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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 2 (Mai 1931) · p. Seite 51

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 51 (sequence 17)
Language
German
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K. C.--Blätter 51 Optimismus fern, der jedes Jahr von neuem den Sieg fortschrittlicher Lebensformen an den deutschen Hochschulen prophezeit, so sieht man in den farbentragenden Verbindungen (trotz erhöhten Sportbetriebs und trotz der Einschränkung des Trinkzwangs im Kösener S. C.--Verband!) jedenfalls noch immer die klassenbewußte Jugend des besitzenden deutschen Bürgertums, die dort die Ideale ihrer Klasse Pflegt. Als diese Ideale erscheinen in der Prägung, die die Korporation ihnen gibt, neben Kollektivwerten auch zahlreiche persönliche: menschliche Eigenschaften und Qualitäten bestimmter Art. Das zeigt sich schon in den Wahl- und Wappensprüchen, die ebenso oft zu „Ehre", Freundschaft" und „Mannesmut" als zu „Freiheit" und „Vaterland" aufrufen. Aber das Persönliche wird hier nicht individualistisch gesehen, sondern im Gegenteil solange objektiviert, bis es am Ende vieler Umwege völlig entpersönlicht erscheint. Das tägliche Berbindungsleben zeigt den Vorgang mit aller Deutlichkeit: im Ringen einzelner Persönlichkeiten um Weitung ihres Lebensraums auf den vorher und sonst freiesten Gebieten: Freizeit (Trinken!), Berufsarbeit, Menschenbeurteilung, Ehre, werden endlose Konvente verbracht. Das Kollektivum tritt mit rätselhafter Macht in die studentische Freiheit und siegt. In der Regel genügt zur Erklärung dieser Erscheinung, daß die Korporation dem Einzelnen als Entgelt für seine Selbständigkeitsverluste insbesondere die gesellschaftliche Vorzugsstellung gewährt, die ihn wiederum viele sonst zu hohe Schranken übersteigen läßt, so daß er im ganzen durch die Unterwerfung freieren Lebensraum als früher erhält. Auch für den Couleurstudenten steht das Deutschtum an zentraler Stelle. Er sieht es jedoch konkreter im Staat als in der lebendig fließenden Kultur- und Volksgemeinschaft. Dies liegt nicht daran, daß er etwa als Bürgerlicher alle Lebensgüter nur durch den gegenwärtigen Staat, der ja trotz allem die herrschende Gesellschaftsordnung sesihält, gewährleistet sähe. Einzelne mögen so denken, viele es unbewußt empfinden, die Alten Herren sich daran klammern, wenn sie den Aktiven ganz allgemein Staatsgesinnung zur Pflicht machen (davon gehen ja auch die nicht ab, welche in den vier Pfählen des Verbindungshauscks am neuen Staat kein gutes Haar lassen). Im Grunde entsteht das Verständnis des Couleurstudenten für den Staat an einer ganz anderen Stelle, und deshalb hält es sich auch in Gesellschaft jener anderen Korporationsideale auf, welche mit einer so engen utilitaristisch-rationalen Auffassung auf die Dauer nicht innerlich vereinbar wären. Die Fülle von Codizes — „Comments" — und die Formstrenge der Korpporationsverfassungen zeigt, wo der stärkste und eigentümlichste Antrieb des Verbindungswesens steckt: In die Verbindung kommt man vier oder fünf Jahre älter als gewöhnlich in den Wandervogel. Der Fuchs hat die schwersten Krisenjahre der inneren Reife hinter sich. Seine Kräfte wenden sich langsam wieder der Erfassung des äußeren Lebens zu. Die ichbezogenen Antriebe werden in weitem Maße von der gerade jetzt beginnenden Berufsausbildung beschlagnahmt; in ihr arbeitet er von nun ab an sich selbst. Jedoch werden sich im Beruf Leistungen, die für die Amwelt anerkennenswert sind, erst in vielen Jahren einstellen.

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