KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 43 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 43 doch in der sublimen Kunst seiner letzten Dichtungen den Sieg davonträgt. Hier wäre zu bemerken, daß die Gegensätze der Thesis und Antithesis nicht kontradiktorisch sind/ sondern sich über einem gemeinsamen Grunde erheben, daß Antithesis und Synthesis nur diejenigen Zustände enthalten, die in der Thesis angelegt sind, wie denn auch die Trias Idee — Natur — Geist (Hegel) oder Geist — Natur — Gott (Schelling) die Rückkehr zum Urprinzip zeigt. Es wird also nicht etwa aus einem idealistisch eingestellten Menschen ein Realist, oder, um mit Schiller zu reden, aus dem sentimentalischen ein naiver Mensch, wenn er das Reich der Antithesis betritt. Heine bleibt immer der Vorkämpfer seiner Ideale, seien sie nun spiritualistischer oder sensualistischer Natur. * Aus dem „Buch der Lieder", dem ersten zusammenfassenden Gedichtbande Heines — die einzelnen Abteilungen waren bekanntlich schon früher erschienen — läßt sich bereits ein Bild von der Wesensart des Dichters gewinnen, das auch durch die Schwankungen der folgenden Perioden konstant bleibt. Legen wir die — immer noch wichtige — Schillersche Unterscheidung des naiven und sentimentalischen Menschen zugrunde, so ergibt sich, daß Heines Wesensart durchaus auf seiten des sentimentalischen Menschen zu suchen ist. Am deutlichsten erweist sich diese Tatsache an der Rolle, die die Natur in seinem Dichten spielt. In den ersten Gedichten sind die Bilder, die der Natur entlehnt sind, konventionell, und es scheint.mehr auf die Gefühlsqualität abgesehen, die den Namen der Blumen, der Rose, der Lilie, dem Herbst, dem Frühling, der Sonne der Nachtdunkelheit durch Tradition eignet. Erst in der „Heimkehr" finden sich bestimmtere Bilder. Aber auch hier ist die Natur nicht Gegenstand der Darstellung. Heine findet kaum je die Ruhe, die Natur in ihrer stillen, abgeklärten Schönheit zu schildern, sie durch ihr bloßes Dasein wirken zu lassen. Die flüchtigen Impressionen, die den Eindruck des Landschaftsbildes erwecken, dienen als stimmungsbildender Auftakt, oder sie spiegeln die Züge des menschlichen Affekts wieder, verdeutlichen ihn durch ihren eigenen Stimmungsgehalt. Rasch löst sich aus dem Natureindruck wieder die seelische Emotion. Die Natur ist nicht einmal Schauplatz dieses seelischen Geschehens, sondern nur der Reflex des Kummers oder des Glücks, von dem die Rede ist. Eine Andeutung genügt vielfach, um dem Geschehen seinen Ort im Raume zu geben. Wesentliche Züge der Landschaft werden scharf herausgehoben, und so entsteht ein Bild, das zwar nicht so sehr eine bestimmte, klar abgegrenzte Vorstellung auslöst als vielmehr einen stark gefühlsbetonten Eindruck. Einige wenige Attribute bilden durchweg ausgezeichnete Stimmungsfaktoren. Es wird hier als selbstverständlich vorausgesetzt, daß der Dichter in Bildern denkt, daß er uns die sinnliche Erscheinung des Gegenstandes nahe bringt. Aber innerhalb dieser poetischen Sphäre gibt es einen weiten Spielraum und scharf ausgeprägte Gegensätzlichkeit des Verhaltens. Eine Welt trennt den naturnahen Menschen, der sich liebevoll in das Dasein versenkt, seine Art und Weise demütig zu erlauschen und sie möglichst getreu und wahrhaftig zur Darstellung zu bringen sucht, von jenem andern,