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KC-Blätter · 1931-05-01 · Heft 2 (Mai 1931) · p. Seite 48

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 2 (Mai 1931)
Date
1931-05-01
Page
Seite 48 (sequence 14)
Language
German
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48 K. C.-Blätter So finden sich in allen Wandlungen unveränderliche Grundkräfte. In der ersten Phase seines Lebens herrscht das Gefühl vor, in der zweiten der Verstand, in der dritten aber erfolgt ein Ausgleich beider Kräfte durch die Abgeklärtheit des Geistes, der zwar nicht die ganze Vielgestaltigkeit der Welt, aber doch die Vielfältigkeit seiner Welt umfaßt. Die Leidenschaft des verlangenden Herzens wird durch Gerechtigkeit und Klugheit geläutert, und die leidenden Gestalten des irdischen Reiches leuchten in Schönheit auf unter den Strahlen letzten und tiefen Verstehens. Wandervogel und Couleurstudent. Von Dr. Ernst Wolfs (Rhen.-Sil.), Frankfurt a. M. Die Ueberschrift nennt zwei Typen jugendlichen Lebensstils, die nur in Deutschland ausgebildet sind; Herkunft und Schicksal kennzeichnen sie als deutsche Typen besser als eine zergliedernde Prüfung ihres Inhalts. Wir deutschen Juden haben, seit die Emanzipation unsere Schicksalsgleichheit mit dem deutschen Volke zu der Kulturgemeinschaft verdichtete, aus der sich unser Deutschtum herleitet, die Bildungs- und Gesellschaftslagen mit besetzt, aus denen beide Typen erwachsen sind. Wie die deutsche jüdische Jugend sich zu ihnen praktisch, also in den Entscheidungen der Einzelnen, bisher verhalten hat, ist bekannt. Bei solchen Entscheidungen ist jedoch stets viel persönlich Bedingtes mit im Spiel. Daher ist, wenn hier auch nur in kurzen Andeutungen, einmal nachzusehen, welche objektive Wirkung, nämlich welche menschliche Beeinflussung und Prägung von diesen beiden Lebensformen aus eine Jugend übergeht, die sie annimmt. Wir müssen wissen, ob sie unsere eigenen Menschen zu dem Kampf um unsere Lebensrechte stärken oder untauglich machen (beides wird ja lebhaft behauptet). Jedoch braucht, wenn wir hierbei die Lage der deutschen Iudenheit zum Ausgangspunkt nehmen, kein inhaltlich verschiedener Typus des jüdischen Wandervogels und jüdischen Couleurstudenten vorgestellt zu werden. Vielmehr hat sich gezeigt, daß der junge Deutschjude beide Lebensformen, wenn überhaupt, so in den wesentlichen Zügen unverändert übernehmen will. Einzelne Umformungen, die durch geschichtliche und rassemäßige Besonderheiten, vor allem aber durch den isolierenden Einfluß des Antisemitismus verursacht sind, kommen demgegenüber nicht entscheidend in Betracht. Dies muß ausdrücklich hervorgehoben werden, weil deutschvölkischer Haß und jüdischnationale Verständnislosigkeit sich gern in der Behauptung begegnen, der jüdische Wandervogel und der jüdische Couleurstudent seien nichts als Nachahmungen „deutscharischer" Muster. Daß viele Einzelne diese Lebensformen annahmen, obwohl sie ihnen noch nicht oder nicht mehr entsprachen, und dann in ihnen aussahen, wie in einem geborgten Kleide, ändert nichts an der Tatsache, daß aus den Reihen der deutschen Iudenheit Tausende von Männern in dem ernsten Kern des Korporationsstudententums und Tausende von Jungen und Mädchen in den Lebensidealen des Wandervogels voll auf-

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