KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 59 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 59 Elend des Generals Boulanger dem deutschen Leserpublikum nahe zu bringen (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald). Das demnächst erscheinende Buch kann auf das größte Interesse aber nicht allein bei den politisch tätiger Menschen unserer Zeit rechnen. Denn wenn Boulanger als Politiker versagt hat und die ihm gebotene einzigartige Gelegenheit 'zur Machtergreifung nicht zu benutzen wußte, so wird die romantische Liebes¬ und Leidensgeschichte, die ihn an die Marquise von Bonnemains gebunden und sein Schicksal besiegelt hat, vielleicht mehr noch als seine politischen Taten seinen Namen der Nachwelt überliefern. Leo Baeck: Geist und Blut. Philo- Verlag, Berlin. Preis broschiert NM. -.60. Der bedeutende Vortrag Baecks auf der Iubilaumstagung der Gesellschaft für Freie Philosophie, Darmstadt, erschien neben seiner Veröffentlichung in der Nr. 6 des VI. Jahrganges der Zeitschrift „Der Morgen" als Sonderheft im Philo-Verlag Berlin. — Abgelöst von Alltäglichkeiten und dennoch von stärkster Aktualität dringt der Verfasser in die brennenden Fragen der Zeit bis zu einer erstaunlichen Tiefe vor. Das Problem ist ganz umfassend gestellt und läuft darauf hinaus, „die Polarität, die Spannung einerseits zum Schicksalhaften, zum Blute, zur Vergangenheit, anderseits zu dem nur Geltenden, Momentanen, zu dem nur Geleisteten, Erreichten" zu schildern. Geist wird bestimmt als die „Fähigkeit der Distanz", wird dem Blute, das „Tatsache unseres gegebenen Daseins" ist, gegenübergestellt als schöpferisches Prinzip, das die Kultur und die Gemeinschaft erst schafft. „Geist ist Jugend ... ist Ebenbild Gottes... die Geistlosigkeit führt immer entweder unter den Bann der Vergangenheit und des Traumes oder in den Zwang des Fortschritts und der hast." In langen kulturkritischen Auseinandersetzungen, in scharfer Ablehnung der Lerstung, die „reine Gegenwart" meint, und der Industrialisierung, die eine Entformung der Psyche" zur Folge hat, dringt Baeck zur Forderung der sittlichen Tat und einer wahren Frömmigkeit vor: „Geist und Frömmigkeit sind oft nichts anderes als: Zeit haben für sich und damit wahrhaft Gegenwart haben." Eine „Geschichte des Chassidismus", der bedeutsamsten religiösen Bewegung im neuzeitlichen Judentum, aus der Feder von Prof. Simon D u b n o w, dem Verfasser der zehnbändigen „Weltgeschichte des jüdischen Volkes", beginnt jetzt im Jüdischen Verlag, Berlin W 50, zu erscheinen. Das zweibändige Werk ist die erste zusammenhängende historische Darstellung des Chassidismus, die auch zahlreiches, bisher unbekanntes Material im Privatbesitze von Prof. Dubnow verwertet. Soeben erschien der erste Band, der zweite Band gelangt im Mai d. I. zur Ausgabe. Das Aprilheft der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wird eröffnet durch einen Aufsatz G. Salzbergers über die moderne Predigt. Ausgehend von der Arbeit eines bekannten christlichen Theologen sucht Salzberger dem Zeitwandel gerecht zu werden, der über den Rationalismus des 19. Jahrhunderts zur Gegenwart geführt hat; er erörtert vor allen Dingen ^ie Forderung der Schlichtheit und Sachlichkeit, die der neuzeitliche Hörer, ob Jude oder Christ, an die Predigt stellt. Er weiß aber zugleich den besonderen Bedingungen der Synagogen^ predigt gerecht zu werden, die, im Sinne der Ileberlieferung des Judentums, einen weit stärker belehrenden Charakter tragen muß als die Kirchenpredigt. Erfreulicherweise setzt ferner dies Heft die Darstellung des jüdischen Schulwesens fort, welche durch den Aufsatz des Herrn Professor Fürst im vorigen Heft begonnen wurde. Während, wie jener Aufsatz zeigt, die Zahl der höheren Schulen eher im Zunehmen begriffen ist, zeigt die Statistik des Volksschulwesens, die der bekannte Fachmann Direktor Dr. Rotholz mit erläuternden Bemerkungen vorlegt, einen starken Rückgang sowohl der Schulen wie auch der im Volksschulwesen beschäftigten Lehrkräfte. Wie wir erfahren, werden die nächsten Hefte Aufsätze über das Schulwesen in der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie bringen, denen man mit großer Spannung