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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 2 (Mai 1931) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 60 (sequence 26)
Language
German
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60 K. C.-BIätter entgegensehen darf. Von denjenigen Arbeiten, die in erster Linie für den Fachmann bestimmt sind, darf der Aufsatz von Schirmann „Eine hebräisch-italienische Komödie des 16. Jahrhunderts" als Beitrag zu der fast völlig vernachlässigten Geschichte des hebräischen Dramas Wohl auch weiteres Interesse beanspruchen. Adolf Kober nennt seinen Aufsatz über jüdische Studenten und Doktoranden der Universität Duisburg im 18. Jahrhundert mit Recht einen Beitrag zur Geschichte der Aufklärung, da er zeigt, daß bereits lange vor Mendelssohn Juden in erheblichem Umfang Universitätsstudien betrieben haben. Ferner liefert I. Sonne Beiträge zur Geschichte der noch immer dunklen und doch anziehenden Gestalten David Reubenrs und Salomo Molchos. Man abonniert die Monatsschrift, indem man Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von RM. 10.— an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. Me Gesellschaft für jüdische Familienforschung versendet soeben das 25. Heft ihrer Zeitschrift. Alfonso Cassuto, Hamburg, diskutiert die Entstehung spanisch - portugiesischer Familiennamen aus Grund einer in seinem Besitz befindlichen Sammlung sephardischer Iudaica, die sein Urgroßvater angelegt hat und die seltenes, zum Teil einzigartiges Material enthält. — Ernst Wolfs, Berlin, beginnt in diesem Heft eine sehr ausführliche, ins Detail gehende Anleitung, wie man ein Familienarchiv anlegen und führen soll. Für jeden praktischen Familienforscher, nicht nur den jüdischen, sind gerade solche Anweisungen von besonderem Wert. — Heinrich Kurtzig, Berlin, gibt aus einem vor hundert Jahren erschienenen „Verzeichnis sämtlicher Israeliten im Großherzogtum Posen" recht interessante Auszuge über die Berufe der damaligen Juden. Das Vorurteil, daß sie alle Händler oder Krämer gewesen seien, wird hier durch amtliches Material widerlegt; besonders unbekannt dürfte sein, wieviele unter den Posener Juden als Gutsbesitzer, Gutspächter oder Ackerbauer in der Landwirtschaft tätig waren. Die hier benutzte Quelle ist ein Unikum,' denn sie existiert nur in einem Exemplar, und zwar in der Preußischen Staatsbibliothek. — Fritz Aronstein, Berlin, schildert die Familie Aronstein, die aus Düren in Westfalen stammend viele tüchtige Menschen mit nicht alltäglichen Schicksalen hervorgebracht hat: im wesentlichen Gelehrte, denn unter 656 Nachkommen gab es 98 Akademiker und Ingenieure, also über 14 Prozent; in einzelnen Zweigen stieg dieser Anteil sogar auf 59 von 105, also über 56 Prozent. Daneben finden wir Offiziere und Gutsbesitzer, hohe Beamte, aber auch Goldgräber, Abenteurer und katholische Priester! Diese Erscheinung, daß viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens als „arische" Vertreter des Deutschtums gelten resp. austreten und die heute so moderne Idee von der Superiorität der reinen nordischen Rasse verkünden, selber jüdisches Blut in ihren Adern führen — mitunter, ohne es zu wissen, immer aber, ohne es zu gestehen, findet eine drastische Beleuchtung in dem Artikel von Max Markreich, „Jüdisches Blut" im „arischen Adel". Allein aus dem 1912 gedruckten Stammbaum der Familie Samson entnimmt er 43 Adlige, die hineingeheiratet haben. Welch Widerspruch, wenn Träger dieser stolzen Namen selber „undeutsches" Blut führend Heute der Hitlerfahne folgen? — Zum Schluß folgt eine Liste in Amerika ohne bekannte Erben verstorbener Juden (Bewerber können ihre Ansprüche bei der Gesellschaft melden) und das wie immer reich beschickte Suchblatt über Personen und Tatsachen der jüdischen Familiengeschichte. Die Zeitschrift wird allen Mitgliedern unentgeltlich zugesandt; Probehefte an Interessenten durch das Sekretariat (Berlin W, Potsdamer Str. 5). Verantwortlicher Redakteur: Refr. Rudolf L. Leimansohn, Berlin. — Verlag: Philo-Verlag, Berlin W15. Lmser Straße 42. - Druck; D. tzeilchenfeld, Berlin SW 68.

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