KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2268830-2268996-2269000--3894-3523938- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
12 K.C.-Blätter Nachr.-Left Angaben gebracht hat. Wir bringen daher nachstehend die Meldung in der berichtigten Fassung. Die Redaktion. Das „Wellstudentenwerk" (lnler- . national Student Service) hat die 2. Konferenz über „Die Stellung der Juden im Leben der Völker" für April 1931 nach Ryon in der Schweiz einberufen. Die erste Konferenz hatte unter dem Vorsitz von James Parkes in Bierville im Jahre 1928 getagt. Kbr. Lans Lennhoff, der bereits auf der ersten Konferenz mitgearbeitet hat und seine Erfahrungen in den K. C.-Mitteilungen von 1929, Lest 1 /2, S. 6 ff. niedergelegt hat, wird auch diesmal wieder den K. C. sowie den Centralverein dort vertreten. Das früheste Vorkommen von Inden auf deutschem Boden. (J. T. A.) Der als philosophischer Schriftsteller und historischer Forscher bekannte Oberrabbiner vr. Adolf Altmann (Trier) hielt in Trier einen Vortrag über das früheste Vorkommen von Juden auf deutschem Boden. Auf Grund streng wissenschaftlichen Ouellenmalerials kam vr. Altmann zu dem Resultat, daß nicht — wie bisher angenommen wurde — in Köln, sondern in Trier das historisch nachweisbar älteste jüdische Gemeinwesen zu suchen sei. Reben allgemeinen historischen Tatsachen wies des Vortragende auf die im Codex Theodosianus festgelegten Gesetze und Verordnungen der Kaiser Gratian und Valenlinian hin, die ausnahmlos aus der Mitte und dem Ende des vierten nachchristlichen Jahrhunderts stammen und geordnete jüdische Gemeinwesen voraussetzen. Daneben bilden von vr. Altmann erstmalig gedeutete archäologische Funde ein aufschlußreiches Beweismaterial. Es handelt sich bei diesen aus dem dritten und vierten Jahrhundert n. CH. stammenden und im Provinzialmuseum zu Trier aufbewahrten Funden um eine sogenannte Tonbildlampe (terra sigillata), ein gut erhaltenes Bruchstück eines reliefartigen eingebrannten siebenarmigen Leuchters (Menorah) und Terrakotta - Figuren, die Iudenkarrikaturen darstellen. Die Menorah und die Figuren sind aus jenem rotbraunen Ton gebrannt, der in den berühmten ehemaligen römischen Töpfereien zu Trier und Carden an der Mosel verwendet wurde. Die Menorah entstammt einer jüdischen Grabstätte, die nachweislich in der Rähe des nördlichen römischen Gräberfeldes in Trier lag. Aus der Arbeit der Jungjüdischen Friedensgemeinschaft. Die vor kurzem in Berlin gegründete jungjüdische Friedensgemeinschaft, die sich zum Ziele gesetzt hat, zusammen mit den jugendlichen Friedensorganisationen der anderen Bekenntnisse den Friedensgedanken in .die Reihen der Heranwachsenden Jugend zu tragen, veranstaltete am 21. Dezember 1930 eine gutbesuchte Versammlung, bei der nach den einleitenden Worten des Versammlungsleiters Erwin Scheftelewitz der Syndikus des C. V., Arthur Schweriner, über das Thema: „Lelm ab zum Gebet?" sprach. Der Versammlungsleiter wies u. a. auf die jüdisch-politische Neutralität der Friedensgemeinschaft hin und trat insbesondere auch für den Frieden in der Berliner Gemeinde ein. Schweriner bezeichnete nach ihm in seinem Referat als die Grundlagen eines jeden Krieges den Raffehaß und den Imperialismus, die Schuld tragen an der politischen Verhetzung, in der sich ein großer Teil der Jugend heute befindet. Die Folgen der Verhetzung zeigen sich beispielsweise darin, daß zwar nationals ozialistis che Industriekapitäne französisch sprechen, um nur den Auftrag des Franzosen zu erhalten, daß aber ihre Söhne mit Stinkbomben und anderen Terror-Mitteln eine jede Versammlung zu stören suchen, in der es ein Franzose wagt, französisch zu sprechen. Mit dieser verhetzten Heranwachsenden Generation muß später die heutige jüdische Jugend zusammenarbeiten, und deshalb ergibt sich schon heute für diese die Frage: Ist die Kriegshetze und der Raffehaß schon so stark, daß man ohne Loffnung auf Rettung sagen muß: „Lelm ab zum Gebet" und sich somit dem Schicksal ergeben muß, oder ist noch eine Abwehr möglich? Schweriner kam zu dem Ergebnis, daß eine festgefügt e interkonfessionelle Friedensorganisation wohl imstande sei, der drohenden Kriegsgefahr wirksam entgegenzutreten. In der sich anschließenden Diskussion kam der Wille aller Anwesenden zur Mitarbeit an der Friedensidee in der jungjüdischen Friedensgemeinschaft zum Ausdruck.