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KC-Blätter · 1929-09-01 · Heft 3 (September 1929) · p. Seite 56

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Journal
KC-Blätter
Volume
1929
Issue
Heft 3 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
Seite 56 (sequence 24)
Language
German
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56 Sohn, der Hofrat, der in Mainz und Heidelberg studiert hatte. Noch einige Namen und die Liste der jüdischen Studenten auf deutschen Hochschulen im Rokoko, in den Tagen Mendelssohns ist zu Ende. Von Holland und Italien abgesehen ist es in den übrigen europäischen Landern noch schlimmer. Nur der Weg zur Taufe führt zur Universität. Wie die Juden im heiligen Land lebten, darüber berichtet ein Brief, den der Abenteurer Simon von Geldern, der Bruder des Arztes Gottschalk, Heines Großonkel, an seinen Vater nach Düsseldorf richtete. Das Leben der Juden in Palästina in diesen Jahrzehnten ist sonst völlig im Dunkeln, darum sei dieser Brief, der so viele Parallelen zu unseren Tagen bietet, hier zum ersten Male aus dem Nachlaß veröffentlicht: „Ich weiß kaum noch, wann ich meinem Vater aus Jerusalem geschrieben habe. Jedenfalls will ich ihm Mitteilen, daß ich gezwungen war, Jerusalem zu verlassen, will sagen in der Nacht zu flüchten, denn das Leben in dieser Stadt ist schwer. Abgesehen davon, daß mir kein Pfennig blieb, mich zu ernähren, so war in jedem Augenblick Gefahr und schlimme Verfügung. Denn außer der Schuld der Askenasim von 5000 Reichstalern sind die Spaniolen beinahe 200000 Gulden schuldig. Wovon sollen sie diese Schulden bezahlen? Tag für Tag nimmt man einen Gelehrten oder einen Hochstehenden in Haft und schlägt ihn, bis er gibt, was sie wollen. Vor Schewuos floh ich nachts auf einem Kamel nach Hebron und es waren mit mir drei Türken. Nach Mitternacht waren wir aus einem engen Wege, ein Steinmeer rechts und eine Wand links und ich in meinem Elend saß auf dem Kamel. Da sprangen zwei arabische Räuber hinter dem Zaun hervor und begannen, die Ungläubigen zu Tode zu schlagen, ließen sie liegen, als sie sich in ihrem Blute wälzten, nahmen die Last des Esels und flüchteten. Und alles dies geschah unmittelbar neben mir, Gott sei gelobt, der mich gerettet hat, sie sagten mir kein Wort und berührten mich nicht. Ich hatte bereits mein Sündenbekenntnis gesagt. Wenn sie mir einen Schlag gegeben hätten, wie sie es den Ungläubigen getan haben, hätte ich genug gehabt. Gewiß stand mir das Verdienst meiner Väter bei für meine Schuld, zu gering bin ich für alle die Gnade. Dann erhoben sich mit Mühe und Not die Ungläubigen, halfen einander auf die Esel, bis wir nach Hebron kamen. Es lärmte die ganze Stadt, als sie die Ungläubigen voller Blut sahen und das Wunder hörten, das mir geschehen war. Ich wohnte bei einem Gelehrten, dem Schwager des Chacham Jizachak Karigal, und ich hatte nichts zu bezahlen. Ich fragte ihn, ob jemand mich 6—7 Monate unterhalten wolle, bis ich Geld aus dem Ausland erhalte. Aber jeder einzelne antwortete mir, daß er nicht genug habe, um sich selbst herauszureißen und wirklich war große Teuerung und es war schwer durchzukommen. Es war ein großes Wunder, daß ich etwas hatte, um von Hebron nach Akkon zu kommen, was 50 Gulden kostete, Gott sei Dank. Auch in Hebron sind sie schon 50 000 Gulden schuldig und es gibt dort nur etwa zwanzig Hausbesitzer, dreißig höchstens. Von Akkon ging ich nach Sidon, Beyrut, Sinim oder Tripolis und von dort nach Laodicaea, und nach dem 9. Ab weiter nach Aram Zoba (Aleppo). Wohl infolge meiner Sünden habe ich auf allen diesen Reisen gesehen, daß wir Askenasim verachtet sind in ihren Augen. (Deutsch:) — Mir sein große Narren, wann die Leut zu uns kommen, meinen wir, wir müssen sie reich machen und in Wahrheit sammeln sie Reichtum. Welch eine Sonderlichkeit, mehr als fünfzig Jahre war kein Deutscher in dieser Gegend. War gezwungen, Hungers zu sterben, wenn nicht Gott Wunder und Zeichen an mir tat. In Aram Zoba erwartete mich Antwort und Geld. Bin ich denn besser, als König David, der gezwungen war, nach Aram Zoba zu fliehen. — Wenn ich richtigen Bescheid erhalte, dann werde ich zurückgehen, nicht nach Jerusalem, sondern in ein Dorf Palästinas, wo Ruhe ist, um über der Thora und dem Gottesdienst zu sitzen. Denn es gibt keine große Ansiedlung außer Jerusalem und von dort sind zweihundert Fromme fortgezogen. In Safed, Hebron und Liberias ist auch schwer wohnen wegen der Verfügungen, und alles das wegen der Sünden, Streitereien, Anschuldigungen und Verleumdungen."; So schrieb Simon von Geldern im Jahre 1766, gls er zum dritten Male nach dem heiligen Land gepilgert war. Auch dort drüben ist manches geblieben wie es war.

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