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KC-Blätter · 1931-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1931) · p. Seite 18

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2-3 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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18 K. C.-Blätter Nachr.-Heft stand, also ein Verharren aus der bisherigen Löhe, eine Verinsterung unserer Lage, und es wäre kurios, wenn wir plötzlich schon zufrieden wären mit dem, was uns der 14. September bescherte! Oder hätten wir die Dinge erst dann als peinlich empfinden sollen, wenn fich in Braunschwcig abermals eine Verneurnachung der Litlerstimmen gezeigt hätte? Schon wenn es geblieben wäre, wie es war, hätten wir noch nichts gewonnen! Bei allem aber kommt man über die Tatsache, daß in Wirklichkeit die Flut noch weiter steigt, einfach nicht hinweg, weil die nüchternen Zahlen jede andere Auslegung verbieten. Nur Vertuschung und Beschönigung führt zu einem gegenteiligen Zwangsergebnis, das aus Prozent- und Relationsberechnungen mühselig herausgequält wird und auch dann noch nicht hiebfest ist. Denn selbst die Prozentrechnung kehrt sich im Braunsckweiger Fall gegen ihre Veranstalter, weil der Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten infolge der verringerten Wahlbeteiligung gerade größer erscheint. And was soll uns hierbei die Feststellung, daß dafür aber auch das Bürgertum geblutet habe und sich zugunsten der Nationalsozialisten aufzulösen beginne? Soll das ein Trost sein? Es ist beileibe keiner, sondern ^gerade die Bloßlegung des Krebsübels: Das Bürgertum bewahrt immer weniger seine ohnehin schwache, staatserhaltende Anempfindlichkeit gegen den völkischen Bazillus, sondern droht immer tiefer in den Äitlerschen Schmelztiegel hineinzusinken. Die Welle steigt weiter und überschäumt immer weitere Bezirke. Sie denkt nicht daran, zu stagnieren und denen recht zu geben, die aus einer derartigen Prophezeihunq ein politisches ^Modewort gemacht haben. Gewiß, wenn man so deduzieren will, es hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Es hätten schließlich die Lakenkreuzler gleich beim ersten Male 200 Mandate erringen können. Wir sehen freilich auch heute noch nicht den Ansatz da^u, daß sie es bei der nächsten Reichstags- Wahl schon so weit brmgen werden. Daß sie aber bei der nächsten Reichstagswahl wieder auf die frühere Stufe von 12 Mandaten heruntergedrückt fein werden, sür solche Vermutung ist nun noch viel weniger eine Anterlage da. (Wobei man bedenken muß, daß auch 12 Rerchstagsmandate immer noch um ein Dutzend zuviel sind!) Allein darauf kommt es an, das heute nach ultrarechts abgeschwenkte Bürgertum zurückzugewinnen und die Scharen der Nichtwähler, die am 14. September Litlers Rekruten wurden, nicht nur zu ihrer früheren Reserve zurückzuführen, sondern einzureihen in die Front gegen die braune Gefahr. Einen solchen Erfolg scheint das Braunschwciger Barometer jederkalls noch nicht als d'cht bevorstehend anzuzeigen. Darum wollen wir die Verzweiflung zwar gewiß verjagen, aber auch das Frohlocken einstweilen vertagen. Die Geschichte des Purimfestes nämlich, das wir in diesen Tagen begingen, lehrt, daß Triumph und Frohlocken erst dann am Platze sind, wenn der Feind endgültig niedergeworfen ist. Da man aus der Geschichte, noch dazu aus der biblischen, gedankliche und psychische Anregung erfahren soll, so liegt in diesen Zeiten ganz besonders die Frage nahe, was uns denn wohl der Purimgedanke in der Gegenwart zu sagen habe. Immer hat es Lamans gegeben, die es auf Vernichtung des jüdischen Daseins abgesehen haben. Lesen wir nun in der Bibel, was der historische Laman zum Könige Ahasveros sprach: „Es lebt ein Volk in allen Ländern deines Reiches, die Gesetze des Königs befolgen sie nicht, und es bringt dem Könige keinen Vorteil, sie zu dulden." Wie sprechen die Lamans von heute? Eine sonderbare Amkehrung ist erfolgt! Der Jude wird verlästert, weil er nur zu sehr die Gesetze und die Verfassung des Staates achtet. Leute will man in ihm den verhaßten Staat selber treffen, die .Staatsgesinnung, die er bezeugt, ist heute zum ea8U5 belli geworden, „heutiger Staat" und „Judentum" wird von den Lamanns der Gegenwart zu einem Komplex verschmolzen. Geblieben ist auch heute noch der Schmährede zweiter Teil: Es bringt dem Könige (lies: dem Volke) keinen Vorteil, sie zu dulden. Diese Erwägung ist. das braucht hier nicht im einzelnen erwiesen zu werden, grundfalsch wie alle antisemitischen Theorien, denn daß die Juden dem Lande, in dem sie heimisch sind, stets Anschätzbares geleistet haben, ist ein kulturgeschichtliches Faktum. Aber wie glänzend ist auch heute noch die Sinnesart der Judengegner gekennzeichnet, für die die ganze Iudenfrage ja doch im wesen: lichen eine Konkurrenzfrage ist. Am deutlichsten kommt das zum Ausdruck m den blamablen numeru8-e1au8U8-

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