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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 2 (Mai 1931) · p. Seite 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 49 (sequence 15)
Language
German
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K. C.-Blätter 49 gegangen sind. Es kann und soll also auch für eine innerjüdische Betrachtung vom Wandervogel und vom Couleurstudenten schlechthin gesprochen werden. Die Zeit ist nicht dazu angetan, theoretisch zu untersuchen, welcher von beiden Typen mit seiner Lebensauffassung mehr recht hat. Gegnerschaft besteht zwischen beiden unzweifelhaft. (Das Wandervogelleben und überhaupt die Jugendbewegung spielen sich trotz früheren Einsetzens nicht etwa völlig in einer tieferen Altersstufe ab als das Verbinoungswesen; vielmehr suchen auch sie den Schwerpunkt ihrer lebensresormerischen Bemühung in die bedeutungsvollen und zukunftskräftigen Jahre nach der Reife zu verlegen. Wichtiger ist für die deutschjüdische Gesamtheit die Frage, in welcher Weise jeder von beiden als Lebensform ihrer eigenen Jugend ihrem Kampfe um innere und äußere Selbsterhaltung dienen kann. Auch unter dem Gesichtspunkt dieses Kampfes kann man die beiden Typen allerdings wohl auch heute noch nicht vergleichend werten. Nicht alle Bestandteile des Korporationslebens sind bürgerlich; soweit sie bürgerlich sind, fragt sich, ob das ein Stein des Anstoßes für uns sein muß. Die Geschichte hat schließlich viele jetzt völlig im Rassenwahn befangene Korporationen schon einmal als eifrige- Verfechter des politischen Fortschritts gesehen; andererseits gibt es auch heute christliche Korporationen, die sich liberal einstellen. Umgekehrt hat die freie Form des Wandervogels nach der kulturell fortschrittlichen Meitznerzeit zu großen antisemitischen Zusammenschlüssen geführt, denen sich nur wenige bürgerliche Bünde entziehen konnten. — Man sollte. also Formtypen wie diese beiden mit Unbefangenheit betrachten. Je näher man ihren Inhalten kommt, um so eher wird der an sich stets nur akzessorische Antisemitismus aus ihnen weichen. (Der Satz vom „stets nur akzessorischen Antisemitismus" wird im Bewußtsein all seiner ethno-Psychologischen Zweifel als der Grund- und Glaubenssatz erwähnt, auf dem die deutschjüdische Jugend erzogen werden muß.) Der echte Wandervogel ist reiner Individualismus. Aus einsamen, romantischen Knabenträumen erwachsen, gipfelt er in einem starken Naturerlebnis, dessen schrecklichster Feind für ihn die Masse ist. Sein Körpergefühl sucht Tüchtigkeit des Leibes, aber nicht Sport. Seine menschlichen Bindungen sind vor allem gefühlsmäßig, nicht ideologisch, und deshalb persönlich, nicht kollektivistisch. Seinen Lebenskreis sucht er fast allein in dem beschränkten Ausschnitt der „Gruppe"; man kennt die heftige Ablehnung aller anderen Kameradschaft bei Jungen und Mädchen, die begeistert im Gruppenleben stehen. Sein Deutschtum sucht der Wandervogel dementsprechend mehr im Vaterland und im Volke als im Staat, mehr in der Kultur als in der Machtgeltung, mehr in der Geschichte als in der Politik. Daher zielt er, soweit er sich zur Gemeinschaftsarbeit verpflichtet fühlt, auf feste Verwurzelung mit dem Heimatboden, auf Erhaltung gefährdeten alten Volksgutes und auf Belebung eines volksgemeinschaftlichen Geistes quer durch alle Klassen der Gesellschaft. Um dies zu erreichen, bedient er sich — notwendigerweise — rein individualistischer

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