KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 50 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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60 K. C.-Blätter Methoden. Heimatliebe, Mundart und Lied, Brüderlichkeit im Volke lassen sich nicht durch Schule und Staat lebendig machen oder erhalten; aber die kleine, enge Gemeinschaft der Gruppe kann sie bei jahrelangem Zusammenleben, in hundert Heimen und Fahrten, den Einzelnen so tief ins Herz senken, daß sie lebenslang sortwirken. Diese Einwirkung aus den Einzelnen ist nach Inhalt und Form gleichmäßig durch das Wesen des Wandervogels bedingt. Ethische, insbesondere sozialethische Pflichten hat der Wandervogel nur auffällig zögernd, und kaum je in den Mittelpunkt seines Erlebniskreises, übernommen. Auch dies entspricht seinem Wesen. Aus Erlebnissen von sehr individualer Art entsprungen, dringen seine Kräfte stets in erster Linie gegen die Schranken des individualen Lebens vor, und noch im Bilde der Volksgemeinschaft fesseln ihn vor allen wichtigen inneren Fragen die besonderen, kulturell eigenartigen Züge. Mit dieser Lebenshaltung sind zweifellos oft schwere Unterlassungssünden gegenüber den brennenden Forderungen der gesellschaftlichen Probleme verbunden. Man wird ihr aber erst gerecht, wenn man auf der anderen Seite die echt individualistische, restlose Selbstverleugnung anerkennt, die ihr oft entsprungen ist (siehe etwa die zähe Arbeit alter Wandervögel am Iugendrings-, Herbergs-, Grenzland- und Weltjugendwerk; aber auch, richtig verstanden, die Kämpfer von Langemark, unter denen sich bekanntlich besonders viele Wandervögel befunden haben, und den Geist der schon um sie gebildeten Legende). Man wird sagen können, daß zumeist die — menschlich gesehen — noch völlig zersetzten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland die Schuld daran tragen, wenn im Wandervogel (als Typus!) noch keine für einen jugendlichen Vorstellungskreis hinreichend konkrete gesellschaftliche Vorstellung entstanden ist, die ihn alle Menschen des Volkes als Einheit umfassen und gleichmäßig lieben ließe. Dies Kunststück bringt ja außerhalb der Ideologien auch unter den Erwachsenen kein Mensch und keine Partei fertig. Die wenigen Andeutungen mögen genügen, um im Wandervogel diejenige Form jugendlichen Zusammenschlusses sehen zu lassen, die, aus individualen Erlebnissen stammend und für sie ausgebaut, dennoch die Brücke vom Einzelnen zur Volksgemeinschaft zu schlagen sucht, indem sie ihn mit — notwendig individualistischen — Methoden unter Wahrung seiner instinktiven Eigenansprüche bis zu der Stelle vorwärtsführt, an der jeder Individualismus um der Tat willen die Schranken des Ichs sprengen muß. Der junge Mensch, der einer Uebermittlung kollektivethischer Pflichtnormen mißtrauisch gegenüberstände, wird im echten Wandervogel aus seinen eigenen Grundüberzeugungen heraus zur Arbeit an sich selbst und zur verantwortlichen Eingliederung in das eigene Volk gebildet und gedrängt. — Der Typus des Couleurstudenten ist mit einiger Vorsicht einzuführen, weil seit dem Kriege in den verschiedenen farbentragenden Verbänden zu alten noch soviel neue Reform-, aber auch Reaktions- Bestrebungen hinzugekommen sind, daß der Begriff seine alte Einfachheit verloren hat. Hält man sich indes von dem unbegründetes