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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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Nachr.-Left K.C.-Blätter 11 Studentenfilm. Die Geduld des Publikums, das seil Jahren immer wieder mit dem Schmalz rühr-, wein-, liebesseliger Studentenfilme gefüttert wird, ist bewundernswert. Die Angelegenheit hat aber auch sehr ernste Seiten. Was von dieser Sorte Filmen an Bildern aus dem deutschen Studentenleben produziert wird, ist eine einzigartige Verzerrung und Verfälschung, nahezu eine sozialgeschichtliche Lüge. Der deutsche Student von heute hat weder Stimmung noch Mittel, seine Iugendtaqe in so leichtfertiger Weise zu vergeuden, wie der landläufige Studententenfilm es den nichtakademischen Zuschauer glauben machen will. Filme, wie der von der „Ufa" herausgebrachte: „O, alte Burschenherrlichkeit", müssen geradewegs als Lohn auf die schweren Nöte einer Zugend, die viel zu früh den bittersten Lebensernst zu schmecken bekam, angesehen werden. Mit Recht haben darum schon in Leidelberg bei Lersteüung des Films die Studenten ihre Mitwirkung verweigert, weil sie sich nicht zu Komparsen einer gefährlichen Volksumgaukelung machen wollten. Allenthalben hat sich der Anmut auch bei der Aufführung des Films in entrüsteten Demonstrationen entladen. Die Erlanger Studentenschaft hat sogar unmittelbar ein Verbot des Films in nachstehender Entschließung gefordert: „Die Erlanger Studentenschaft bittet ein hohes Ministerium des Znnern, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß der Film „O, alte Vurschenherrlichkeit" für das deutsche Reichsgebiet verboten wird. Zur Begründung mögen u. a folgende besonders anstößige Stellen dienen: 1. Anter dem Titel „Studenten von heute" wird der verbummelte, der sozial überhebliche und nur dem Vergnügen lebende Student als Typ dargesteüt. Gerade in der heutigen Zeit muß es als eine bewußte Beleidigung des Studenten empfunden werden, wenn der Werkstudent als minderwertiger Kommilitone hingestellt wird. Tausende von Studierenden haben als Werkstudenten trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage erreicht, ihr Studium durchzuführen. Der deutsche Student muß deshalb eine Verächtlichmachung des Werkstudenten entschieden zurückweisen. 2. In dem Film „O, alte Burschenherrlichkeit" geben sich deutsche Studenten dazu her, um einer Amerikanerin zu gefallen, englisch zu fingen, was bei der vaterländischen Einstellung der deutschen Studenten als bewußte Irreführung des Publikums angesehen werden muß. 3. Die Mensurszene ist die übelste Entstellung des akademischen Ehrenstandpunktes. Da schon.aus den wenigen angeführten Tatsachen hervoraeht, daß der Film nur dazu geeignet ist, die einzelnen Volksschichten gegen einander aufzubringen, erhebt die Erlanger Studentenschaft entschieden Einspruch und bittet ein hohes Ministerium im Interesse der Einheit des deutschen Volkes, die Erlanger Studentenschaft in ihrem Kampfe gegen diesen zersetzenden Schundfilm zu unterstützen." Wir freuen uns, in diesem Falle einmal mit der Mehrheit der Studentenschaft einig zu sein. Die hier geäußerte Einstellung läßt erkennen, daß der Sinn für soziales Verantwortungsbewußtem und der Abwehrwille gegen ungerechtfertigten Standesdünkel auch auf der anderen Seite lebt. Wünschenswert wäre es nur, wenu diese positiven Kräfte erfaßt werden könnten, um auch in der sogenannten „Judenfrage" vernünftigere Ergebnisse zu bewirken. Immerhin ist es schon beachtenswert, daß überhaupt Kräfte vorhanden sind, die einer Nutzbarmachung fähig sind. Den Punkt 2 der Entschließung halten wir übrigens für eine Entgleisung Vor einer Amerikanerin englisch zu singen, braucht der vaterländischen Einstellung keineswegs zu schaden. Im Gegenteil, die völkerversöhnende Sinnesart, die daraus sprechen könnte, wäre dem Vaterland nur zuträglich. Konferenz des Weltstudentenwerks über „Die Stellung der Juden litt fcefceit der Völker". In der vorigen Nummer brachten wir eine 31^-Meldung, der zufolge in Nyon (nicht Niort) eine Konferenz über „Bekämpfung des studentischen Antisemitismus" stattfinden solle. Es hat sich nun herausgestellt, daß die sonst gut informierte Nachrichten- Agentur über diese Konferenz, die auch in Wirklichkeit ein anderes, in der heutigen Aeberschrift genanntes Thema hat, einige unzutreffende

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