutralität zu wiederholten Malen erklärt hat. Anders liegen die Dinge bei der Deutschen Landsmannschaft. Ihre Einstellung differiert kaum von der der Burschenschaftler. In der „Landsmannschaft^ - Zeitung" (45. Jahrgang, Lest 2) nimmt vr. Teutlosf das Wort zu der Frage, wieweit für die Landsmannschaft, die er als „unpolitisch" bezeichnet, eine Verbindung zu politischen Parteien möglich sei. Eine organisatorische Vereinigung wird für jede Partei rundweg abgelehnt, und es kommt noch eine besonders, betonte korporative Eigenliebe hinzu, wenn es da heißt: „Die studentische Lebensform mit dem nicht zu erklärenden Geheimnis des Verbindunqslebens kann von keiner Partei ersetzt werden." Lier könnte man immerhin schon ein Linsteuern auf die nationalsozialistische Ideologie finden, denn das Parteileben der aktivistrschen Lakenkreuzler wird noch viel mehr als das „geheimnisvolle" Verbindungsleben durch mystische Schwarmgeisterei bestimmt. Gewisse rivalisierende Momente zum Korporationsleben sind schon zu erkennen. So bringt denn auch der genannte Aufsatz die Abwicklung von Gedankengänaen, die sich nach dem Schema abrollen: „National sind nur wir, nicht die andern", und die Betrachtung mündet dann sehr folgerichtig in die Feststellung ein, daß „Ehre, Freundschaft, Vaterland", die Losungsworte der Deutschen Landsmannschaft, von niemand anderem sonst noch so trefflich vertreten würden, wie von der Litlerpartei. Die ganze geistige Anduldsamkeit marschiert auf, die mit Begriffen arbeitet, die allen heilig sind, und sich dabei gebärdet, als wüßte nur der Sprecher sie zu heiligen. Ist es vielleicht ein originaler Gedanke, eine aparte Idee, ein besonders geläuterter Wille was da mit folgenden Worten gepriesen wird: „Die deutsche Landsmannschaft will eine freie deutsche Wirtschaft, eine deutsche Verfassung, ein großes geeintes Deutschland!" Es sind Ziele, die uns allen erhaben und erstrebenswert sind, und die Schlußfeststellung: „Der Nationalsozialismus .. will dasselbe .. " ist insofern unaufrichtig, als der Eindruck entstehen könnte, andere Bewegungen wollten dieses Gleiche nicht. Bei allem sind die Ausführungen der Landsmannschafter- Zeitung nicht frei von Widersprüchen zu sich selbst. So wird zum Beispiel gesagt, daß im Gegensatz zu den Parteien die Landsmannschaften von ihren Leuten verlangten, nicht nur auf einem einzigen Wege zum nationalen Ziel zu marschieren.