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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 9

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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Nachr.-Left K. C.-Blätter 9 „Die Rostocker Studententenschaft fordert an sämtlichen deutschen Lochschulen die Einführung des numeru8 e1au8U8 für Angehörige der jüdischen Raffe. Es ist eine gesetzliche Regelung zu erstreben, nach der Angehörige der jüdischen Raffe keinesfalls in größerer Zahl zum Studium an den deutschen Lochschulen des Reichs zugelaffen werden, als ihrem prozentualen Anteil an der deutschen Bevölkerung des Reiches entspricht." Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten! Wer eins der heiligsten Menschenrechte, lernen zu dürfen, dem Mitmenschen nicht mit Selbstverständlichkeit gewähren will, sondern es ihm mit der Elle tüftelnder Berechnung zumeffen will, der ist selber unfrei und gefangen in der Enge schäbigster Kleinlichkeit. Hochstapelei. ' „Wir erklären es als eine Gewiffenlosigkeit, Klassengegensätze in den Lochschulkampf hineinzuziehen. Wir verurteilen es auf das schärfste, die Religion, für wahrhaft gläubige Menschen das Leiligste und Größte, zum Aushängeschild des politischen Tageskampfes zu erniedrigen!" Wer schrieb diesen flammenden Appell an Toleranz und Loyalität? Ein Nationalsozialist, der sich in der Bayrischen Lochschulzeitung (Folge2, Seite3) zur damals bevorstehenden Astawahl äußerte. Schon deuchte es, als stehe die Aussöhnung zwischen Nationalsozialisten und Juden bevor, — da kam der Pferdefuß zum Vorschein. „Wir Nationalsozialisten", heißt es wenige Zeilen später, „kämpfen gegen Aeberfremdung der Lochschulen durch das raffe- und volksfremde Judentum . . . Her mit dem numeru8 e!au8U8 gegen das Judentum, und die Lleberfüllung der Lochschulen wird bald zu Ende sein." Die edle Menschlichkeit ist erschöpft,sobald sie gegen den Juden bewiesen werden soll. Vermutlich ist ihr Vorrat nicht sehr groß gewesen. Nichts kennzeichnet besser die innere Verlogenheit der nationalsozialistischen Lehre, als dieser jähe Wechsel von holder Friedensschalmei zum mißtönenden Letzgebrüll. Auch scheinen die Nationalsozialisten die Naivität selbst ihrer Mitläufer zu überschätzen. Wieviel Juden müßte es wohl in Deutschland geben, wenn die Aeberfüllung der Lochschulen ausschließlich von ihnen bewirkt werden könnte! Mit Konsequenz und Logik springen die Nationalsozialisten genau so leichtfertig um, wie sie es mit der Achtung vor wahrer Religiosität tun. Unaufrichtigkeit, Verschwommenheit, Doppelzüngigkeit — sind das die Keimstoffe des neuen Deutschen Reichs? Wann wird es den betrogenen 6*/* Millionen dämmern, daß ihre Zukunstsgläubigkeit mißbraucht worden ist durch die Gaukelkünste einer politischen Lochstapelei?! Hitler hat Erfolg — in Frankreich! Folgende Milieuschilderung entnehmen wir der in Wien erscheinenden jüdischen Wochenzeitung „Die Wahrheit": „Der Antisemitismus an den französischen Universitäten breitet sich immer mehr aus. Einzelne Gruppen französischer Lochschüler versuchen, Litlermethoden in Frankreich einzuführen. So drang in der Universitätsstadt Tours ein Trupp von Antisemiten in einen Saal ein, in dem ein von jüdischen Lochschülern veranstalteter Ball stattfand, um Unruhen hervorzurufen. Die Angreifer wurden jedoch rasch an die Luft gesetzt und dürften eingesehen haben, daß in Frankreich für Faschismus kein Raum ist. Die antisemitische Bewegung an den französischen Lochschulen wird hauptsächlich von Professor Bose gefördert, der für die Einführung eines gegen ausländische Lörer, in erster Linie gegen Juden, gerichteten t§umeru8 c!au8U8 eintritt." Die deutschen Nationalsozialisten werden sich sicherlich nicht beklagen, daß selbst im Lande des „Erbfeindes" ihre Methoden zu wirken beginnen. Wenn es gegen die Juden geht, finden sie sich zu jeder Internationale zusammen. Daß die Internationale des Judentums bestehe, ist böswillige Erfindung. Die Internationale des Chauvinismus aber erweist ihr Dasein immer wieder durch tausend Einzelfälle. Bitte, recht freundlich! Die nationalrstische Deutsche Studentenschaft ist nicht immer abweisend gegen alles Fremdländische. Anläßlich des bevorstehenden Besuchs südafrikanischer Studenten in Deutschland hat, wie die „Deutsche Akademikerzeitung" mitteilt, die D. St. einen Vertreter bestimmt

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