KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2 (Mai 1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 42 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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42 K. C.»Blätter andere Religionsanschauungen zum Maßstab nimmt. Allerdings weist auch die jüdische Geschichte solche Epochen auf. Fast immer können wir solche Bestrebungen auf unbewußt wirkende Einflüsse von außerhalb zurückführen, und immer wieder sind sie glücklich überwunden worden. Der jahrzehntelang mit größter Erbitterung geführte Streit um die Schriften des Maimonides und die Freiheit der Wissenschaft im 13. Jahrhundert ist formell ohne Entscheidung geblieben. Tatsächlich hat er das Ergebnis gehabt, daß die Freiheit der Forschung als mit der Religion vereinbar galt. Der angebliche Ketzer Maimonides ist späteren Geschlechtern eine religiöse Autorität geworden. Es ist im Tiefsten in dieser religiösen Einstellung begründet die Eigenart jüdischen Geistes, die nüchtern verstandesmäßige Erkenntnis und praktische Beherrschung der realen Dinge mit tiefem Gefühl und idealem Ziel zu verbinden. Nicht dogmatisch gebundener Glaube, sondern unzerstörbares Vertrauen und die Forderung der eignen unablässigen praktischen Arbeit zur Verwirklichung des Ideals kennzeichnen das Judentum, dem diese Welt und ihr Schicksal nicht das Spiel der Willkür einer übergewaltigen Macht, sondern die sittliche Aufgabe der in sie gesetzten Menschen ist. Das ist der Diesseitsglaube, des Judentums, daß diese Welt nicht Sünde und Abfall von Gott, sondern die Stätte der Verwirklichung der Erkenntnis Gottes ist. Naturgefühl und Motive in Heines Iugenddichtung. Von Dr. Kurt Eckstein (Rh.-Sil., Sax.). In Heines Leben und Werk prägt sich deutlich der dreigegliederte Rhythmus von Thesis, Antithesis und Synthesis aus, dessen Entdeckung eine der wichtigsten Taten der romantischen Philosophie war. Die Welterfassung löst sich aus diesem Verlauf der Lebenserscheinung nicht mehr in einem, grundsätzlich unteilbaren Akte (der allerdings die Möglichkeit der Analyse gestattet) wie beim naiven Menschen der Antike, sondern sie ist dem Menschen zunächst als Aufgabe gesetzt, die erst in einer Folge von Stationen zur Erfüllung kommt. Nur widerstrebend teilt sich die Welt dem eifrig Werbenden mit. Der Geist schwingt sich von Pol zu Pol, oft ruckweis, jäh und heftig, bis am Ende das Bemühen gekrönt wird von der, aus dem Gegensatz genährten Vollkommenheit des ursprünglichen Prinzips. So ist bei Heine, den man zwar selbst nicht mehr zu den Romantikern zählen kann, in dem aber Elemente ihres Schaffens eminent wirksam sind, der Rhythmus dokumentiert durch die drei Phasen seines Lebens, die sich ganz deutlich im Werk abheben. In der ersten Periode spricht sich eine weltschmerzliche, wirklichkeitsferne Geistigkeit aus, die sich jedoch nach und nach mit den Prinzipien des zweiten Stadiums durchsetzt. Der Kontrast wird noch nicht deutlich bewußt, gibt sich vorwiegend in seinen Auswirkungen zu erkennen, den ironischen Stimmungsbrechungen nämlich, die mit der Zeit mehr und mehr wesentliche Bestandteile der Dichtung Heines werden. Die zweite Phase zeigt ihn als Vorkämpfer für die Rechte der Materie gegen den Geist, bis der Geist